Die Tiere spürten das Erdbeben im Fricktal

Tiere können nicht mit Sicherheit Erdbeben voraussagen, doch die Methoden der Menschen sind noch weniger zuverlässig.Das Erdbeben in der Nacht von Montag auf Dienstag hat viele Fricktaler aus dem Schlaf gerissen. Doch einige waren schon vorher wach: Ihre Haustiere haben sie geweckt.

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«Ich war schon vor dem Erdbeben wach», erzählt eine Rheinfelderin. Ihr Hund hat sie geweckt. Als sie vom Schwarzwald her ein lautes Grollen und Brummen gehört hat, wurde ihr dann doch ein bisschen ungemütlich. «Ich habe meinen Mann geweckt, wir haben das Licht angemacht und uns sicherheitshalber unter einen Türpfosten gestellt», erzählt sie. Schliesslich, so meint sie, sei das verheerende Erdbeben in den italienischen Abruzzen noch nicht so lange her.

Das Erdbeben, dessen Epizentrum in der deutschen Gemeinde Steinen im Wiesental lag, erreichte eine Stärke von 4,3 auf der Richter-skala. Obwohl Steinen rund 20 Autominuten von Rheinfelden entfernt liegt, spürten die Fricktaler das Erdbeben um 3.39 Uhr deutlich. Doch nicht nur die Menschen, auch die Tiere waren von der Naturgewalt verunsichert: «Die Katzen haben verrückt gespielt», «der Hund stand am Fenster und hat gewinselt», «die Vögel haben schon um vier Uhr früh mit ihrem Pfeiffkonzert angefangen», erzählen sich die Leute auf der Strasse.

Doch das seltsame Verhalten der Tiere ist kein zuverlässiges Zeichen für ein Erdbeben. Tiere, die verrückt spielen, sind als Erdbebenvorhersage ebenso unzuverlässig wie Schwankungen im Grundwasser oder spezielle Wolkenformen. So erstaunt es auch nicht, dass es bisher in der Erdbebenforschung erst einmal gelang, ein Erdbeben auf den Tag genau vorherzusagen. Das war am 4. Februar 1975. Damals kündigten kleinere Erdstösse in der Provinz Liaoning in China ein Erdbeben an.

Am selben Abend um 19.36 Uhr gab es dann tatsächlich ein Erdbeben der stärke 7,6, doch die Menschen wurden rechtzeitig evakuiert. Auch das Erdbeben in den Abruzzen haben die Forscher vorausgesehen - allerdings in der falschen Stadt und eine Woche zu früh. Ob die Forscher tatsächlich jemals Erdbeben genau voraussagen können, kann keiner sagen. Deshalb beschäftigen sich die Forscher nicht nur mit der Erdbebenvoraussage, sondern mit der Frage, wie Erdbeben entstehen und wie Häuser möglichst erdbebensicher gebaut werden können.

Beim Beben in der Nacht von Montag auf Dienstag entstanden in der Schweiz keine Schäden. Ein Erdbeben wie dieses gebe es etwa ein- mal im Jahr, heisst es von Erdbebenforschern. Ein Erdbeben mit der Stärke von 6,5 oder mehr auf der Richterskala, das viele Tote fordert und grosse Schäden verursacht, komme hingegen rund alle 1000 Jahr vor. Das letzte grosse Erdbeben dieser Art ereignete sich 1356 in Basel. (lbr)

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