Klingnau

Die teuersten Fische der Welt leben in Klingnau

«Der Tancho ist charakterlich eine Mimose»

«Der Tancho ist charakterlich eine Mimose»

Bernhard Kaufmann hat mit seiner Koi-Farm in Klingnau das Hobby zum Beruf gemacht. Koi-Fische sind so etwas wie Königstiger unter den Fischen. Koi-Aficionados bezahlten für die schwimmenden Tiere Unsummen - dem gebiert jetzt allerdings die Wirtschaftskrise Einhalt.

«Es gibt nichts Schöneres, als nach einem harten Arbeitstag am Gartenteich zu sitzen, dem Plätschern des Wasserfalls zu lauschen und den Koi zuzuschauen.» Bernhard Kaufmann hat vor 20 Jahren diese Form der Lebensqualität für sich entdeckt. Seit 10 Jahren hilft er anderen, sich diesen Traum ebenfalls zu erfüllen.

Im Moment herrscht in den Hallen der Klingnauer Koi-Farm Ruhe vor dem Sturm. «Die Wintermonate nutzen wir, um das Lager aufzustocken und neue Produkte für die kommende Saison zu evaluieren», sagt Bernhard Kaufmann. In den verschiedenen Becken schwimmen zwar schon Hunderte von farbenprächtigen Koi, aber viele ihrer georderten Kollegen sind noch in Japan und warten auf die Reise in die Schweiz. «Früher habe ich die Fische von verschiedenen japanischen Züchtern bezogen, seit einigen Jahren konzentriere ich mich auf einen Lieferanten in Hiroshima, der höchste Qualität garantiert.» Von Koi-Züchtern ausserhalb Japans hält Kaufmann nicht viel: «Der Boom hat dazu geführt, dass fast überall auf der Welt Koi-Zuchten entstanden sind. Aber sie erreichen das japanische Know-how nicht, das über Generationen in Familienbetrieben erarbeitet wurde.»

Nischenmarkt früh besetzt

Bernhard Kaufmann bringt pro Jahr rund 5000 Koi in der Schweiz an den Mann und die Frau. Die Fische machen inzwischen aber nur noch rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Weitaus bedeutender ist der Bereich des technischen Zubehörs für den Teichbau geworden. Kaufmann führt rund 3000 Artikel in seinem Sortiment, den Grossteil davon im eigenen Lager: Teichfolien, Pumpen, Rohre, Filtrier- und Reinigungsanlagen, aber auch Winter- und Sommerfutter für die Koi. Der Klingnauer Betrieb hält sich in der Spitzengruppe der Schweizer Anbieter. «Ich hatte das Glück, dass ich vor 10 Jahren relativ früh hauptberuflich in diese Nische eingestiegen bin», sagt Kaufmann. Die Konkurrenz sei inzwischen gewachsen, rund zwei Dutzend Unternehmen kämpften um die Kunden. «Man darf sich nicht zurücklehnen und abwarten – der Markt verlangt immer wieder die neuesten Produkte und noch besseren Kundenservice.

Schwimmteiche zurückgestellt

Kaufmanns Hochsaison beginnt im Frühling, wenn wieder draussen gearbeitet werden kann. Für dieses Jahr ist er relativ optimistisch: «Aufgrund der Anfragen, die bereits hereingekommen sind, rechne ich mit einem anziehenden Umsatz.» Im letzten Jahr habe die Branche die wirtschaftliche Verunsicherung gespürt, indem die Kundschaft bei Grossanlagen wie Schwimmteichen vorsichtiger geworden sei. «Etliche haben ihre Projekte hinausgeschoben und warten erst einmal ab, wie sich die Lage entwickelt.» Bei kleinen und mittelgrossen Teichanlagen sei aber auch im vergangenen Jahr eine konstante Auftragslage zu beobachten gewesen. Neben den Einfamilienhausbesitzern, die direkt bei Kaufmann ein Projekt in Auftrag geben, bilden Gartenbauer aus der ganzen Schweiz den zweiten wichtigen Kundenstamm. Bei der kaufkräftigeren Kundschaft geht der Trend im Moment in Richtung vollautomatisierte Reinigungsanlagen. «Sie sind zwar teurer als die konventionellen, dafür aber kompakter und man muss sich nicht jede Woche die Hände bei der Reinigung schmutzig machen.»

Kein Koi fürs Aquarium

Der Kunde, der sich in der Klingnauer Koi-Farm eindecken will, betritt den Betrieb in der Regel mit dem Wunsch nach «einem farbigen Fisch». «Wenige bringen schon Kenntnisse über die Koi-Haltung mit und machen sich manchmal völlig falsche Vorstellungen», sagt Kaufmann. «Ich sehe es auch als eine meiner Aufgaben an, die Kunden so zu beraten, dass sich die Fische nachher wohl fühlen.» Dies fange schon bei der Grösse des Teiches an. Koi für Aquarienhalter gebe er schon gar nicht ab, betont Kaufmann. «Es braucht mindestens einen Teich mit 10 Kubikmeter Wasserinhalt, und man sollte nicht weniger als vier Tiere einsetzen. Koi sind gesellige Tiere und brauchen eine Gruppe – allein würden sie verkümmern.» Beliebt bei der Kundschaft sei nach wie vor das Farbmuster des Tancho (weisser Fisch mit rotem, rundem Fleck auf dem Kopf wie auf der japanischen Nationalflagge). «Der Tancho ist charakterlich eine Mimose», sagt Kaufmann. «Er sollte unbedingt mit anderen Farben, etwa einem handzahmen und gutmütigen Karashigoi ergänzt werden, dann bekommt man einen Schwarm echter Haustiere, an dem man Freude hat. Der Karashigoi schwimmt regelmässig zur Futterstelle, frisst aus der Hand und lässt sich streicheln. Seine Vorzugsbehandlung macht die wilderen Sorten eifersüchtig, sodass auch sie sich stärker auf den Menschen zu orientieren beginnen.»

Ab 29 Franken dabei

Preislich gibts in der Koi-Zucht nach oben kaum eine Grenze. Spitzenexemplare, die bestimmte Farbmuster exakt widergeben, werden von Freaks mit Unsummen bezahlt. Bei diesem Wettrennen macht Kaufmann nicht mit. Seit einigen Jahren geht er auch nicht mehr an Prämierungen, «um einen Blechkübel zu ergattern». Geblieben ist ihm die Begeisterung für ein spezielles, aber überaus dankbares Haustier. In seinen Becken sind einjährige, 10 Zentimeter lange Koi schon für 29 Franken für Einsteiger erhältlich. Standardware sind die zweijährigen Fische, die grössenmässig schon repräsentabler sind. Hier beläuft sich die Preisspanne von wenigen hundert Franken bis in den vierstelligen Bereich. Auch arrivierte Koi-Halter, die Anspruchsvolles suchen, kommen in Klingnau auf ihre Kosten. (pk)

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