Julian Perrenoud

Fehlt in der Region bald der Nachwuchs? Geht es nach Richard Bobst, könnten lokale Betriebe davon bald betroffen sein. Der Personalleiter der Amman Schweiz AG und Mitglied des Ausbildungsverbunds Oberaargau (AVO) verweist auf den Geburtenrückgang, der erste Signale aussende: «Es ist nicht so, dass wir immer genügend Fachkräfte haben.» Die anhaltende Wirtschaftskrise spiele dabei keine Rolle. Bobst rechnet damit, dass sie in zwei, drei Jahren abflaut. Entsprechend brauchen Unternehmen nun Lehrlinge, damit diese in vier Jahren ausgebildet sind.

Das ist einer der Gründe, warum der AVO morgen einen Berufsinfotag ansetzt. Involviert sind auch die Berufsschule Langenthal, der Wirtschaftsverband Oberaargau, der Gewerbeverein Langenthal und das Berufsinformationszentrum. 800 Volksschüler haben sich angemeldet, um in 54 Lehrbetriebe zu blicken, maximal drei pro Teilnehmer. Da sich fast alle Schüler fürs Maximum entschieden, stehen bis am Nachmittag über 2100 Firmenbesuche an. Projektleiter und Sportlehrer der Berufsfachschule, Beat Kaser, spricht von einer vollbrachten Meisterleistung, was die Organisation betrifft.

Morgen kommen noch mehr als 1998

Die Betriebe sind in ganz Langenthal verstreut. Aus Bützberg gehören einzig Glas Trösch und Coiffure Piffaretti dazu. Zwischen den Standorten verkehren im Zehn-Minuten-Takt Gratis-Shuttlebusse und bedienen 15 Stationen.

Es sei zwar ein Nachteil, kommen fast alle Betriebe nur aus Langenthal, sagt Bobst. So fehlt im Angebot etwa die Landmaschinenmechanik. Dafür erhalten die Teilnehmer einen tieferen Einblick in das jeweilige Unternehmen. Projektleiter Kaser nennt es auch eine Art Vorselektion: Betriebe können diejenigen herausfiltern, die sich für den Beruf interessieren und eignen. Dies sei ein gewaltiger Vorteil gegenüber

einer gewöhnlichen Gewerbeausstellung, sagt Bobst. Bereits 1998 fand in Langenthal ein Berufsinfotag dieser Grösse statt. Damals kamen an drei Tagen 1200 Schüler aus dem Oberaargau und Emmental. Dieses Mal sind es mit 800 an einem Tag noch mehr.

Die Nachfrage der Schüler nach einzelnen Berufen schwankt stark: So meldeten sich 140 Teilnehmerinnen für Fachfrau Kinderbetreuung an. Beliebt sind auch Koch und Informatiker (je über 100 Anmeldungen). Die Gruppengrösse schwankt zwischen 3 und 26 Personen. Auf einen Ansturm müssen sich Maurer-Unternehmen und Banken gefasst machen. Über Mittag erhalten die Schüler in der Mensa der Berufsfachschule ein vergünstigtes Mittagessen.

Firmen werben für neue Kunden

Eine Idee des Berufsinfotages sei auch, dass Lehrlinge den Schülern ihren Betrieb zeigen, sagt Beat Blaser. Er ist Ausbildungsverantwortlicher der Bernhard Polybau AG. Wenn gleichaltrige über Berufswünsche diskutieren könnten, wirke dies anders, als wenn es seinesgleichen täte. Die Firma sei mit Bau-Materialien wie Kunststoff, Metall und Glas für Junge interessanter geworden, sagt er. Die Teilnehmer sollen am Infotag nicht bloss durch den Betrieb laufen, sodern das Material auch «in die Finger nehmen» können. So dürfen sie in der Werkhalle etwa an Modellen schweissen.

«Wir hoffen, dass die Schüler einen Aha-Effekt erleben», sagt Bobst. Im Sinne von: «Ich habe gar nicht gewusst, dass es sowas gibt.» Nicht zuletzt werben die Unternehmen am Berufsinfotag. Denn hinter jedem Kind steckt ein Elternteil - ein potenzieller Kunde also.

Die oberaargauische Wirtschaft ist geprägt durch eine starke Maschinen- und Metallbaubranche, den Detailhandel, die Landwirtschaft oder das Gesundheitswesen. Auch Bau- und Textilgewerbe gehören dazu. In den fast 5300 Betrieben arbeiten zirka 35 000 Personen - darunter viele Lehrlinge. Der Oberaargau ist eine starke Exportregion: Pro Einwohner und Jahr exportiert er 21 300 Franken. Der kantonale Schnitt liegt 7000 Franken tiefer.