Mütterzentrum Solothurn

Die Stadt gibt nicht mehr Geld

Schieflage: Das Mütterzentrum Solothurn fand vor drei Jahren im ehemaligen «Tivoli» eine neue Bleibe. Doch inzwischen sind die finanziellen Probleme existenzbedrohend geworden.

Mütterzentrum

Schieflage: Das Mütterzentrum Solothurn fand vor drei Jahren im ehemaligen «Tivoli» eine neue Bleibe. Doch inzwischen sind die finanziellen Probleme existenzbedrohend geworden.

Ein Jahr vor dem 20-Jahr-Jubiläum sieht die Zukunft des Mütterzentrums Solothurn nicht allzu rosig aus. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen sowie ein Rückgang bei den Kursbesuchen haben zu insgesamt tiefroten Zahlen geführt.

Katharina Arni-Howald

«Der von der Stadt zugesprochene Betrag von 30000 Franken wird bereits im August aufgebraucht sein», machte sich die Präsidentin ad interim, Franca Giani, an der diesjährigen Mitgliederversammlung Sorgen um das Weiterbestehen des Mütterzentrums (Müze). Dieses wurde 1990 als eines der ersten in der Schweiz gegründet, um Müttern Gelegenheit zu geben, sich während der Kleinkinderphase weiterzubilden und für einige Stunden aus den eigenen vier Wänden herauszukommen. Während die Frauen in einem separaten Raum ihr Französisch aufbesserten, einen Nähkurs besuchten oder sich in der Cafeteria mit anderen Müttern austauschten, wurden die mitgebrachten Kinder im Kinderzimmer betreut. Frauen, die im Mütterzentrum in irgendeiner Weise tätig waren, erhielten einen kleinen Lohn, mit dem sie ihr Taschengeld aufbessern konnten.

«Wenn wir so weitermachen....»

«Heute versuchen die Frauen bereits kurz nach der Geburt wieder berufstätig zu werden und lassen ihre Kinder in den zurzeit boomenden Kinderkrippen betreuen», verwies Franca Giani auf die veränderten gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Darunter litt nebst dem Mitgliederschwund zusehends auch das gut ausgebaute Kurswesen im Müze. «Im letzten Jahr mussten viele Kurse abgesagt werden, weil zuwenig Anmeldungen eingegangen waren», bedauerte die Präsidentin, die immer noch nach einer Nachfolgerin sucht. Zu diesen Problemen gesellte sich das zögerliche Verhalten der Sponsoren, die wegen der Wirtschaftskrise sorgsamer mit ihrem Geld umgehen und auf bessere Zeiten warten. Angesichts all dieser negativen Erscheinungen und einem für das Jahr 2008 ausgewiesenen Defizit von 28 734 Franken sowie budgetierten Mindereinnahmen von 35 900 Franken für 2009 sprach Franca Giani an der Versammlung Klartext: «Wenn wir so weitermachen, müssen wir das Müze schliessen.»

Einstweilen ist es aber noch nicht soweit. «Wir haben uns noch einmal voll auf das Kursangebot konzentriert und hoffen mit neuen Kursen auch neue Kursteilnehmer zu gewinnen.» Dies müssen notabene nicht reguläre Müze-Besucherinnen sein. Auch für aussenstehende Frauen - und Männer - sieht das Angebot durchaus verführerisch aus: Es reicht nebst den Sprachkursen vom Chinesisch Kochen über die begehrten Nähkurse bis hin zum Nordic Walking und gesundheitlichen Themen. Ab August wollen die Müze- Frauen zudem wieder einen Mittagstisch anbieten. Wenn es das Wetter erlaubt, bietet dazu das Gärtchen des ehemaligen Restaurant Tivoli einen besonderen Reiz. Auch die im Haus an der Zuchwilerstrasse eingerichteten Kursräume und der in der ehemaligen Kegelbahn angesiedelte Aerobicraum suchen nach weiteren Mieterinnen und Mietern. Erfreulich ist, dass die Zahl der Besucherinnen zwischen 2007 und 2008 wieder leicht gestiegen ist, und im vergangenen Jahr immerhin 5000 Leute die Institution besuchten.

Urs Bentz hätte eine Idee

Ideen, wie das Müze vor dem Untergang gerettet werden könnte, hat auch der Leiter des Sozialamtes, Urs Bentz. Er dachte an der Versammlung laut über die Schaffung eines Gönnervereins nach. «Wenn 100 bis 200 Leute jährlich einen Gönnerbeitrag von 200 Franken zahlen würden, wäre schon einiges für die Rettung getan.» Bentz wies aber auch klar darauf hin, dass von der Stadt nicht mehr als die bisher bezahlten 30000 Franken zu erwarten seien. «Das Mütterzentrum wird als Einrichtung sehr geschätzt, ist für die Stadt aber nicht lebensnotwendig.»

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