Die St. Galler werden immer beschattet

In St. Gallen sind die Kameras 24 Stunden im Einsatz. Die Bevölkerung würde sich nun sicherer fühlen.

Yen Duong

Der Basler Justiz- und Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass will 20 «neuralgische» Plätze mit rund 70 Videokameras ausrüsten (siehe bz von gestern). Noch muss die Projektidee detailliert ausgearbeitet und von der Basler Regierung sowie dem Grossen Rat abgesegnet werden. In St. Gallen gehören Videokameras bereits zur Tagesordnung. Dort sind in der Innenstadt 23 Kameras in Betrieb - weitere 15 beim Fussballstadion AFG Arena.

Anders als in Basel-Stadt geplant, sind die St. Galler Kameras aber nicht nur an Grossanlässen angestellt: «Die Kameras sind 24 Stunden im Einsatz. Die Aufnahmen werden jedoch nicht ständig gesichtet», sagt Heinz Indermaur, Leiter des Rechtsdienstes der Sicherheitsdirektion der Stadt St. Gallen. Bei den Kameras würde sich auch eine Notrufsäule befinden. Nur wenn jemand den Notrufknopf tätige, dürfe die Polizei die Aufnahmen der Kameras live anschauen. Während der Fussballspiele hingegen kann die Polizei die Aufnahmen immer live anschauen.

Gelegentlich würde der Notruf auch versehentlich betätigt, erklärt Indermaur. So sei es schon vorgekommen, dass Touristen die Säulen für einen Informationsschalter hielten. Indermaur betont, dass es noch zu früh sei, um eine Bilanz zu ziehen. «Die Videokameras sind erst seit Oktober 2008 in Betrieb. Wir möchten noch ein paar Monate warten, ehe wir Fazit ziehen», sagt er. Indermaur ist überzeugt, dass die Kameras in der Bevölkerung akzeptiert würden, das bestätige das Abstimmungsresultat.

Im November 2007 hatten sich die Stimmberechtigten in St. Gallen mit 63,3 Prozent für die Anschaffung des 2,5 Millionen Franken teueren Videoüberwachungssystems ausgesprochen.

Verschiebung der Gewalttaten?

Der erste Staatsanwalt von St. Gallen, Thomas Hansjakob sagt, dass es bis jetzt zwei Fälle gab, wonach Kamerabilder für eine Straftat relevant wurden. «Die Videokameras haben eine grössere präventive als repressive Wirkung», ist er überzeugt. Die Menschen würden sich nun sicherer fühlen. Es könne sein, dass sich Gewalttaten auf andere Plätze verschieben würden, wo keine Kameras seien. Ob dies in St. Gallen der Fall ist, wollte Hansjakob nicht bestätigen. «Aber wenn ich auf den Bahnhof angewiesen bin und weiss, dass dort nichts passiert ist, ist dies schon eine grosse Erleichterung», meint er. Dass Basel-Stadt die Überwachung nur an Spezialanlässen aktivieren will, kann Hansjakob nicht nachvollziehen. «Wenn man die Technik doch hat, wieso sollten die Kameras dann wieder abgestellt werden?», fragt er sich. Denn die Bilder würden ja nur angeschaut, wenn etwas passieren würde.

Hanspeter Gass ist da anderer Meinung: «Es entspricht mehr meinem liberalem Verständnis, die Kameras nur dort einzusetzen, wo sie unbedingt nötig sind», erklärt der Polizeidirektor. Eine 24-Stunden-Überwachung sei unnötig.

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