Sprachlerngruppen
Die Sprachlerngruppen für Migrantenkinder sind begehrt

Was auf kantonaler Ebene höchstens angedacht ist, findet in Liestal seit letztem August bereits Anwendung: Sprachlerngruppen für Migrantenkinder Im Vorkindergartenalter. Das Angebot wird rege benützt.

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Kinderleicht Deutsch lernen

Kinderleicht Deutsch lernen

Loris Vernarelli

Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration ist die Beherrschung der Landessprache. An diesem Leitsatz rütteln Fachleute und Politiker schon lange nicht mehr. Deutsch müssen aber längst nicht mehr nur die Migrantinnen und Migranten lernen, sondern auch ihre Kinder. «Frühförderung» heisst das Zauberwort. In Basel-Stadt hat man bereits Nägel mit Köpfen gemacht: Ab dem Schuljahr 2013/14 sollen Kinder mit keinen oder ungenügenden Sprachkenntnissen zur Teilnahme in einer Spielgruppe oder zum Besuch eines Tagesheimes verpflichtet werden können. In Baselland laufen Bestrebungen in dieselbe Richtung.

Beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit ist in Liestal die Sprachförderung von Migrantenkindern bereits Realität. Im vergangenen August haben 30 Kinder im Vorkindergartenalter zum ersten Mal begonnen, die Sprachlerngruppe zu besuchen. «Wir hatten Anfragen für mehr Kinder, doch aus finanziellen Gründen mussten wir uns auf eine vorab definierte Teilnehmerzahl beschränken», erklärt Dorothée Brian, Schulleiterin Kindergarten und Primarschule Liestal. Die Idee einer Sprachlerngruppe stammt von der Schulleitung, finanziert sind die Kurse von der Stadtverwaltung.

Der Gerechtigkeitsgedanke war der Auslöser für die Initiative. Man habe beobachtet, dass gewisse Kinder im Kindergarten bei null beginnen müssten, sagt Brian. Dank der Sprachlerngruppe würde den Migrantenkindern ein ähnlicher Start ermöglicht wie den gleichaltrigen Schweizern, die in einem bildungsnahen Umfeld aufgewachsen sind.

Sprachaufbau und vieles mehr

Die Aufgabe ist keineswegs einfach, denn die einheimischen Kinder haben nicht nur sprachlich einen riesigen Vorsprung. Aus diesem Grund tasten sich die Kleinen in der Lerngruppe nicht nur an die deutsche Sprache heran, sondern eignen sich auch Grundkompetenzen an, wie es Dorothée Brian ausdrückt. «Sie erwerben Fähigkeiten wie schneiden, leimen, ausmalen, singen und reimen.» Je nach Kulturkreis würden diese Aktivitäten in der Familie nicht gefördert.

Da der Fokus nicht bloss auf dem Sprachaufbau liegt, unterscheidet sich die Liestaler Sprachlerngruppe von der Frühförderung von Dreijährigen, wie sie beispielsweise in Basel geplant ist. «Zuallererst besteht bei uns keinerlei Zwang», betont Brian. Ausserdem soll die Sprachlerngruppe die etablierten Spielgruppen keinesfalls konkurrenzieren. Im Gegenteil: «Wir legen den Eltern nahe, ihre Kinder gleichzeitig in die Spielgruppe zu schicken. Damit sind sie bereits in einem Umfeld, wo Deutsch gesprochen wird.»

Eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern sei unerlässlich, stellt Dorothée Brian klar. Deshalb beziehe man sie intensiv mit ein. So würden ihnen die Lehrpersonen der Sprachlerngruppe das Schweizer Bildungssystem beibringen und sie in die Kantonsbibliothek und in die Ludothek begleiten. Die Schulleiterin ist überzeugt, dass Migrantenkinder von gut informierten Eltern nur profitieren könnten. Es wäre der erste Schritt zu einer erfolgreichen Integration.

Die Schulleitung Kindergarten und Primarschule Liestal organisiert am Montag, 22.März, um 20 Uhr im Rathaus einen Infoabend für interessierte Eltern, deren Kinder zwischen dem 1.Mai 2006 und dem 30.April 2007 geboren sind. Weitere Auskünfte und Anmeldungen unter 061/9275370.

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