Christian von Arx

Es sei das erste Mal, dass sie vor Viehhändlern referiere, gestand Regina Fuhrer an der Generalversammlung des Solothurner Viehhändlerverbandes in Kestenholz. Das will etwas heissen. Immerhin ist die aktive Biobäuerin aus dem bernischen Burgistein schon seit 2001 Präsidentin von Bio Suisse, des Dachverbandes der Schweizer Bioproduzenten mit der Marke «Knospe».

Etwa 10 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe mit 11 Prozent der Fläche produzieren heute biologisch, berichtete Fuhrer. Im Jahr 2008 betrug der Gesamtumsatz 1444 Millionen Franken. Der Marktanteil von Bio ist je nach Produkt unterschiedlich: Bei Eiern und Brot erreicht er 16 Prozent, bei Milch 8 Prozent, bei Fleisch nur 2 Prozent. Wobei diese 2 Prozent einen Wert von 75 Mio. Franken darstellen, die 16 Prozent bei Eiern aber nur 40 Mio. Franken.

Zu wenig «vom Schwein»

Der tiefe Anteil von 2 Prozent Biofleisch lässt ein erhebliches Steigerungspotenzial vermuten. Solches ortet die Präsidentin von Bio Suisse vor allem beim Schweinefleisch: «Die Nachfrage nach Bioschweinen ist sehr gut, wir haben ein massives Unterangebot.» Aktuell suche Bio Suisse nach neuen Bioschweinezuchtbetrieben.

Kein Verständnis für Lizenz

Um mit Biofleisch zu handeln, müssen Viehhändler allerdings eine spezielle Lizenz von Bio Suisse erwerben. Diese besitzen in der Schweiz bisher lediglich 16 Viehhandelsbetriebe, «und das sind durchwegs grosse», räumte Regina Fuhrer ein. Die Solothurner mit ihrer kleingewerblichen Struktur bleiben da bisher aussen vor.

Die Anforderung der speziellen Biolizenz stiess bei den Zuhörern auf wenig Verständnis, weil das nach geschütztem Markt rieche. «Wir müssen uns jetzt auch zertifizieren lassen. Warum reicht das nicht, um Biofleisch liefern zu können?», fragten sie Referentin Regina Fuhrer. Diese begründete die Lizenz als Bestandteil des Qualitätssicherungssystems von Bio Suisse, das die Rückverfolgbarkeit des Fleisches garantiere.

Sie nahm den Wunsch der Solothurner Viehhändler entgegen, dieses System zu überdenken, um eine Öffnung für andere Viehhändler zu ermöglichen. «Mehr Konkurrenz beim Handel sollte doch auch im Interesse der Bioproduzenten liegen!», gaben die Viehhändler der Bio-Suisse-Chefin mit auf den Weg.

Werbung für Zertifizierung

In seinem Jahresbericht zeichnete Verbandspräsident Rolf Nützi (Aeschi) die Preisbewegungen auf dem Schlachtviehmarkt 2009 nach. Er forderte, dass die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande bei ihrer Einkaufspreistabelle eine kleine Vermarktungsmarge berücksichtigen sollte.

Bei den Viehhändlern warb Nützi für die Fortbildung: Diese wird neu vom Schweizerischen Verband durchgeführt und ist obligatorisch, damit das Viehhandelspatent nach 3 Jahren jeweils wieder erneuert wird. Nützi legte den Mitgliedern nahe, den Schritt zur Zertifizierung zu machen und dazu die speziell auf kleine Betriebe zugeschnittene Branchenlösung zu nutzen. Die Bell AG kaufe ab 2011 nur noch Ware von zertifizierten Viehhandelsbetrieben.

Freihandel zu gefährlich

Für den Milchmarkt forderte Rolf Nützi eine klare Mengensteuerung. Stiefelwürfe habe weniger Bundesrätin Leuthard als vielmehr Manfred Bötsch, der Chef des Bundesamts für Landwirtschaft, verdient: «Mein Vertrauen hat er verspielt.» Von einem Agrarfreihandelsabkommen mit der EU erwartet Nützi grosse Probleme und einen massiven Preisdruck. Schweizer Fleischprodukte seien Spitze, aber ob sie den Weltmarkt erobern könnten, bezweifelt er.

Bei den Mutationen musste der Verband den Austritt von Vizepräsident Heinz Stämpfli (Eppenberg) vermerken. Der stellvertretende Kantonstierarzt Otto Maissen orientierte die Viehhändler über die Bekämpfung der BVD-Seuche und der Blauzungenkrankheit. Als Gäste verfolgten Samuel Keiser (Fulenbach), Präsident des Solothurnischen Bauernverbandes, und Ständerat Rolf Büttiker (Wolfwil) die Generalversammlung.