Basel
«Die Situation wird langsam prekär»

Es war einer der trockensten Septembermonate der vergangenen Jahrzehnte. Ausserdem war der Monat zu warm.

Merken
Drucken
Teilen
Trockenheit

Trockenheit

Aargauer Zeitung

Birgit Günter

Nur gerade 54 Liter hat es in diesem September geregnet. Das ist wenig - normal wäre fast die doppelte Menge. Hansruedi Schweizer, der Titterter Hobby-Meteorologe, hat in seinen Daten nachgeschaut und festgestellt: Der September 2009 belegt gar den dritten Platz auf der Liste der trockensten Septembermonate seit Messbeginn vor über einem Vierteljahrhundert. Nur der September 2003 (53 Liter) und 1989 (35 Liter) waren ähnlich trocken.

Doch damit nicht genug. Denn der vergangene Monat setzt nur einen Trend fort, der schon das ganze Jahr anhält: Es will einfach nicht mehr genug regnen. Sämtliche Monate mit Ausnahme von März und Juli waren zu trocken gewesen - und zwar sogar oft massiv zu trocken wie April, Juni oder eben der September. Die beiden «zu nassen» Monate März und Juli warten nur mit derart minimen Überschüssen auf (jeweils etwas über 10 Liter), dass sie die Niederschlagsbilanz nicht ins Lot bringen können.

Ein Rekord zeichnet sich ab

Wie aussergewöhnlich die Situation ist, zeigt der Vergleich mit anderen Jahren. In einem normalen Jahr fallen rund 1200 Liter Niederschlag (siehe Box rechts). Das bisherige Jahr, das doch schon zu drei Vierteln vorbei ist, bringt es aber erst auf 659 Liter. «Dieses Defizit holen wir nicht mehr auf», sagt Schweizer. Folglich rechnet er damit, dass 2009 nach dem vom Jahrhundertsommer geprägten 2003 erneut ein abnormal trockenes Jahr wird. «Die Situation wird langsam prekär», meint er.

Zum Vergleich: Bisherige Niederschlagsmengen im 2009

Total: 659 Liter
Zu trockene Monate: Januar (47 Liter zu wenig), Februar (4), April (85), Mai (29), Juni (54), August (9), September (44)
Zu nasse Monate: März (12 Liter zu viel), Juli (13)
Fazit: Das Jahr ist bisher ausserordentlich niederschlagsarm. Falls es in den verbleibenden drei Monaten nicht zu massiven Tiefdruckgebieten mit heftigem Niederschlag kommen sollte, dürfte 2009 als ungewöhnlich trockenes Jahr in die Annalen eingehen. In der nächsten Woche rechnet der Titterter Wetterfrosch Hansruedi Schweizer zwar mit Regen - «aber nur mit wenig». (big)

Seltener Hitzetag zu Beginn

Etwas weniger dramatisch präsentiert sich die Situation bei der Temperatur. Mit einem Schnitt von 15,4 Grad war der Monat im langjährigen Vergleich 1,1 Grad zu warm. Das ist deutlich, aber nicht ungewöhnlich. Speziell hingegen die Tatsache, dass der Herbstmonat noch einen Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad verzeichnen konnte: gleich zu Monatsbeginn am 1. September. Hitzetage im September sind sehr selten; sie lassen sich für das vergangene Jahrhundert schweizweit an einer Hand abzählen. Nach dem heissen Monatsbeginn kam dann jedoch ein Tief herein: Am kältesten war es denn auch am 5. mit 6,4 Grad.

Punkto Sonnenschein schwingt der September ebenso obenaus: Mit 173 Sonnenstunden gab es 9 mehr als normal. Am meisten Sonne gab es am 6. mit 11 Stunden. Die Zahl wäre noch höher ausgefallen, hätte es nicht gleichzeitig relativ viele Tage gegeben, die mit Nebel begonnen hatten: nämlich deren 13. Insgesamt war der Himmel aber nur zu 65 Prozent bewölkt.

Bezüglich Wind war es ein friedlicher Monat: Der Spitzenwert von matten 65 Stundenkilometern datiert vom 2. September.