Freiamt
Die Sihlcity ist jetzt auch ein wenig Freiamt

Die Westumfahrung bringt das Freiamt näher nach Zürich. Mit dem Schnellbus erreicht man das Einkaufscenter Sihlcity von Bremgarten aus in knapp 25 Minuten.

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Schnellbus in die Sihlcity

Schnellbus in die Sihlcity

Aargauer Zeitung

Roman Schenkel

Pünktlich kommt er angebraust, der Schnellbus 444. Das Ziel wird bereits auf der Aussenseite vom Bus beworben. «Erlebniscenter Sihlcity: Alles fürs Leben», steht in grossen Lettern geschrieben. Grund genug dies genauer unter die Lupe zu nehmen.

Buschauffeur Bruno Baumann erklärt, dass je nach Tageszeit die Anzahl der Fahrgäste stark variere. «Zu den Stosszeiten fahren sehr viele Pendler nach Zürich und in die Sihlcity». Gegen 20 Personen steigen pro Bus im Sihlcity-Center aus, schätzt er. Ausserhalb der Stosszeit sei es aber bedeutend ruhiger und der Bus weniger voll.

Mit Tempo 80 durch den Tunnel

Mit dem 9:05 Uhr Bus fahren neun Fahrgäste in Richtung Zürich. Via Oberwil-Lieli geht es auf die neue Autobahn. Dann mit Tempo 80 durch den Äescher- und den Uetlibergtunnel und schon ist der Bus am Ziel: Im Parkhaus des Einkaufscenters Sihlcity. Vom Parkhaus gelangt der Besucher direkt auf den Kalanderplatz, dem Zentrum von Sihlcity. Hier steht das markante Wahrzeichen, der sechzig Meter hohe Kamin der ehemaligen Papierfabrik (vgl. Kasten).

Stadt in der Stadt

Der Platz wird umrahmt vom grossen Kinogebäude, der mehrgeschossigen Shopping-Mall und von der Sihl. Die Sihlcity sei wie eine «Stadt in der Stadt», erklärt Stefan Steiner, der Centerleiter. Auch was die «Einwohner» der Sihlcity angeht, könnte man von einer Stadt sprechen.

Das Center bietet annähernd 2500 Arbeitsplätze, inklusive der 1200 Stellen der Credit Suisse. Und über das ganze Jahr berechnet, besuchten im Jahr 2008 pro Tag 19 000 Personen das Center. «Die Besucher finden bei uns alles, was sie fürs Leben brauchen».

Mit der neuen Verbindung ist auch das Freiamt stärker in den Fokus der Sihlcity geraten. Inserate mit dem Slogan «Sihlcity AG» machen sie auf das Angebot in ihrer Nähe aufmerksam. «Der Freiämter Besucher findet bei uns vielleicht einen Laden oder ein Angebot, das es in seiner Region nicht gibt», sagt Stefan Steiner.

Ein Ausflug in die Sihlcity lohne sich deshalb auf jeden Fall. Zudem kann die AZ Freiamt bestätigen: Neben den Luxemburgerli gibt es in der Confiserie auch unsere Rüeblitorte und in den Regalen der Kleidergeschäfte hängen noch genügend weisse Socken.

Wer eine längere Einkaufstour geplant hat, gibt seine Kinder am besten im Kinderparadies Tintenschiff von der Sihlcity ab. Dort werden sie professionell betreut und man kann getrost stundenlang in der Shopping-Mall mit den annähernd 80 Geschäften herum flanieren.

Papierfabrik wird Einkaufscenter

Im Jahr 1836 gründeten Industrielle und Bankiers aus Zürich die Papierfabrik an der Sihl. Gerade zum richtigen Zeitpunkt: Die Bildung wurde wichtiger, die Zahl der Zeitungen stieg an und immer mehr Bücher wurden gedruckt.

Papier war gefragt und die Absätze stiegen dementsprechend an. 1931 wurde das Unternehmen von der Weltwirtschatskrise heftig getroffen und überlebte nur knapp. Die solide finanzielle Basis und die Fokussierung auf Spezialpapiere waren entscheidend.

1973 baute das Unternehmen die weltweit grösste Maschine für Transparentpapier. Dank dieser Maschine arbeiteten nun 500 Angestellte rund um die Uhr. Das Ende der Fabrik kam mit der Rezession nach dem Ölschock.

Kurzarbeit wurde einführen und viele Maschinen mussten stillgelegt werden. 1990 schloss die Fabrik ihre Tore, und es wurde still um das Unternehmen. 2003 wurde das Areal von den heutigen Eigentümern gekauft und Sihlcity gebaut. (ros)

Gesunder Schnellimbiss

Damit die neu gekaufte Hose auch in Zukunft sitzen wird, empfiehlt sich ein Mittagessen bei Hitzberger. Der gleichnamige Spitzenkoch Edi Hitzberger - immerhin mit 18 «Gault Millaut»-Punkten und zwei «Michelin»-Sternen ausgezeichnet - bietet in seinem Takeaway einen Imbiss für den «gesundheits- und figurbewussten Schnellschlemmer». Auf dem Menu stehen Sandwiches und Wraps, die ausschliesslich aus Bioprodukten hergestellt, sehr nahrhaft, aber trotzdem gesund sind.

Kirche bleibt am Sonntag zu

Wer sich aber für einen Hamburger bei Burger King entscheidet, dem bleibt immer noch die Möglichkeit, im Fitnesscenter, auf dem Velo oder in der Sauna, die Kalorien gleich wieder zu verbrennen.

Für Gehirnjogging bietet sich der riesige Buchladen oder die Pestalozzi-Bibliothek an. In einer Einkaufspause kann das erstandene oder ausgeliehene Buch gleich auf einer Bank am Ufer der Sihl beschnuppert werden.

Einen Raum der Stille und Ruhe erwartet den Besucher in der Sihlcity-Kirche. Die Kirche stehe allen Einkäufern und Besuchern offen, sagt Pfarrer Vetsch. «Menschen aller Religionen und Konfessionen sind bei uns herzlich willkommen», so Vetsch.

Ein Team aus erfahrenen Seelsorgepersonen bietet Gespräche ohne Voranmeldung und Kostenfolge an. Neben dem farbigen Krichenfenster von Hans Erni sind an der Kirche auch die Öffnungszeiten speziell. «Wir sind wohl die einzige Kirche in der Schweiz, die am Sonntag geschlossen ist, sagt Pfarrer Vetsch und lacht.

Konzerte, Theater und Lesungen

Wer nicht nur vom Shoppingfieber, sondern von einer Erkältung oder gar Grippe gepackt wird, kann seine Beschwerden gleich vor Ort im Ärztezentrum Sihlcity untersuchen lassen. Neben dem kommerziellen Bereich, geht selbstverständlich auch die Kultur nicht vergessen.

Der Papiersaal ist die Kulturinsel von Sihlcity. Hier kommen Liebhaber von kleinen Konzerten, unkonventionellem Kino, Lesungen, und Theater auf ihre Rechnung.