Schweinegrippe

Die Schweinegrippe kam aus Chile

Jetzt hat auch das Freiamt seinen ersten offiziellen Fall von Schweinegrippe. Die erkrankte Monika F.* aus Arni ist mittlerweile wieder gesund und nervt sich über die Hysterie. «Viel schlimmer als die Grippe an sich war die Quarantäne», meint die 19-Jährige mit südamerikanischen Wurzeln.

Sebastian Hagenbuch

Monika F. aus Arni befindet sich in einem abgeschotteten Einzelzimmer im Kantonsspital Chur. Das Fenster darf nicht geöffnet werden, Besuch darf sie nicht empfangen. Die einzigen Gäste, die von Zeit zu Zeit ihr Zimmer betreten, sind in Schutzanzüge gekleidete Pflegerinnen. Sie tragen wie die Patientin selbst Atemschutzmasken. Der Grund: Monika ist an der Schweinegrippe erkrankt.

Am Samstag vor einer Woche plagten sie zunehmend stärkere Kopfschmerzen, sie spürte Druck auf der Brust und hatte Fieber. Ihre Mutter, eine gelernte Krankenschwester, vermutete, dass es sich um Symptome der Schweinegrippe handeln könnte. Da Monika gerade bei ihrer Grossmutter in Scuol GR zu Besuch war, wurde sie zunächst dort ins Spital gebracht und dann umgehend mit der Ambulanz nach Chur verlegt.

Verdacht auf Schweinegrippe bestätigt

Erst am Mittwoch, nach drei Tagen vorsorglicher Quarantäne, wurde der Verdacht auf Schweinegrippe bei Monika offiziell bestätigt. Sie informierte sofort alle Personen, mit denen sie seit ihrer Ansteckung Kontakt gehabt hatte. Ihre Familie wurde angewiesen, möglichst zu Hause zu bleiben und den Kontakt mit anderen Menschen zu meiden.

Die in Arni wohnhafte junge Frau wurde eventuell von ihrem kleinen Bruder aus Chile angesteckt, der sie kürzlich besuchte. Belegt ist das aber nicht, denn weder Monikas Bruder noch andere Mitglieder der Familie, die mit ihm aus Südamerika in die Schweiz reisten, wiesen Krankheitssymptome wie Monika auf.

Obwohl Monika sich bald schon wieder relativ gesund fühlte, behielt man sie noch bis Montag im Spital - unter Qurantäne notabene. Dies war eine sehr anstrengende und unangenehme Zeit für Monika. «Obwohl ich mich gegen Ende des Spitalaufenthalts längst wieder gut fühlte, musste ich bleiben. Die Stimmung war sehr distanziert und kalt. Mir fehlten die Familie und mein Freund sehr», sagt die 19-jährige Arnerin.

Zur Genesung wurde ihr Tamiflu, Dafalgan und Novalgin verabreicht. Zu Beginn des Aufenthalts wurden Monika viermal Blutproben entnommen. «Das ging schon etwas an die Substanz. Auch dass ich die Medikamente noch nehmen musste, obwohl ich mich bereits gesund fühlte, störte mich etwas», so die mittlerweile voll genesene Frau.

Für Monika war das Ganze natürlich eine spezielle Erfahrung. «Zunächst ging es mir einfach elend. Ich hatte aber nur kurz etwas Angst und fragte mich schon, was jetzt mit mir passieren würde. Dann, als es mir besser ging, war es auch etwas spannend. Schon bald aber fühlte ich mich wieder gesund und wollte nur noch nach Hause», sagt sie rückblickend.

Quarantäne für eine Million Menschen?

Monika, die selbst ein Praktikum in einem Spital absolviert hat, findet die Hysterie um die Schweinegrippe bemerkenswert. «Es sterben ja viel mehr Leute an der normalen Grippe. Ich hoffe einfach, dass nicht einfach bewusst Angstmacherei betrieben wird, um den Absatz an Tamiflu und anderen Medikamenten zu steigern.»

Und sie fragt sich, wie die Schweiz mit der für Herbst vorausgesagten Schweinegrippepandemie umgehen wird: «Man rechnet ja offenbar damit, dass bis zu eine Million Menschen an der Grippe erkranken. Dann wird es sicher nicht möglich sein, für jeden Patienten eine Quarantäne zu verordnen.»

Interessant sei, dass in Chile, wo ein Teil von Monikas Familie wohnt, zahlreiche Leute mit der Schweinegrippe infiziert sind und dort dennoch keineswegs Hysterie herrscht. Auch Monika nimmt ihre Erkrankung inzwischen mit Humor: «Jetzt freue ich mich auf ein Wiedersehen mit meiner Familie und meinem Freund. Der Winter kann von mir aus kommen, ich habe genügend Antikörper gegen die Grippe in mir», schmunzelt sie.

* Name der Redaktion bekannt

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