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Die Schwäne am Hallwilersee nehmen reissaus

Die Schwanenkolonie auf dem Hallwilersee ist über den Winter um einen Drittel geschrumpft. Grund dafür ist das Fütterungsverbot, das der Kanton im letzten Jahr verfügt hat.

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Margrit Rüetschi

Am Sonntag, 16. Mai, steht die jährliche Kontrollfahrt des Vereins Schwanenkolonie Hallwilersee an. Bis anhin konnten die Mitglieder der Schwanenkolonie mitverfolgen, wie «Schwanenvater» Hans Häfeli mit seinen Begleitern die Nester im Ried und an anderen Orten inspizierte und gemäss der Ideologie des Vereins einzelne Eier entfernte, um den Bestand der Hallwilerseeschwäne auf rund 50 Tieren zu halten.

15 Schwäne sind ausgezogen

In diesem Jahr ist alles ein wenig anders. Der Bestand der Tiere auf dem Hallwilersee hat sich rapide vermindert. «15 Schwäne sind im Herbst an einem einzigen Tag fort geflogen», muss Häfeli berichten. Weshalb dieser massive Exodus stattfand, kann er nur vermuten.

«Im Sommer haben wir das Füttern der Tiere jeweils eingestellt, im Herbst aber wieder damit begonnen», sagt er. Auf Intervention des Kantons habe man die Fütterung im letzten Oktober reduziert, erklärt der «Schwanenvater». Ob da ein Zusammenhang mit dem Exodus besteht, wisse man aber nicht.

Unbekannter Aufenthalt

Brisant ist, dass die Tiere bis jetzt verschollen sind. «Unsere Schwäne sind beringt. Aus diesem Grund wäre es ein Leichtes, beim Auftauchen von Schwänen an einem fremden Ort Zusammenhänge mit dem Hallwilersee herzustellen», sagt Häfeli.

Auf einen Aufruf am Radio hätten sich Personen auch aus weiter entfernten Gebieten und Kantonen gemeldet. «Die von ihnen gesichteten Schwäne waren aber nicht beringt und stammten deshalb nicht vom Hallwilersee», weiss Hans Häfeli. Auch die Vogelwarte Sempach könne sich das Verschwinden der Tiere nicht erklären.

Ist er traurig über den Verlust von so vielen Schützlingen? «Das ist halt die Natur», sagt Häfeli lakonisch und zuckt die Achseln. Trotzdem ist Hans Häfeli gespannt, ob die verschollenen Tiere doch irgendwo gefunden werden und vielleicht zu Beginn der Sommersaison wieder am heimischen See erscheinen.

Auffallend sei, dass sich die verbliebenen Schwäne neuerdings vorwiegend zwischen dem Hotel Delphin und dem Hotel Seerose aufhalten und bei der «Rossschwetti», nahe der Seerose, gruppenweise auf Landwirtschaftsland herumspazieren. «Auch dieses Verhalten können wir uns nicht erklären», sagt der Schwanenvater.

Sechs Nester wurden «belegt»

Am 26. April hat der Schwanenvater, zusammen mit Präsident Willy Lanz, eine erste Kontrollfahrt zu den Nestern gemacht. «Sechs Nester wurden bereits ‹belegt›, im ganzen fanden wir 35 Eier», berichtet Häfeli. Wegen der geschwundenen Schwanen-Zahl werde man in diesem Jahr keine Eier aus den Nestern entfernen, hält der Schwanenvater fest.

Hinweis: Die Kontrollfahrt auf dem Hallwilersee findet am Sonntag, 16. Mai statt. Abfahrt beim Schiffssteg Seerose 9.30 Uhr, beim Schiffssteg Beinwil 9.45 Uhr.