Die Schlusslichter wollen sich nach vorne kämpfen

Birsfelden und Pratteln sind im Städte-Ranking abgefallen. Doch neuer Wohnraum und Massnahmen für bessere Sozialstruktur sind in Planung.

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Muriel Mercier

Die beiden Baselbieter Gemeinden Birsfelden und Pratteln schneiden im «Bilanz»-Ranking der Schweizer Städte mit Rang 121 und 88 schlecht ab (siehe Text oben). Beirren lassen sich die beiden Gemeindeoberhäupter Claudio Botti und Beat Stingelin aber nicht, denn sie kennen die Schönheiten ihrer Dörfer mit Städte-Status.

Botti beispielsweise ist klar, dass seine Gemeinde bezüglich Steuerkraft schlecht dasteht. Dies in erster Linie aufgrund der Bevölkerungsstruktur: «In Birsfelden findet keine Fluktuation statt. Hier wohnen vor allem Pensionäre.» Es sei schwierig, junge Menschen anzulocken, da der attraktive Wohnraum noch fehle. «Mit der Zentrumsplanung und dem grossen Gemeindeverwaltungsareal, auf dem Wohnungen entstehen, steigt die Lebensqualität.» Nur könne man das nicht von einem Tag auf den anderen ändern. «Wenn jedes Jahr eine solche Studie gemacht wird, können wir natürlich keinen Platz nach vorne rutschen.»

Auch Beat Stingelin mag solche Rankings nicht überbewerten: «Ich sage mir immer: In Pratteln wohnen 15 200 Menschen. Und die können sich nicht täuschen. Würde es ihnen hier nicht gefallen, würden sie wegziehen.» Dass die Gemeinde unter dem Aspekt «Sozialstruktur» mit Platz 105 schlechte Noten bekommt, überrascht ihn nicht. Aber: «Wir wollen das verbessern.» Stingelin hebt vor allem die Stärken hervor: Pratteln habe mit Bahn, Autobahn, Tram und Bus einen guten ÖV-Anschluss (Platz 40) und man sei in fünf Minuten sowohl am Rhein als auch im Wald. «Pratteln ist dynamisch. Wir siedeln die Industrie wieder an, wir machen aus dem Längi-Quartier ein attraktives Wohngebiet und wir verändern unseren Dorfkern.» Kurz: «Wir bieten beinahe alles.»

Liestal leidet unter fehlender Autobahn

Die Liestaler Stadtpräsidentin Regula Gysin hat indes mit grossem Interesse die Resultate angeschaut. «Wir verfolgen intensiv, an welchen Stellen wir gepunktet haben.» Dies hat das Stedtli beim «Öffentlichen Verkehr» (Rang 27), «Arbeitsmarkt» (32) und «Tourismus» (37). Einen weniger guten Eindruck hinterlässt Liestal, wenn es um die Steuerbelastung geht (93). «Das weiss ich. Wir wollen die Steuern senken. Aber aufgrund der Wirtschaftskrise rechnen wir nächstes Jahr mit höheren Sozialhilfekosten.» Zudem sieht Gysin noch Schwächen beim Individualverkehr: «Wir sind dringend auf die H2 angewiesen. Wir wollen den Durchgangsverkehr umleiten, damit der regelmässige Stau ein Ende hat und wir somit die Wirtschaft fördern können.»

Ansonsten brilliere Liestal mit guten Verkehrsanschlüssen wie Schnellzügen, kulturellen Angeboten und vielen Arbeitsplätzen, die schon alleine durch die kantonale Verwaltung gegeben sind. «Wegen des Bildungsangebots von Primarschule über Gymnasium, KV und Handelsschule ist Liestal auch für Familien attraktiv.» Zudem komme der Ort mit dem nahe gelegenen Wald als Naherholungsgebiet gut weg.

Birsfelden punktet mit Grünflächen

Gysin ist überrascht über das tolle Ergebnis, nicht zuletzt deswegen, weil Liestal im Gesamtklassement 14 Plätze vor Basel-Stadt (40) liegt. «Ich bin hoch erfreut. Das Ranking zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.» Aber auch Claudio Botti steckt, trotz des neuntletzten Platzes aller 129 Schweizer Städte, den Kopf nicht in den Sand. «Birsfelden ist landesweit weit vorne, was die Menge an Grünflächen angeht. Hier schauen wir, dass wir vorne bleiben.»