Pratteln

Die SBB lassen Pratteln links liegen

Durchzug: An den Perrons in Pratteln braust der Flugzug Richtung Kloten weiterhin ungebremst vorbei. Juri Junkov

Perron

Durchzug: An den Perrons in Pratteln braust der Flugzug Richtung Kloten weiterhin ungebremst vorbei. Juri Junkov

Trotz des nachgewiesenen Bedarfs und der regierungsrätlichen Unterstützung erteilen die SBB Pratteln eine Abfuhr. Der Schnellzug nach Kloten wird nicht mehr halten. Der Gemeinderat ist enttäuscht, gibt aber nicht auf.

Bea Asper

«Das Perron sei zu kurz, ist wie die anderen Argumente, die die SBB aufführen, fadenscheinig», sagt der Prattler Ressortchef Felix Knöpfel. Ursprünglich hatten die Passagiere von hier aus stündlich eine direkte Verbindung nach Kloten. Dann strichen die SBB einen Grossteil der Halte und später alle.

«Obwohl Pratteln einen klaren Bedarf nachweisen konnte und mit 70 bis 120 Ein- und Aussteigende pro Tag höhere Frequenzen hat als andere Haltestellen», sagt Knöpfel. Auch jetzt hat es nichts genützt, dass sich der Regierungsrat für den Schnellzughalt eingesetzt hatte. Die SBB haben Pratteln und Kanton abblitzen lassen.

Ein Schnellzug sei eben nur ein Schnellzug, wenn er nicht überall hält, heisst es bei den SBB. SBB-Sprecher Roman Marti wirbt um Verständnis für die Gesamtbetrachtung. «Unsere Kundinnen und Kunden wollen im Fernverkehr rasch von Zentrum zu Zentrum gelangen.

Die SBB verfügen weltweit über das dichtest befahrene Bahnnetz. Der engmaschige Fahrplan wird nur eingehalten, wenn die Züge optimal aneinander vorbeikommen. Entsprechend kann bereits ein zusätzlicher Halt und die damit verbundene Fahrzeitverlängerung negative Auswirkungen auf andere Züge haben.»

Aufwertung in weiter Ferne

Ab Pratteln gelange man im Viertelstundentakt nach Basel und habe von dort aus sowie ab Liestal und Rheinfelden Anschluss an die Schnellzüge nach Zürich und Kloten. Dasselbe gelte für Dornach. «Auch dort ist das Angebot sehr gut», meint der SBB-Sprecher und macht klar, dass der Schnellzughalt trotz Millionen Franken teurem Bahnhof-Umbau und der Aufwertung in weite Ferne gerückt ist.

«Im Moment planen die SBB weder in Dornach noch in Pratteln einen Fernverkehrhalt.» Das liege an vielen Faktoren, auf jeden Fall würden Kunden in Pratteln und Dornach von zahlreichen Verbindungen profitieren.

Im Landrat wurde spekuliert, die zu kurz geratenen Perrons seien schuld am Vorbeibrausen des Zuges. «Gemäss SBB können jene Züge, die länger sind als die Perrons, in Pratteln nicht halten», sagt Markus Meisinger, Leiter der Abteilung ÖV im Baselbiet. SBB-Sprecher Marti sagt zwar, «die Züge dürfen nicht länger sein als die Perrons, an denen sie halten, da wir aus Sicherheitsgründen die Kunden nicht im Schotter aussteigen lassen dürfen.» In Pratteln betrage die Perronlänge 220 Meter. «Dies entspricht dem Regionalverkehrs-Standard, verunmöglicht aber den Halt eines entsprechend langen Schnellzugs nicht», so Marti.

Schnellzughalt kostet Zeit und Platz

In Dornach betrage die Perronlänge 177 Meter und sei primär für den Regionalverkehr vorgesehen. «Der Umbau in Dornach ist ein Komfortbau. Tram, Bus und Bahn sollen noch besser miteinander verknüpft werden, es entsteht eine moderne, regionale Verkehrsdrehscheibe», führt Marti aus. «Ein zusätzlicher Schnellzughalt kostet vor allem Zeit und Platz. Zeit, welche die grosse Mehrheit der Reisenden auf den Schnellzügen verlieren würde.

Zeit, die sich im dichtest befahrenen Bahnnetz der Welt negativ auf andere Zuglinien auswirken kann. Platz, der auf den Schienen speziell zu den Hauptverkehrszeiten vielmals nicht vorhanden ist. Ein zusätzlicher Schnellzughalt ist nicht alleine eine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Machbarkeit», begründet Marti.

Für den Baselbieter Regierungsrat ist es umso mehr höchste Zeit, dass die SBB vorwärts machen mit dem Ausbau des Schienennetzes. Entsprechende Vorstösse sind geplant. Und auch der Prattler Gemeinderat Felix Knöpfel will nicht aufgeben: «Wir werden beim nächsten Fahrplanwechsel wieder mit unserem Anliegen kommen.»

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