Die Samichläuse der Liga

Bereits am 2. Advent werden beim FC Aarau sämtliche Kerzen ausgeblasen. Bei der 0:6-Schlappe gegen Luzern zeigten die Aarauer Zerfallserscheinungen. Es war eine Demütigung der schmerzhaftesten Sorte.

Felix Bingesser

Sportchef Fritz Hächler hatte einen Sieg «gefordert» und auch Trainer Martin Andermatt sprach im Vorfeld der Begegnung davon, dass man sich mit dem Abstieg nicht beschäftige. Was diesen hoffnungsfrohen Wortmeldungen folgte, war ein Debakel der aussergewöhnlichen Sorte. Bereits nach 75 Sekunden sorgte Jean-Michel Tchouga für den ersten Paukenschlag und für ein erstes Weihnachtsmärchen für die Innerschweizer. Der Vertrag von Tchouga läuft aus, der Kameruner soll nach Kriens abgeschoben werden. Nach der gestrigen Partie jedenfalls wird man ihn kaum fallen lassen.

Der Treffer Tchougas war der Auftakt zu einer fussballerischen Demütigung für die inferioren Aarauer. Praktisch im Minutentakt wurde die überforderte Hintermannschaft (Stoll, Marazzi) aus den Angeln gehoben. Der überragende Frimpong traf, später durfte sich der spielfreudige Chiumiento als Doppeltorschütze feiern lassen und auch Frimpong durfte gegen die Samichläuse der Liga seine Quote erneut aufpolieren. Zum Abschluss schob der Ex-Aarauer Christian Ianu den Ball zum 6:0 ins leere Tor. Und, so bitter es klingen mag: Die Aarauer waren mit diesem Verdikt noch gut bedient. Wäre nicht ein tadelloser Benito im Tor gestanden und hätten die Luzerner ihre hochklassigen Möglichkeiten konsequenter genutzt, so wäre gar eine Schlappe im zweistelligen Bereich möglich gewesen.

Damit ist der FC Aarau am Tiefpunkt angelangt, und es bleibt einzig der schwache «Trost», dass es schlechter nicht mehr gehen kann. Bis zur Stunde muss der Trainerwechsel von Jeff Saibene zu Martin Andermatt als Rohrkrepierer bezeichnet werden. Nimmt man den gestrigen Auftritt zum Massstab, dann ist diese inferiore Mannschaft leistungsmässig im Niemandsland gelandet. Sie hat sich, die Erkenntnis ist erschreckend, der Challenge League schon entschlossen angenähert. «Aarau braucht keine Schützenhilfe. Die schaffen den Abstieg aus eigener Kraft», hat ein Satiriker anlässlich einer Samichlausfeier schon am Tag vor der Bankrotterklärung bemerkt. Treffend, muss man leider sagen.

Klar ist: Der Verein muss in der Winterpause über die Bücher. Wäre der Klub ein Computer, müsste man die Delete-Taste betätigen. Die Vorrunde muss aus den Köpfen gelöscht werden, der Verein muss bei null beginnen und im Frühling auf ein Fussballwunder hoffen. «Wir glauben weiter an die Barrage», sagt Präsident Alfred Schmid, der für die Winterpause weitere Veränderungen im Kader angekündigt hat. Und was sagt Martin Andermatt? «Wir müssen die Sache analysieren. Jetzt müssen alle ihre Hausaufgaben machen und es muss umgesetzt werden, was ich schon vor Wochen gefordert habe.» Will heissen: Andermatt wünscht neues Personal.

Es muss sich nur noch ein Christkind finden, dass seine Wunschliste erfüllt.

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