Die Reformierte Landeskirche sorgt vor

Da der Umgang mit Abhängigkeitsverhältnissen in der Reformierten Landeskirche Bern-Jura-Solothurn zum Alltag gehört, richtet sie ein besonderes Augenmerk auf Prävention sexueller Belästigungen. Kommts doch dazu, zeigt ein Leitfaden den Umgang mit Vorfällen auf.

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SexuelleBelästigung

SexuelleBelästigung

Solothurner Zeitung

Samuel Thomi

«Nein, mindestens seit der Jahrtausendwende ist mir kein Fall von sexueller Belästigung in der Reformierten Landeskirche Bern-Jura-Solothurn bekannt.» Dennoch - «oder gerade deswegen» -, so Synodalratspräsident Andreas Zeller gestern in Bern vor den Medien, sei man aktiv geworden. Synodalrat Hans Ulrich Krebs formuliert es so: «Mit der Herausgabe des Leitfadens ‹Respektvoll und wertschätzend zusammenarbeiten› bezieht die Kirchenleitung klar und aktiv Stellung gegen sexuelle Belästigung und Ausbeutung am Arbeitsplatz Kirche.»

Krebs relativierte allerdings die Bedeutung der Broschüre ein wenig, da sie nur für Angestellte und Freiwillige der Organisation der Landeskirche verbindlich ist; die einzelnen Kirchgemeinden sind selbstständig organisiert - «sie werden aber angehalten, sich an unseren Leitsätzen zu orientieren.»

«Darüber sprechen» hilft schon

«Die Kirche steht für zentrale Werte wie Respekt, Achtung, Würde, Vertrauen und Liebe ein. Entsprechend lasten auf der Kirche auch hohe Erwartungen», kommentierte Krebs (siehen Kasten). Da gehe es nicht in erster Linie um die gemeinhin bekannteste Form sexueller Belästigung zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden. Der dreigeteilte, 32 Seiten dicke überarbeitete Leitfaden aus dem Jahr 2000 geht explizit auch auf die sexuelle Ausbeutung Dritter in ihrem Verhältnis zu Arbeitnehmenden der Landeskirche ein.
«Wer beispielsweise bei Pfarrpersonen Rat sucht, ihnen vertraut, gerät automatisch in ein Abhängigkeitsverhältnis, das nicht ausgenutzt werden darf.» Dazu brauche es Regeln. Ziel müsse sein, «eine Kultur zu leben, die sexuelle Belästigung erschwert oder sogar verunmöglicht», sagte Krebs. «Die Erfahrung zeigt: Darüber sprechen hilft oft schon». Im Sinn der Prävention ist im Juni für alle Angestellten der Landeskirche eine Weiterbildung geplant.

Angaben für den Fall der Fälle

Und sollte es einst auch in der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn zu Übergriffen oder Ausbeutung kommen, zeigt der Leitfaden im dritten Teil den professionellen Umgang damit auf; hält beispielsweise Koordinaten von Beratungsangeboten für Frauen und Männer bereit.

Druckversion Reformierte Kirche Bejuso, Zentrale Dienste, PF, 3000 Bern 23

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