Olsberg

Die Pilze werden beschnüffelt

Vielfalt: Im Wiederholungskurs des Baselbieter Kantonslabors erfuhren die Teilnehmer – in der blauen Jacke Kurt Minder, Pilzkontrolleur aus Arlesheim – vieles über die Welt der Pilze. (Bild: Daniel Aenishänslin)

Pilz

Vielfalt: Im Wiederholungskurs des Baselbieter Kantonslabors erfuhren die Teilnehmer – in der blauen Jacke Kurt Minder, Pilzkontrolleur aus Arlesheim – vieles über die Welt der Pilze. (Bild: Daniel Aenishänslin)

Es gibt viele Gründe, Pilze zu mögen. Doch nicht jeder Pilz ist der, für den man ihn hält. Damit uns die Pilze keine Probleme bereiten, gibt es die Pilzkontrolleure. Sie trafen sich in Olsberg zum WK.

DANIEL AENISHÄNSLIN

Der grösste Teil der Bevölkerung kennt die Pilze als Nahrungsmittel. Oder eben nicht, wie ein Fall aus Norwegen beweist. Vier befreundete Ehepaare hatten im Wald Pilze gesammelt, hatten diese verzehrt und sich damit vergiftet. Schwerwiegend. Die Folgekosten sind eklatant.

Bis zu 50 000 Euro hatten im ersten Jahr Pflege, Medikamente sowie die Dialysebehandlung gekostet. Die folgende Nierentransplantation hatten Kosten von
60 000 Euro verursacht, die Medikamente für die zwei folgenden Jahre 20 000 Euro. Pro Person.

Gut, dass es da den Pilzkontrolleur gibt. Gestern trafen sich die Pilzkontrolleure der Region in Olsberg zu einem Wiederholungskurs, den das Baselbieter Kantonslabor jährlich durchführt. 20 Pilzkontrolleure und weitere 30 interessierte Personen nahmen kurz vor der neuen Pilzsaison daran teil. «Leider», sagt Kantonschemiker Peter Wenk, «bietet noch nicht jede Gemeinde eine Pilzkontrolle an.» Das müsste aber so sein, denn seit dem 1. Januar schreibt dies der Kanton vor.

«Uns geht es nun darum, dieses Gesetz umzusetzen», sagt Wenk, «wir sind auch bereit, den Gemeinden zu helfen, wenn es darum geht, einen fähigen Pilzkontrolleur zu suchen.» Wegen des Geldes wird wohl kaum einer Pilzkontrolleur. «Zwischen 2000 und keinem Franken beträgt die Entschädigung», sagt der Magdener Pilzkontrolleur Peter Buser, der auch Mitglied der wissenschaftlichen Kommission im Verband Schweizerischer Vereine für Pilzkunde ist. Mit einem Schmunzeln schiebt er hinterher: «Das reicht knapp für die Bücher, die ich in diesem Zeitraum über Pilze lese.»

Pilzkontrolleure sind Pilz-Begeisterte. Ihnen geht es um weit mehr als um einen Risotto ai funghi. Nicht nur die Speisepilze interessieren sie, jeder Pilz gilt ihnen etwas und sei er noch so unscheinbar. Das sind Tausende. Der Pilztest im Rahmen des Wiederholungskurses ist deshalb mehr als eine Prüfung. Er ist gleichzeitig Anstoss zu - unendlichen - Diskussionen über Pilze. Auch Wissen wird ausgetauscht.

Kurt Minder, Pilzkontrolleur aus Arlesheim meint viel sagend: «Es reicht nicht, einen Kurs zu belegen. Man sollte Mitglied in einem Pilzverein sein, damit man mit dem Thema kontinuierlich in Kontakt bleibt.»

Vier Vereine mit jeweils etwa 100 Mitgliedern gibt es heute in den beiden Basel. Die Pilze vor Ort werden befühlt, ausgiebig beschnüffelt, mit Argusaugen betrachtet. «Unsere Kontrolleure», sagt Minder, «sind auf einem guten Stand».

Wenn die Pilzsaison startet, werden viele froh um die Pilzkontrolleure sein. Froh auch, dass sie gut ausgebildet sind. Damit die Pilze uns nicht an die Nieren gehen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1