Toprak Yerguz

Die gute Nachricht für zugewanderte Religionen wie Islam oder Hinduismus: Sie sind nicht die ersten, die sich im Raum Basel gegen Vorbehalte und Vorurteile durchsetzen müssen. Selbst der heute etablierte römisch-katholische Glauben hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Integrationsdefizit im Kirchenchor

Als ehemaliger Bischofssitz war Basel zunächst fest in der Hand der römisch-katholischen Kirche, wie Felix Hafner erzählte. Der Professor für Öffentliches Recht legte dar, wie nach der Reformation der evangelisch-reformierte Glauben den römisch-katholischen verdrängte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Stellung des römisch-katholischen Glaubens in Basel schlecht: Er war im Gegensatz zum christ-katholischen und dem evangelisch-reformierten Glauben staatlich nicht anerkannt.

Das änderte sich im Verlauf der Zeit mit der Zuwanderung aus römisch-katholischen Gebieten in der Schweiz und im Ausland. Sie erhielten die gleiche öffentlich-rechtliche Stellung wie die anderen zwei Glauben im Jahr 1972, erzählte Hafner: «Erst seit 39 Jahren sind sie gleichgestellt.» Hafner verknüpfte seinen historischen Rückblick mit seiner persönlichen Familiengeschichte. Seine Grosseltern waren Binnenmigranten aus katholischen Gebieten, seine Eltern lernten sich im Kirchenchor kennen. Die Liebesgeschichte im Kirchenchor rief Lilo Roost Vischer auf den Plan. «Heute würde man von einem Integrationsdefizit reden», konnte sich die kantonale Koordinatorin für Religionsfragen nicht verkneifen.

Georg Vischer, Kopräsident des Interreligiösen Forums Basel, sah im Glauben einen «Ort der Beheimatung». Gerade Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, benötigten solche Orte, wo die gemeinsame Erinnerung aufrecht erhalten werden könne. Oftmals seien solche Orte ein «Vorrecht der Eingeborenen», sagte Vischer. Zugewanderte müssten sich solche Orte zuerst selbst erschaffen. «Wir sind keine blauäugigen Multi-Kulti-Fans», beschwichtigte Vischer allfällige Kritiker. Gefahren würden erkannt. «Aber genau deshalb setzen wir uns für eine Kultur des Ausgleichs ein», sagte er. Glauben, auch der eigene, könne nur in Freiheit gedeihen.

42 Prozent konfessionslos

Für diese Freiheit standen Regierungsräte der beiden Basler Halbkantone ein. Guy Morin und Urs Wüthrich-Pelloli betonten die Wichtigkeit der religiösen Freiheit. Sich dafür einzusetzen, «dafür haben wir ja bald Gelegenheit», meinte Wüthrich-Pelloli in Anspielung auf die bevorstehende Abstimmung über die Minarett-Initiative. Verständnis sei der Grundpfeiler für gegenseitigen Respekt. Das werde aber mit passiver Toleranz alleine nicht erreicht, es brauche aktives Zutun wie persönliche Begegnungen.

Morin pflichtete bei, vergass aber nicht zu erwähnen, dass die grösste «Glaubensgemeinschaft» in Basel jene der Konfessionslosen ist: Ganze 42 Prozent der Bevölkerung werden zur Gruppe gezählt, die gegenüber organisierten Religionen Vorbehalte habe. Morin mahnte: «Auch damit müssen wir rechnen.»