Graziella Hartmann

Der hölzerne Fussboden ist mit einer Plastikfolie abgedeckt. Auf den Tischen warten Schüsseln, Schwingbesen, Mehl, Eier, Milch und viele andere Zutaten darauf, dass die Jungköche vom Händewaschen zurückkommen. Auf dem Speiseplan steht eine Onkelette mit Gemüse.

Die Kinder runzeln erst einmal die Stirn, bis Ernährungspsychologin Lea Guidon erzählt, wie das Gericht entstanden ist. «Mein Onkel Arthur ass gerne Omelette. Es gab da nur ein kleines Problem. Wisst ihr, was man mit Omeletten machen muss, wenn der Teig in der Pfanne ist?» Vielstimmiges Gemurmel entsteht. «Ja halt so drehen.» Kleine Hände hantieren mit imaginären Pfannen. «Genau, man wirft sie zum Drehen in die Luft», bestätigt Lea Guidon.

Aber genau das sei nicht Onkel Arthurs Stärke gewesen. Mal klebte die Omelette an der Decke, mal freute sich der Hund über den Teig auf dem Fussboden. «Irgendwann hatte Onkel Arthur genug und beschloss den Omelettenteig künftig nicht mehr in die Pfanne, sondern auf ein Backblech zu giessen. So ist die Onkelette entstanden.»

Jetzt dürfen die Buben und Mädchen selbst zur Tat schreiten. Enthusiastisch vermischen sie Salz und Mehl. Doch schon beim Eieraufschlagen macht die eine oder der andere grosse Augen. «Das kann ich doch nicht», flüstert André. Sein Kochgspänli Zoé ermutigt ihn: «Probiers einfach, kann ja nichts passieren.» Ein aufmunterndes Nicken von Lea Guidon, und André traut sich. Neugierig beobachtet er, wie sich das Ei unter die Milch-Wasser-Mischung senkt. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht, schon rückt Zoé mit dem Schwingbesen zum Rühren an. Die Onkelette muss schliesslich pünktlich in den Ofen.

In einem anderen Zimmer hören 9 Mädchen gebannt zu, wie Kulturvermittler Urs Heller eine Einkaufsliste erzählt. Eigentlich erzählt und zeichnet er im Stile des Mondgesichts, nur eben mit Lebensmitteln. Da werden Kohlblätter zu Ohren, der Peterli wächst als Haar und der dicke Bauch ist in Wahrheit ein grosser Sack Kartoffeln.

«Ich zeige den Kindern, dass in allem, was wir Menschen sagen, eine Geschichte steckt. Und Geschichten lassen sich gestalten», erklärt Urs Heller. In seiner Gruppe werde viel erzählt und gezeichnet. «Auf spielerische Weise befasst man sich dadurch einmal ganz anders mit dem Thema Essen.» Die Onkelette ist ein beeindruckendes Beispiel.