moderne Reformation
Die moderne Reformation

Immer mehr Leute machen sich übers Internet schlau. Um Informationen unbegrenzt zugänglich zu machen, haben die reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn und 28 Kirchgemeinden aus den Bezirken Burgdorf-Fraubrunnen, Oberaargau und Oberemmental ihren neuen Auftritt zusammen «einstudiert».

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Berner Rundschau

Marisa Cordeiro

Der Internetauftritt solle nicht mehr nur das Hobby eines modernen Pfarrers sein. Diese Erklärung tönt zwar salopp, doch hat sie im Falle der Kirchgemeinde Trub einen gewissen Wahrheitsgehalt: «Draussen plätschert der Brunnen, es riecht nach Gülle, und drinnen ist die Kirche im Internet wiederzufinden», erzählte Felix Scherrer, Pfarrer in Trub und Synodaler, an der gestrigen Medienkonferenz einen Radiobericht von 1996 nach.

Als begnadeter Tüftler und fasziniert vom Internet habe er damals jeweils zur späten Stunde die erste Homepage der Kirchgemeinde von Trub von «Hand gestrickt». «Ehrlich gesagt war sie für die konkrete Arbeit der Kirchgemeinde nutzlos und bot nur rudimentäre und nicht immer aktuelle Infos. Doch die Reaktionen auf die Homepage waren überwältigend», sagte Scherrer.

Diese Pionierzeit sei nun aber vorbei und immer mehr Kirchgemeinden oder Kirchenbezirke würden die regionale Zusammenarbeit suchen. «Gemeinsame Kommunikationskanäle kommen da wie gerufen», sagte Scherrer. Deshalb sollte der Service jetzt professionalisiert werden.

Wie durch Zufall kam es schliesslich zu einer Zusammenarbeit: drei Kirchbezirke - Burgdorf-Fraubrunnen, Oberaargau und Oberemmental - sowie die reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn hätten Mitte 2008 Projekte für eine Online-Strategie und deren Umsetzung ausgeschrieben, sagte Toni Zulauf, Geschäftsführer der Zic internet and communication AG aus Zollbrück.

Darauf habe die Zic Offerten eingereicht und unabhängig von beiden Seiten den Zuschlag erhalten. So seien über 30 individuelle Websites entstanden, wobei alle - jede Kirchgemeinde, jeder Bezirk und Refbejuso - zwar die News, die Agenda, Adressen etc. teilen, aber dennoch den restlichen Inhalt eigens ergänzen können.

Diese machen mit

Am Internetprojekt haben sich folgende Kirchgemeinden beteiligt: Affoltern i.E., Burgdorf, Dürrenroth, Eggiwil, Heimiswil, Herzogenbuchsee, Huttwil, Krauchthal, Langenthal, Langnau, Lauperswil, Lotzwil, Lützelflüh, Oberbipp, Oberburg, Rohrbach, Röthenbach, Rüderswil, Rüegsau, Schangnau, Seeberg, Signau, Thunstetten, Trachselwald, Trub, Trubschachen, Wangen a/A, Wyssachen. Über die Kosten waren keine genauen Angaben erhältlich, nur soviel: Die 28 Kirchgemeinden seien durch die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn finanziell unterstützt worden. (com)

Im Vergleich zu den bisherigen Kirchgemeindeblättern biete diese Plattform ein ungleich grösseres Potenzial, die Leser zu erreichen, sagte Zulauf. So fand auch Hans Peter Burkhardt, Vizepräsident und Finanzchef der Reformierten Kirchgemeinde Langenthal, dass «der neue Auftritt eine gute Ergänzung zum ‹Profil› darstellt und dass damit ein Weg vom Oberaargau ins Emmental gefunden wurde».

Kirche hält an Wurzeln fest

Andreas Zeller, Synodalratspräsident, sprach aus Sicht der Refbejuso und sinnierte: Noch vor zehn Jahren hätten Pfarrer lieber bei Kerzenlicht von Hand eine Predigt geschrieben als dass sie in die Tasten gegriffen hätten. Deshalb hält er deutlich fest: Wenn die Landeskirche künftig von Unternehmenskommunikation spreche, verlasse sie nicht ihre ideellen Wurzeln, sondern orientiere sich an der Realität.

Weshalb bisher «nur» 28 und nicht alle 49 Kirchgemeinden der drei Bezirke beim Projekt mitmachten, dafür gebe es verschiedene Gründe, sagte Thomas Gehrig, Refbejuso-Kommunikationsleiter. Entweder hätten sie erst einen neuen Auftitt aufgeschaltet, oder sie hätten den Impuls der Idee nicht empfangen.

Man hoffe nun, dass die 28 Kirchgemeinden eine Wirkung nach aussen haben werden. Das Ziel sei, das Modell weiter- oder andere Modelle möglichst nahe an das hiesige heranzuführen.