Fricktal
Die Milchgenossenschaften sind dem Untergang geweiht

Die meisten Fricktaler Milchgenossenschaften zählen heute nur noch wenige Mitglieder oder wurden bereits aufgelöst. Obwohl die Fricker Genossenschaft noch 31 Mitglieder hat, steht eine Diskussion über ihre Auflösung bevor.

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Milchgenossenschaft
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Milchgenossenschaft

Ladina Kunz

Durch die Initiative einiger Bauern wurde die Milchgenossenschaft Frick im Jahre 1913 gegründet. «Früher musste jeder Bauer selber schauen, wie er seine Milch verkaufen kann. Die Genossenschaft war da eine grosse Hilfe, diese übernahm die Vermarktung der Milch,», sagt Hans Schernberg. Der gebürtige Fricker ist seit 21 Jahren Präsident der Milch- und Landwirtschaftlichen Genossenschaft Frick.

Rund 40 Mitglieder, fast alle Kleinbauern, hatte die Fricker Milchgenossenschaft bei ihrer Gründung. Wie in allen Fricktaler Gemeinden war das «Milchhüsli» mit der Milch-Annahmestelle ein Treffpunkt. Dorthin brachten die Landwirte zweimal täglich die frisch gemolkene Milch. Hans Schernberg erinnert sich an diese Transporte:»Immer morgens und abends wurde die Milch ins Dorf gebracht, früher noch mit Ross und Wagen, später dann mit motorisierten Fahrzeugen.» In der Annahmestelle wurde die warme Flüssigkeit heruntergekühlt und weiter vertrieben. In grosse Kannen abgefüllt, ging der Weg der Fricker Milch weiter zum Bahnhof. Hier wurde sie einmal täglich von dem Milchverband Basel (Miba) abgeholt.

Verkaufsladen kam dazu

Im Jahre 1957 bis 1958 gab es in der Milchgenossenschaft Frick eine Veränderung. Nach und nach begann sie zusätzlich noch landwirtschaftliche Produkte und Hilfsstoffe zu verkaufen, vor allem «Chriesi» und Düngemittel. Dadurch wurde die Vereinigung vergrössert und zur Milch- und Landwirtschaftlichen Genossenschaft umgeschrieben. So wurde das Milchhüsli noch anders genutzt, ein Verkaufsladen kam hinzu. Rund 78 Mitglieder zählte die Genossenschaft nach dem Zusammenschluss.

Dies waren gute Zeiten der Milchwirtschaft im Fricktal. Die Milchgenossenschaften besassen einen hohen Stellenwert in den Dörfern, brachten sie doch die vielen Kleinbauern zusammen und konnten die Milch gut vermarkten. Heute haben die meisten Genossenschaften keine Aufgaben mehr, sie sind überflüssig geworden. Laut Hans Schernberg ist der Strukturwandel der landwirtschaftlichen Betriebe dafür verantwortlich. «In Frick gibt es heute nur noch fünf Milchbauern, diese Höfe sind aber viel grösser als früher und stehen mit der Miba direkt in Kontakt. Die Genossenschaft als Vermittlungsstelle hat daher ausgedient.» Abgelöst wurde die Milchwirtschaft vor allem durch das Umsteigen der Bauern auf viehlose Landwirtschaft, Mutterkuhhaltung und Jungviehaufzucht.

Dieser Wandel trat laut Schernberg zuerst schleichend, in den letzten 10 bis 15 Jahren aber sehr schnell ein. Ein weiterer Grund sieht Schernberg auch im Einzug der grossen Supermärkte ins Fricktal. Die Milch wird nicht mehr im «Milchhüsli» geholt, sondern in den grossen Läden gekauft. Nur noch in ganz wenigen Fricktaler Gemeinden werden die «Milchhüsli» heute noch für ihren ursprünglichen Zweck, die Sammlung und Vermarktung der Milch, gebraucht.

Langsam überflüssig geworden

Die meisten Fricktaler Milchgenossenschaften zählen heute nur noch wenige Mitglieder oder wurden bereits aufgelöst. Obwohl die Fricker Genossenschaft noch 31 Mitglieder hat, steht eine Diskussion über ihre Auflösung bevor. «Unsere Genossenschaft besitzt keine Aufgaben mehr. Bis jetzt war sie noch für die Milchhüsli-Liegenschaft verantwortlich. Das Haus wurde aber verkauft und ab Mai erhält es einen neuen Besitzer», erklärt Hans Schernberg die Situation. Die Fricker Milchgenossenschaft besteht noch, ist aber mehr zu einem Verein der Geselligkeit geworden. Ob dies noch um den geschichtlichen Willen aufrecht erhalten bleiben soll, steht nun an der nächsten Generalversammlung zur Diskussion.
Mit den ausgedienten Genossenschaften nimmt ein Stück Fricktaler Geschichte ein Ende.

Hans Schernberg wird wohl der letzte Präsident der Fricker Milch- und Landwirtschaftlichen Genossenschaft sein. Dennoch betont er klar: «Schon früher war es in der Milchgenossenschaft kein Zucker schlecken; es gab viele Probleme. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern: Die Landwirtschaft wird nie auf Rosen gebettet sein.»

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