Die Messe als Politwerbebühne

Die Mittelländer Ausstellung mia ist ein Publikumsmagnet. Dies machen sich auch die Parteien zunutze. Ist das im Sinn der mia?

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Grenchner Tagblatt

Janine Aegerter

Die Mittelländer Ausstellung (mia) ist ein Treffpunkt für das Gewerbe in und um Grenchen. Ein Treffpunkt für Familien, Jugendliche und Flanierer.

Wegen der bevorstehenden Gemeinderatswahlen haben verschiedene Grenchner Parteien den Treffpunkt mia als Werbebühne genutzt: Die SVP hatte zeitweise einen Stand vor der Halle 4, in der die Sonderschau der Schweizer Luftwaffe stattfand. Die SP war während der mia dreimal mit einem Plakatständer ausserhalb des mia-Geländes vor Ort und hat Ballone verteilt. Die FDP hatte während dreier Tage einen regulären Stand auf dem mia-Gelände in der Halle 5.

Ist die mia der richtige Ort, um Werbung für Politik zu betreiben? «Jeder soll das machen, was er für richtig hält», findet Beatrice Corti, Parteipräsidentin der CVP. Für die CVP sei ein Stand an der mia auch ein Diskussionsthema gewesen, doch sie hätten sich dagegen entschieden, auch aus finanziellen Gründen. Ein Stand hätte eine Stange Geld gekostet, vermutet Corti. Ob die CVP in Zukunft an der mia zugegen sein wird, bleibe abzuwarten. «Nach den Wahlen sehen wir weiter.» Alexander Kohli, Parteipräsident der FDP Grenchen, kann die mia als Werbeplattform nur empfehlen: «Für uns hat sich der Stand gelohnt, wir hatten viel Publikum.»

Günstig soll es sein

SP-Parteipräsident Furrer erachtet politische Werbung an der mia nicht als problematisch. «Es liegt im Ermessen der jeweiligen Parteien, ob sie an der mia teilnehmen wollen oder nicht. Ich stehe dem offen gegenüber.» Offenbar sei es ja erlaubt. Die SP selber hatte an der mia nie einen Stand und wird dies wohl auch in Zukunft nicht haben. «Das ist wahrscheinlich recht teuer», äussert sich Furrer eher skeptisch. Doch die SP habe bereits zweimal ein Karussell auf dem Rummelplatz der mia angeboten. Der Plakatständer ausserhalb des mia-Geländes indes habe die SP keinen Rappen gekostet. «Wir sind des Öfteren mit diesem Ständer unterwegs», erklärt Barbara Banga, die für die Organisation dieser Aktionen zuständig ist. «Es ist erlaubt, einen solchen Plakatständer aufzustellen, dazu braucht man keine Bewilligung.»

SVP mit «Gulaschkanone»

Der Stand der SVP vor dem Eingang zur Halle der Sonderschau kam nach Absprache mit Peter Traub senior zustande, der an der mia einen Restaurantbetrieb mit Armeespezialitäten führte. Dafür wollte er eine Gulaschkanone einsetzen, die sich im Besitz von Vertretern der SVP befindet - und erhielt sie auch. Im Gegenzug fragten die SVP, ob es möglich sei, dafür einen Stand zu bekommen. Traub klärte die Frage mit der Messeleitung ab und gab dann das Okay.

«Wir haben Ermässigungsgutscheine für die Armeespezialitäten verteilt», erklärt SVP-Gemeinderat Heinz Müller. Gleichzeitig haben sie am Stand ihre Kandidaten vorgestellt. «Wir haben absichtlich nicht massiv Werbung betrieben», betont er. So seien zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen worden. Das findet auch Traub senior und fügt hinzu: «Die SVP ist kein Spiegelbild der politischen Meinung der mia, aber es ist ja auch nichts Unrechtes dabei, wenn sie an der mia sind.»

Kein Kommentar von der Armee

Die Schweizer Luftwaffe wollte den SVP-Stand beim Eingang der Sonderschau-Halle nicht kommentieren. «Wer an der mia wo ausstellt, obliegt einzig und allein der Entscheidung der Messeleitung», erklärte Jürg Nussbaum, Kommunikationschef der Schweizer Luftwaffe. Messeorganisatorin Caroline Möri sieht den Sinn der mia «als Plattform für Eigenwerbung». Sie gibt damit Heinz Müller eine Steilvorlage: «Die Gewerbler wollen an der mia ihre Produkte an den Mann bringen. Genau das machten wir an unserem Stand.» Dazu gehörte nicht nur das Produkt SVP. Müller liess auch Unterschriften für das Referendum gegen eine Ökologisierung der Motorfahrzeugsteuern sammeln.