«Die Menschen suchen Wärme»

«Die Menschen suchen Wärme»

«Die Menschen suchen Wärme»

Susanne Dalpiaz aus Moosleerau richtet Luxushotels ein – privat mag sie es einfacher Die Innenarchitektin Susanne Dalpiaz lebt in einem Bauernhaus in Moosleerau. «Wichtig ist, dass man zu Hause sich selber sein kann», findet sie.

Nadia Rambaldi

Susanne Dalpiaz wohnt in Moosleerau, «am Ende der Welt», wie sie sagt. Sie hat sich 2007 ein Bauernhaus am Rande des Dorfes gekauft und bewohnt es mit ihren zwei Töchtern und ihren Pferden, Katzen und Hunden. Auch ihr Büro hat sie in Moosleerau eingerichtet, entsprechend den Aufträgen ist sie aber viel unterwegs, auch europaweit.

Eigentlich wollte die Innenarchitektin Pilotin werden. «Meine Grossmutter hat mir aber gesagt, dass dies kein passender Beruf für ein Mädchen sei.» Daraufhin entschied sie sich für eine Lehre als Hochbauzeichnerin und studierte anschliessend an der Ecole des Arts Decoratifs in Genf Innenarchitektur.

Seit 2003 im «Kempinski»

Zurzeit ist sie mindestens einen Tag pro Woche im Hotel Mirador Kempinski. Hier sitzt auf einem dunkelbraunen Ledersofa in der Bar auf dem Mont Pèlerin. Wäre dieser Morgen nicht wolkenverhangen, läge die Sicht frei auf ein spektakuläres Alpenpanorama und auf den Genfersee.

Dafür strahlt Susanne Dalpiaz umso mehr, als sie von ihrer Tätigkeit als Innenarchitektin im Hotel Mirador Kempinski erzählt. Dort hat sie seit 2003 unzählige Suiten, zwei der Hotelrestaurants und den Konferenzbereich eingerichtet. Zurzeit betreut die 50-jährige gebürtige Zofingerin die Gestaltung und Einrichtung der Appartemente für Dauergäste im Hotel.

Mit Farben spielen

Susanne Dalpiaz arbeitet am liebsten mit Skizzen und Modellen. «Ich bin ein Papiermensch. Wenns am Modell funktioniert, weiss ich, dass es auch in der Realität umzusetzen ist.»

Im «Mirador Kempinski» wollte sie in der Suite des Suites eine Wendeltreppe einrichten, was nicht ganz einfach war. Anhand ihres Modells wurde dann ersichtlich, dass es machbar ist.

Wenn Dalpiaz einen neuen Auftrag bekommt, macht sie mit ihren Kunden zuallererst ein Farbenspiel. Dazu stellt sie ihnen 13 Karten mit je vier Farben zur Auswahl. Jeder wählt eine Karte, und so wird für die Innenarchitektin ersichtlich, in welche Richtung die Gestaltung der Räume gehen muss. «Durch dieses Spiel spare ich viel Zeit, es ist effizienter, als nur mit Gesprächen ein Konzept zu erarbeiten.»

Für das Farbkonzept im «Mirador Kempinski» hat sie das Spiel mit 250 Kongressteilnehmern gemacht. Resultat: Die einzige Gemeinsamkeit war die Vorliebe für warme Töne. «Menschen suchen eben Wärme», sagt die Innenarchitektin.

Genauso wichtig ist es für Susanne Dalpiaz, dass Räume und Einrichtungen nicht nur schön, sondern bis ins letzte Detail geplant und dem täglichen Leben angepasst sind.

Susanne Dalpiaz arbeitet nicht nur für Hotels: Sie realisiert auch die Räume von Villen und Häuser von Privatpersonen, Kliniken, Arztpraxen, Bürogebäuden.

«Das eigene Haus oder die Wohnung ist der Ort, wo jeder Mensch sich selber sein kann», erklärt die Innenarchitektin. Deswegen sei es auch wichtig, dass sich die Kunden in den Räumen selbst verwirklichen. «Ich schaffe den Raum, aber füllen müssen ihn die, die drin wohnen.» Aus diesem Grund soll sich jeder sein Zuhause selber einrichten: «Wohnen heisst leben.»

Nicht alles gestylt

Die letzten 20 Jahre hat Susanne Dalpiaz in Italien und Deutschland gelebt und gearbeitet, ihre Verwandten leben immer noch in Zofingen. In ihrem Bauernhaus in Moosleerau kombiniert sie alte und moderne Einrichtungsgegenstände.

Den Kachelofen und ihre Koch-Feuerstelle in der Küche liebt sie besonders. «Besucher haben immer sehr hohe Erwartungen, wenn sie in das Haus einer Innenarchitektin kommen», erzählt sie schmunzelnd. Meistens seien sie dann enttäuscht, weil nicht alles so durchdesignt und gestylt sei, wie sie erwartet hätten. Aber: «Wichtig ist, dass man zu Hause sich selber sein kann.»

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