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Die meisten machen es sich einfach

Am Nationalfeiertag kann man für 15 Franken mit dem öffentlichen Verkehr an seinen Heimatort reisen. Nur an wenigen Orten wartet auf die anreisenden Ortsbürgerinnen und -bürger auch ein spezielles Programm. Ein Blick aufs Angebot in der Region.

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von Andreas Toggweiler

Laut SBB-Sprecher Reto Kormann machen bisher rund 300 Gemeinden bei der Aktion mit, indem sie zum Beispiel ein Gemeindeporträt auf der SBB-Homepage hinterlegen. Über den Billettverkauf könne zurzeit noch nichts gesagt werden, da Billette bis und mit 2. August gekauft werden können.

Im Emmental wird ein Grossandrang erwartet

Sehr viele Schweizerinnen und Schweizer sind im Emmental heimatberechtigt. Das bernische Erbrecht, das die Aufteilung der bäuerlichen Besitztümer verhindern wollte, führte seit dem Mittelalter zu einer starken Auswanderung. Wenn Geschwister früher nicht bereit waren, ehelos als Mägde oder Knechte auf dem Hof des erbenden Geschwisterteils mitzuarbeiten, suchten sie zumeist ihr Auskommen irgendwo in der Fremde. Weil das obere Emmental dazumal sehr kinderreich war, finden sich dortige Familiennamen nun in der ganzen Schweiz und auch in Übersee. Allein die Gemeinde Trub hat «schätzungsweise 50 000 Ortsbürger», wie Patrick Wüthrich von der Gemeindeverwaltung angibt. In Trub sei allerdings am 1. August nichts Spezielles los. «Wir haben bei uns keine Bundesfeier», sagt Wüthrich. Dennoch dürften viele Burger ihre Heimat besuchen. «Wir sind im Moment am Koordinieren.» Die Wirte in den zwei Restaurants seien informiert, ebsonso die bäuerlichen Besenbeizen und der lokale Busbetrieb. Nach Trub fährt normalerweise stündlich das Postauto. «Aber wir haben effektiv keine Ahnung, wie viele Leute wirklich kommen», sagt Wüthrich. Auch die BLS muss reagieren. Laut Sprecher Olivier Bayard verkehren auf dem Netz der BLS an diesen zwei Tagen 95 Extrazüge. Das sind fast dreimal so viele wie auf dem ganzen SBB-Netz. (at./gku)

Einige Orte werden aber bestimmt beträchtlichen Andrang erhalten. Laut Kormann haben die SBB zurzeit 34 Extrazüge für die Aktion disponiert, und auch die Regelzüge würden teilweise verstärkt. «Wir rechnen damit, dass sich je nach Wetter noch viele Leute kurzfristig entschliessen.»

Die Rollen der Gastgeber gestalten sich sehr unterschiedlich. Die meisten Gemeinden haben bisher nicht reagiert und erscheinen im Angebot auf der SBB-Homepage nicht explizit. Das heisst allerdings nicht, dass man nicht für 15 Franken in die Heimat fahren kann. Man muss sich dort einfach selber zurechtfinden. Kormann geht davon aus, dass etliche Gemeinden auch kurzfristig und spontan noch etwas für ihre Ortsbürger auf die Beine stellen.

Auch im Einzugsgebiet dieser Zeitung ist das direkte Echo auf die SBB-Aktion bisher eher bescheiden geblieben. Der Grossteil der gemeldeten Gemeinden begnügt sich damit, das Programm der örtlichen Bundesfeier auf der SBB-Homepage zu publizieren. Doch es gibt auch solche, die am 1. August ihren Bürgerinnen und Bürgern etwas bieten wollen. Zum Beispiel - und wieder einmal - Rütschelen.

Die kleine Ortschaft im Oberaargau war schon vor zwei Jahren aufgefallen, als Teenager die 1.-August-Feier gestaltet haben. Auch diesmal gibts einen Sonderservice. Weil Rütschelen gar nicht am öV angeschlossen ist, werden die Gäste am 1. August am Bahnhof Lotzwil abgeholt. Ein Fussmarsch, 41 Minuten ab Busstation Bleienbach Unterdorf, würde nämlich die Alternative laut Internet-Fahrplan der SBB lauten.

Auf die Rütscheler Burger wartet sodann ein Empfang im Gemeindehaus mit Einsichtnahme in den Burgerrodel (Verzeichnis der Burger), ein Besuch im Dorfspycher mit Dorfgeschichte und einiges mehr. Und am Abend dann die obligate Bundesfeier.

Mehr als nur das übliche Bundesfeierprogramm mit der Einwohnerschaft bieten folgende Gemeinden in der Region: Dürrenroth (Getränk im Gasthof Bären); Heimiswil (Empfang im Landgasthof Lueg, Anmeldung erforderlich); Köniz (Apéro auf dem Schloss, Anmeldung bis heute); Mühledorf (gratis Badi-Eintritt und ein kleines Geschenk) und Busswil b. Melchnau (Imbiss an der Bundesfeier).

Beim leiblichen Wohl dürften auch nicht angemeldete Gäste vielerorts auf ihre Rechnung kommen. So gibt es beispielsweise an der gemeinsamen Bundesfeier von Biberist, Zuchwil und Derendingen traditionsgemäss Gratis-Risotto. In Arch gibts am 2. August einen Empfang für die Burger.

Mehr als den Durchschnitt bietet auch Solothurn: Das Tourismusbüro offeriert den angereisten Bürgerinnen und Bürgern eine gratis Stadtführung durch die schönste Barockstadt der Schweiz - ein zweifellos attraktives Angebot. Dieses richte sich nur an mit dem SBB-Angebot angereiste Bürger, betont Muriel Blaser von Solothurn Tourismus. Für Einheimische gebe es im Sommer die «Stadtführung für Daheimgebliebene» zum reduzierten Preis.

Für geduldige Zeitgenossen öffnet übrigens am 31.7. und 1.8. wieder einmal das Bundeshaus seine Türen für die Öffentlichkeit (jeweils 9 bis 16 Uhr). Der Andrang ist hier meistens gross und Schlangestehen angesagt.

«Heimattage» am 1. und 2. August; Billette an den Schaltern des öV, an den SBB-Billettautomaten und im Internet unter www.sbb.ch; Pass oder die ID mitnehmen (Angabe des Heimatortes).

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