Jürg Baumann

Die Mehlschwalben meiden Wohlen. Seit 2004 hat der Natur- und Vogelschutzverein Wohlen bei seinen Zählungen den Vogel im Dorf nicht mehr beobachtet und auch heuer keine Brutplätze festgestellt. Thomas Burkard und Andrea Fuchs, die Co-Präsidenten des Natur-und Vogelschutzvereins Wohlen, haben es vorausgeahnt: Die Mehlschwalbe ist definitiv aus dem Siedlungsgebiet von Wohlen verschwunden. In Anglikon wurde hingegen noch eine Kolonie mit neun besetzten Nestern festgestellt. Die Mehlschwalbe sei früher bei uns häufig gesehen worden, teilt der Verein mit. Der Bestand ist seit Jahren in vielen Teilen der Schweiz im Krebsgang. Die Art gilt als bedroht. Die Gründe: Die Nistmöglichkeiten fehlen. Auf dem vielfach asphaltierten Boden im Siedlungsgebiet findet der Vogel das Baumaterial für sein Nest nicht mehr. Dafür brauchte er lehmig-feuchte Stellen, wo er das Nistmaterial aufsammeln könnte. Auch an insektenreichen Wiesen, wo die Mehlschwalbe das Futter für den Nachwuchs finden kann, mangelt es in Wohlen. Wenn sich das Blatt ändern sollte, braucht es laut dem Verein für die Schwalbenart Lebensbedingungen, die weit besser sind als heute.
Bei den Rauchschwalben hatte der Verein bei seiner Zählung mehr Erfolg. Er ortete auf vier Bauernhöfen mit Kuhställen 34 besetzte Nester und sieben weitere auf drei Höfen, die über einen Pferdestall verfügen. Viele der Rauchschwalben hätten heuer eine zweite Brut hinterlassen, teilt der Verein mit. Die Mauersegler waren in Wohlen und Anglikon mit 70 bis 140 Exemplaren vertreten, darunter auch mit flüggen Jungvögeln. Die Mauersegler pfeilen im Juni und Juli um die Häuser und spiessen ihre Nahrung (Insekten) und das Nistmaterial im Flug auf. Was man als Laie nicht weiss: Würden die Segler einmal am Boden und nicht beim Nest landen, könnten sie nicht mehr von allein starten.
Die Bevölkerung kann den Schwalben und den Seglern das Leben erleichtern, in dem sie in der Nähe von bestehenden Niststellen Kunstnester installiert. Der anfallende, häufig als lästig empfundene Kot kann mit speziellen Kotbrettern aufgefangen werden.
Jede Aufwertung eines Gartens (also nicht nur ein steriler Rasen ohne Blumen und Insekten), einer Wiese oder eines Landstriches trägt zudem zur höheren Insektendichte bei und gibt vielen Tieren eine verbesserte Nahrungsgrundlage.