Die Mächtigen im Oberstübli

Am Solothurner Kantonal-Schwingfest sorgten nicht nur die «Bösen» für die Musik im Sägemehl, sondern auch die Herren der Einteilung. Vier Männer bestimmten auf dem Bals-thaler Festplatz die Paarungen. Und beeinflussten damit den Wettkampfverlauf.

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Schwingen

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Keystone

Philipp Kissling

«Es gibt», verkündet Hansruedi Zumstein unmissverständlich, «nur Schwinger A und B, nicht etwa Gisler und Bieri.» Der Technische Leiter des Solothurner Schwingerverbands und der Einteilungschef des gestrigen Fests, trichtert den Kampfrichtern die Neutralitätsdevise ein. Später, bei der Begrüssung seiner Kollegen der Einteilung, wird Zumstein erneut deutlich: «Wir spielen nicht Solothurn gegen Mümliswil, sondern Kanton Solothurn gegen den Rest.» Zumsteins Ziel: zehn Kränze für die Solothurner Schwinger. Inklusive Festsieg, versteht sich. Aber: Er will nicht, dass am Ende des Tages (negativ) über das Einteilungsbüro geredet wird. Er will fair einteilen, ohne den Vorteil, den man am eigenen Fest hat, mit Füssen zu treten.

Es gibt nur einen Chef

Zumstein zur Seite stehen Josef Fluri (Thal/Gäu), Ueli Emch (Solothurn/Grenchen) und für die Bezirke Dorneck/Thierstein Patrick Straumann. Zumstein ist, das wird sofort klar, der unbestrittene Patron des Büros, das im Oberstübli der Reithalle liegt. Er macht Vorschläge und Nägel mit Köpfen, die anderen sagen meistens ja. Freilich, es wird lebhaft diskutiert. Der gut gelaunte Chef spricht fast permanent. Fluri versucht mitzuhalten, Emch und Straumann reden selten und wirken wie Statisten.

Hansruedi Zumstein will den Solothurner Bruno Gisler im Schlussgang. Darauf arbeitet er hin, obwohl er das nie laut sagen würde. Droht ein Nichtkranzer die Spitze aufzumischen, erhält der einen besonders «Bösen» zugeteilt und wird zurückgebunden. Durchschlängeln ist kaum möglich. Wobei es ganz schön schwierig ist für Zumstein und seine Kameraden, den Überblick zu behalten. Und es ist nicht so, dass eine Überraschung unmöglich ist. Schlägt ein Nichtkranzer einen oder mehrere Kranzer, hat er es, so geht der Tenor, verdient, weit vorne zu stehen.

Das Einteilungsbüro am «Kantonalen» ist auch eine Familienangelegenheit. Sind die Gänge eingeteilt, füttert Zumsteins Frau Therese den Computer und druckt die neuen Einteilungsblätter. Fredy Ackermann und Gerhard Marti, zwei Helfer vom KTV Laupersdorf, aktualisieren die farbigen Notenblätter mittels Bleistift von Hand.

Fast alles nach Plan

Ansonsten läuft alles nach Plan. Bruno Gisler steht im Schlussgang und trifft dort auf den Emmentaler Gast Matthias Siegenthaler, der im fünften Gang den Aargauer Favoriten Christoph Bieri geschlagen hat. Hansruedi Zumstein & Co. haben getan, was die Einteilung tun musste. Sie hat ihre Arbeit erledigt und Einfluss auf das Geschehen genommen. Geschenkt bekam keiner etwas, auch die Solothurner, die neun Kränze gewinnen, nicht. Dass Gisler den Festsieg aus der Hand gibt, dafür kann Zumstein nichts. Auch für den besten Solothurner Schwinger gilt: Wer den Muni will, muss jeden Bösen bodigen.

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