Aprikosen
Die Lust an der goldenen Frucht

Seit 1993 führt Familie Birrer in Niederwil einen eigenen Hofladen, in dem sie neben anderen Früchten auch ihre eigenen Aprikosen zu haben sind. Jetzt herrscht Hochbetrieb, denn es sind so viele Aprikosen wie noch nie zu ernten.

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Ernte

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Solothurner Zeitung

Corinna Marti

Aprikosen stammen ursprünglich aus China. 1838 wurden die Früchte erstmals im Wallis angebaut. Seit diesem Zeitpunkt ist das Wallis das Hauptanbaugebiet der Aprikosen in der Schweiz. Pro Jahr werden etwa 3000 Tonnen geerntet. Ein Grossteil davon gelangt auf den Frischmarkt. In der Schweiz konsumiert durchschnittlich jeder 1,9 Kilo Aprikosen pro Jahr.

Aber diese Früchte werden nicht nur im Wallis geerntet. Auch Susy und Martin Birrer aus Niederwil bauen seit zehn Jahren Aprikosenbäume an. Von ihren über 6000 Obstbäumen sind 500 Aprikosenbäume. Die restlichen sind Zwetschgen-, Mirabellen-, Ringlotten-, Birnen- und Äpfelbäume. «Die Äpfel sind unsere Existenzgrundlage», betont Susy Birrer. Alle ihre Früchte werden 100 Prozent über ihren Hofladen vertrieben. Ansonsten hätte ihr Betrieb in der heutigen Zeit, gar keine Überlebenschancen mehr.

Jedes Jahr ein paar Bäume mehr

Der Gummenhof war nicht immer ein Obstbaubetrieb. Erst als Susy und Martin Birrer den elterlichen Hof 1988 übernahmen, entstand aus dem landwirtschaftlichen Betrieb mit Tierhaltung einen Obstbaubetrieb. Die Stallungen wurden zu Lager- und Kühlräume für Äpfel umgebaut und auf den Weiden, wo einst Kühe grasten, stehen heute zahlreiche Obstbäume.

Die Birrers haben sieben verschiedene Aprikosensorten, die während der Zeit von mitte Juli bis Ende August gestaffelt geerntet werden. «Dieses Jahr ist unser Aprikosenertrag so gross wie noch nie. Dies obwohl der Winter für die Bäume sehr hart war», berichtet Susy Birrer.

In den letzten Jahren war der Aprikosenertrag nicht so hoch, da in den ersten Jahren noch keine Hagel- und Vogelnetze montiert waren. Zudem kam es im Frühling immer wieder zu Spätfrost, was den Ertrag deutlich verminderte. Ausserdem muss ein Aprikosenbaum vier Jahre alt werden, bevor er Früchte trägt.

Ihre Bäume haben sie von der Baumschule Salathé in Diegten. «Diese Baumschule ist auf die Aufzucht von Steinobstbäumen spezialisiert», erzählt Susy Birrer. Die Beratung sei sehr gut. Am Anfang wollten Birrers eigentlich gar keine Aprikosen anbauen. Für sie war es aber sehr schwer an einen guten Lieferanten aus dem Wallis heranzukommen. Deshalb besuchten sie die Wein- und Obstbau Ausstellung Agrovina im Wallis, um Kontakte zu knüpfen.

Von einem Aussteller einer Forschungsanstalt im Wallis wurden sie dann ermutigt selber Aprikosenbäume anzubauen. So wurden die Birrers zum Aprikosenproduzenten in der Region. «Am Anfang setzten wir nur eine Reihe. Jedes Jahr kamen mehr Aprikosenbäume dazu», so Susy Birrer.

Alles wird weiterverwendet

Vor zwanzig Jahren wäre es gar nicht möglich gewesen Aprikosenbäume in der Region anzupflanzen. Die Forschung hat aber in den letzten Jahren viele neue Sorten entwickelt, die auch ausserhalb des Wallis gedeihen. «Nicht nur durch die Forschung, sondern auch durch die Klimaveränderung ist es möglich geworden solche Früchte in unserer Region erfolgreich anzubauen», betont Susy Birrer.

Für die Aprikosen ist das Wetter vor allem kurz vor der Ernte sehr wichtig. «Jetzt wäre warmes und trockenes Wetter wichtig. Kurz vor der Ernte sind die Aprikosen empfindlich», berichtet Susy Birrer. Wenn es kurz vor der Ernte sehr stark regnet bekommen die Aprikosen braune Flecken und können so nicht mehr verkauft werden. «Diese Woche konnten wir wegen des Wetters nicht soviel ernten. Nächste Woche sollte es besser werden, da eine neue Sorte reif ist», erklärt die Obstbäuerin.

Die Aprikosen, welche wegen ihren Schönheitsfehler nicht direkt verkauft werden können, verwenden die Birrers weiter: Aus ihnen wird Schnaps gebrannt oder sie werden in der eigenen Dörranlage getrocknet. Diese Produkte werden anschliessend auch im Hofladen weiter verkauft. Auch privat verarbeitet die Bäuerin ihre Aprikosen weiter: «Ich mache oft Konfitüre oder Marinade.» Zudem kann man Aprikosen gut einfrieren oder einmachen.

Der Arbeitsaufwand ist nicht sehr gross und man kann dafür die feinen Früchte auch im Winter zu einem Dessert geniessen. «Die traditionelle Weiterverarbeitung geht in der heutigen Zeit leider ein bisschen verloren», erzählt Susy Birrer.

Die Birrers haben sich schon einige Male überlegt noch andere exotische Früchte anzupflanzen. «Leider fehlt uns im Moment die nötige Zeit um solche Ideen in die Tat umzusetzen», meint Susy Birrer. Besonders ihr Mann sei von der Idee, Feigen anzupflanzen, begeistert.

Die Öffnungszeiten sind auf der Homepage aufgeführt: www.gummenhof.ch

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