DIE BEIDEN STANDEN am Bahnhof. «Hast du den Toten schon?», fragte der junge Raucher seinen Kollegen. «Nein», sagte dieser, «aber ich habe die kaputte Lunge, die Spritze und das Kind mit Gasmaske.» «Gut», sagte der Erste, «wollen wir tauschen: die Lunge gegen den Toten?» Der andere nickte. Sie gaben einander je eine leere Zigarettenpackung, steckten sie zufrieden ein und zündeten sich die nächste Zigarette an. «Jetzt fehlen mir nur noch der Mundkrebs und der Impotente. Aber die haben sie hier am Kiosk nicht. Vielleicht in Aarau.»

SPÄTESTENS AB 1. Januar 2010 müssen alle Zigarettenpackungen einen kombinierten Warnhinweis enthalten. Die bisherigen Textbotschaften wie «Rauchen kann tödlich sein» werden ergänzt mit einem Hinweis auf die Rauchstopplinie und mit einer Abbildung, die drastisch zeigt, welche gesundheitlichen Schäden Rauchen anrichten kann. Vorgesehen sind drei Serien mit je 14 Bildern. Alle zwei Jahre müssen die Sujets gewechselt werden. Diese bildlichen Warnhinweise sollen präventiv wirken: Jugendliche werden beim Betrachten der harten Bilder motiviert, nicht mit Rauchen anzufangen, Rauchende werden angeregt, mit dem Rauchen aufzuhören. So jedenfalls wünscht es sich das Bundesamt für Gesundheit.

BEREITS BIETEN einige Zigarettenhersteller ihre Packungen mit kombinierten Warnhinweisen samt abschreckenden Bildern an. Wie der oben eingefangene Dialog zeigt, scheint das mit der Abschreckung aber doch nicht recht zu funktionieren: Die Jugendlichen führen die pädagogische Absicht ad absurdum: Sie sammeln und tauschen die bizarren Bilder und rauchen unbeeindruckt weiter.

joerg.meier@azag.ch