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Die letzte Arbeiten auf dem Friedhof

Auf dem Autofriedhof Messerli in Kaufdorf herrscht jetzt erst recht Abbruchstimmung. Roger Linder hat 30 Jahre hier gearbeitet. Doch das Wetter erschwert ihm die letzten Arbeiten.

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Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Es gibt derzeit nicht viel zu tun auf dem umstrittenen Autofriedhof im Gürbetal. «Es hat zu viel Wasser», sagt Roger Linder. Schlamm und Eis haben ihm in den letzten Tagen die Arbeit erschwert. Linder ist Angestellter der Autoverwertung Messerli in Kaufdorf. Jetzt müsste er eigentlich die versteigerten Autos rausholen, doch das geht nicht. Es müsse jetzt erst einmal eine längere Zeit trocken bleiben.

Viel Zeit wird Roger Linder nicht mehr haben. Im nächsten Juni wird endgültig Schluss sein. Es sieht nach Aufbruch

Kontext

Den Autofriedhof in Kaufdorf gibts seit 1933. Walter Messerli begann einst mit einem Ersatzteilhandel und stellte auf dem Gelände im Gürbetal seine ausgehöhlten Wagen ab. 1975 übernahm Franz Messerli von seinem Vater die Autoverwertung und damit auch den Friedhof. Messerli Junior gilt im Umgang als eigenwillig, bisweilen schroff - und steht entsprechend auch seit Jahren mit Behörden im Konflikt. Gegenüber dieser Zeitung wollte er zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft mehr geben. Das interessiere ihn nun nicht mehr. Am Ende beherbergte das Gelände neben dem Bahnhof 782 Autos. Für grosses Aufsehen sorgte der Friedhof im vergangenen Jahr als Stätte einer nationalen Kunstausstellung mit dem Thuner Künstler Heinrich Gartentor. Im Sommer stand das Areal der Bevölkerung noch ein letztes Mal offen. Jetzt wird das Gelände geräumt und ob all der Altlasten vor allem saniert. Dagegen half auch ein Gutachten aus angesehenen Kulturkreisen nichts, das dem Areal einen hohen künstlerischen Wert zuschrieb (wir berichteten). Der Autofriedhof wurde schliesslich auch zum Politikum; doch der Grosse Rat hatte kein Nachsehen; auch der letzte Schrottplatz sollte saniert werden. Darauf fand nach Verstreichen eines letzten Ultimatums am 19. September die Versteigerung der Karossen statt. (joh/sat)

Keine «Beute» für Schrottpresse

Bis Ende Mai des nächsten Jahres muss der Platz nun aber definitiv leer sein. Für Linder ist es eine Aufgabe, die er nicht gerne übernimmt, aber noch weniger gerne hätte er es gesehen, wenn sie ein anderer für ihn täte. Einigermassen behutsam muss die Arbeit getan werden, viele der Autos werden bald zur Zierde in Gärten gebraucht oder als Ersatzteillager für Bastler. Reif für die Schrottpresse sind sie also noch lange nicht. «Sonst könnte ich die Arbeit nicht tun», sagt Linder. «Es täte zu weh.»

50 Jahre lang habe es hier immer gleich ausgesehen. Nach der verordneten Schliessung wurden im vergangenen September viele der Autowracks an einer Versteigerung verkauft, an Schweizer, Italiener, Franzosen, Deutsche, Österreicher. 255 sind bis jetzt abgesetzt worden, für etwa 230 gibt es noch keine Käufer. «Ich hoffe, dass wir noch ein paar verkaufen können», sagt Linder. Und er hofft, dass die Zeit reicht bis nächsten Mai.

«Wir haben alles probiert»

Wenn Linder an das Ende des Friedhofs denkt, kommt ihm die Galle hoch. Er hat schon Briefe an Behörden und Organisationen geschrieben und dabei, wie er sagt, nicht immer die freundlichsten Wörter gewählt - und manchmal, wie er zugibt, auch ziemlich harsche. Doch das stört ihn nicht. Er werde sich dann noch einmal zu Wort melden, sagt er, und es scheint nicht, als ob er seine Wortwahl mässigen wollte. Auf Facebook, wo der Autofriedhof noch viele Freunde hat, hat er beispielsweise diese Zeilen publiziert: «Wir haben alles probiert, ein Biologe hat auf dem so verseuchten Gelände 151 verschiedene Pflanzen gefunden, der Ornithologe 50 verschiedene Vogelarten, wovon zwei auf der roten Liste, aber all das interessiert keine Sau, sobald es politisch wird, gibt es nur noch Weicheier und Angsthasen!»

Für Linder ist der Autofriedhof ein Biotop, «unberührte Natur» habe es hier gegeben. Vögel, Frösche, Igel. Und die drei Fuchsfamilien, denen er sich früher auf bis drei Meter nähern konnte, nicht mehr. Sie sind weg. Und Roger Linder bald auch. Was dann kommt, weiss er noch nicht. Sicher aber wird er kein Auto vom Friedhof mit nach Hause nehmen.