Altersheim Sonnenberg
«Die Kritiker bleiben leider anonym»

Heimleiterin Miriam Lo Conte nimmt Stellung zu den Vorwürfen und erklärt, was sie von den Angriffen hält.

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Miriam Lo Conte wurde überrascht von der anonymen Kritik und legt zugleich ein Dankesschreiben von Angestellten auf den Tisch. Es ist eine Reaktion auf den offenen Brief von unzufriedenen Mitarbeitern.

Frau Lo Conte, müssen sich die Angestellten vor Ihnen fürchten und dürfen sie sich nicht frei äussern?
Miriam Lo Conte: Ich kann mir nicht erklären, was da gesagt wurde, mit mir können alle reden. Das hat der grösste Teil der Mitarbeiter in einer Teamsitzung so bestätigt.

Man wirft Ihnen vor, sie verbreiteten ein Klima der Angst und Repression.
Lo Conte: An einer obligatorischen Teamsitzung sagte die grosse Mehrheit des Personals aus, dass sie sehr gerne hier arbeitet.

Es gibt aber auch Mitarbeiter, die mit Ihrer Leitung unzufrieden sind.
Lo Conte: Die grosse Mehrheit steht hinter der Heimleitung und dem Kader. Es gibt zwar einige wenige, die Probleme haben. Sie bleiben leider bis heute anonym. Da muss ich annehmen, dass sie weder eine konstruktive Lösung suchen noch ein mögliches Problem tatsächlich lösen wollen. Es sieht für mich nach einem persönlichen Racheakt aus, wobei ich nicht weiss, wofür. Diese Leute schaden letztlich dem Heim.

Die Kritiker sagen, Sie würden von Ihnen übermässig kontrolliert. Wie sehen Sie das?
Lo Conte: Die verschiedenen Bereiche arbeiten unter entsprechenden Leitungen völlig autonom, da mische ich mich nicht ein. Ich werde nur bei Problemen beigezogen.

Thema Kälte und Herzlosigkeit. Finden Sie persönlich den Kontakt zu den Bewohnern?
Lo Conte: Mein Büro ist offen. Ich bin im Haus unterwegs, besuche die Leute im Spital. Ich pflege einen guten und intensiven Kontakt mit den Bewohnern, alles andere als herzlos.

Woher kommt ein derart schwerer Vorwurf?
Lo Conte: Es ist ein pauschaler Vorwurf. Die Kritiker sind mir bis heute jedes Beispiel schuldig geblieben, wo ich herzlos gewesen sei. Ich habe das Gefühl, das ist jetzt Mobbing gegen mich.

Mitarbeiter wiederum behaupten, Sie würden Leute aus dem Personal ungerecht behandeln.
Lo Conte: Es stimmt, dass ich bereits vor dem Brief einzelne Mitarbeitende bei gewissen Vorfällen verwarnen musste. Ich habe hier in einem Betrieb mit 68 Mitarbeitern eine Führungsaufgabe wahrzunehmen. Das hat jedoch nichts mit Herzlosigkeit oder Mobbing zu tun.

Haben in letzter Zeit aussergewöhnlich viele Leute gekündigt?
Lo Conte: Die beruflichen Wechsel liegen absolut im normalen Rahmen, es gibt immer Leute, die eine andere Stelle annehmen oder pensioniert werden.

Gibt es konkrete Massnahmen als Folge des offenen Briefes?
Lo Conte: Wir haben mit Mitarbeitern Gespräche geführt. Künftig wird an den Teamsitzungen ein Stiftungsratsmitglied anwesend sein. Wir gründeten eine Mitarbeitergruppe, die Beschwerden entgegennimmt und an uns weiterleitet.

Hat Sie dieser Brief überrascht?
Lo Conte: Schwierig ist, dass die Schreiber anonym bleiben und jetzt an die Medien gelangten. Sie verletzen damit ihre Schweigepflicht. Sie setzen auch die Arbeit aufs Spiel, die unser Mediator, Gemeindeammann Martin Heiz, in den letzten Wochen geleistet hat. Heiz hat viele Mitarbeiter angehört und uns als Aussenstehender Empfehlungen abgegeben, die wir umsetzten. (psi)