Arboldswil
Die Kinder lernen «Nein» zu sagen

Einheitlich an Gewalt ist nur, dass möglichst viel unternommen werden muss, um sie zu verhindern. In Arboldswil lernten Kinder unter der Leitung von Thomas Richter vom Institut für Gewaltprävention, wie sie sich in kritischen Situationen verhalten sollen.

Merken
Drucken
Teilen
Die Kinder lernen, «Nein» zu sagen

Die Kinder lernen, «Nein» zu sagen

bz Basellandschaftliche Zeitung

Tobias Gfeller

«Nein danke. Ich habe gesagt Nein!», antworten die Kindern in der bekannten Situation, dass jemand ihnen ein «Täfeli» anbietet, um sie mit ins Auto zu locken. Der zweistündige Kurs am Samstag befasste sich mit dem Thema, wie sich die Kinder gegen fremde und ihnen bekannte Erwachsene wehren können. Mit dabei, um die Situationen zu simulieren, waren die Eltern. Diese Form von Gewalt ist besonders heimtückisch, weil es den Kindern oft schwer fehlt, sich gegen die dominanten Erwachsenen zu wehren. Verschärft wird dies dadurch, dass in 90 Prozent der Fälle die Erwachsenen den Kindern bekannt sind. Vielen Kindern fällt es schwer, eine Berührung oder schon nur ein einfacher Kuss einer für sie bekannten Person abzulehnen.

Thomas Richter erklärte den Kindern, dass es immer erlaubt sei, «nein» zu sagen. Das Ablehnen einer Berührung wurde detailliert geübt. Dem Psychologen ging es darum, den Kindern beizubringen, auf ihre inneren Alarmsignale zu hören und dominant die Berührung abzulehnen.

Selbstvertrauen aneignen

Bei diesen praxisnahen Übungen war es interessant zu sehen, wie die unterschiedlichen Charaktere auf das Annähern des fremden oder bekannten Erwachsenen reagieren. Für die Einen schien es fast keine natürliche Distanz zu geben, andere hingegen liessen das Gegenüber nur wenig an sich heran. Immer wurde das Prozedere wiederholt, um den Kindern das nötige Selbstvertrauen anzueignen.

Täter werden immer jünger

Thomas Faust ist Leiter der Jugendanwaltschaft Baselland. Er weiss, dass die Gewaltdelikte von Jugendlichen in den letzten Jahren «relativ stabil waren und eher zurückgegangen sind.» Dies sei dank der neuen Sanktionsformen möglich geworden. «Wir gehen früh an die Jugendlichen heran. Wir können mit dem neuen System schnellere Entscheide fällen und die Jugendlichen eng begleiten, was die Rückfallquote tief hält.» Negativ ist aber die Tendenz, dass die Täter immer jünger werden. Für die Jugendanwaltschaft ist die Zeit zwischen der obligatorischen Schule und dem Einstieg ins Berufsleben besonders kritisch. «Dort müssen wir immer wachsam sein, da das Absturzrisiko wächst», sagt Faust. (TGF)

Nachdem das Ablehnen einer Berührung oder eines Lockversuchs durch einen Erwachsenen geübt worden war, brachte Richter den Kindern bei, wie sie sich zu verhalten hätten, wenn das Ablehnen des Gegenübers nichts nutzen würde. Lautstark versuchten die Kinder, aus der bedrohlichen Situation zu entkommen.

Im Zentrum des Unterrichts stand immer der Spass. Den Kindern etwas derart Spezifisches beizubringen, ist schwierig. Thomas Richter wies immer wieder darauf hin, dass nach den zwei Stunden das Lernen noch nicht beendet sein kann. Es sei jetzt Aufgabe der Eltern, mit den Kindern die Situationen immer wieder zu üben und darüber intensiv zu sprechen. Mit wichtigen Inputs verliessen sowohl die Eltern und vor allem auch die Kinder die Arboldswiler Turnhalle.