«Die Hochzeit und die Ehe waren das Schönste in meinem Leben»
«Die Hochzeit und die Ehe waren das Schönste in meinem Leben»

Am Montag, 25. Januar, gibts im Regionalen Pflegezentrum Baden Kartoffelstock, dazu ein «gutes Stück Fleisch». Gewünscht hat sich dieses Essen Margaretha Schwarber-Geigele. Sie feiert dann zum 100. Mal ihren Geburtstag.

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Melanie Bär

Als Kind konnte sich Margare-tha Schwarber am Geburtstag das Essen nicht aussuchen. Damals war sie froh, wenn sie überhaupt etwas zu essen hatten. Der Vater diente im Krieg, die Mutter musste sich und die drei Kinder alleine durchbringen. «Nur weil meine Mutter hungerte, hatten meine Geschwister und ich genug zu essen.»
Trotzdem erinnert sich die liebenswürdige Frau gerne an ihre Kindheit in Basel und Othmarsingen zurück. Beispielsweise ans stundenlange Seilhüpfen. «Wir hatten es schön zusammen und haben uns gegenseitig geholfen.» Auch an Weihnachten, als ihre «Mamme» den Kindern weinend eröffnete, dass sie kein Geld habe und deshalb keinen Weihnachtsbaum kaufen könne. «Ich ging an einen Stand, erklärte dem Verkäufer unsere Situation und bat ihn um ein paar Tannäste, die er mir dann schenkte», erzählt Margaretha.

Mit dem Tod wurde sie schon früh konfrontiert: Der Bruder starb als Teenager, die Schwester als Kleinkind und die Mutter in Margarethas Jugendzeit. Als ihr Vater darauf mit seiner zweiten Frau eine Familie gründete, stand Margaretha bereits auf eigenen Beinen und arbeitete in einem Konfektionsgeschäft in Lenzburg und als Haushälterin.
In einer Wettinger Kirche hat Margaretha Geigele, wie sie ledig hiess, als 26-Jährige ihren Mann kennen gelernt. Bereits vier Wochen später wurde geheiratet. Bereut hat sie diesen schnellen Entschluss nie: «Die Hochzeit und die Ehe waren das Schönste in meinem Leben.»
Mit ihrem Mann, der als Bauschlosser in der BBC arbeitete, wohnte sie in Wettingen. Ihr Mann war viel krank und der Kinderwunsch blieb unerfüllt. Trotzdem waren sie ein glückliches Ehepaar. «Ich hatte es meistens schön im Leben. Die schlechteren Tage habe ich einfach genommen, wie sie sind. Ich will nicht jammen, das wäre nicht recht», sagt die bescheidene, dankbare alte Dame.

An diesem Grundsatz hielt sie auch fest, als ihr Mann vor 42 Jahren starb. Sie arbeitete am Kiosk weiter, den sie und ihr Mann an der Zwyssig-strasse hatten bauen lassen. «Die Arbeit gefiel mir und es lief immer etwas.» Damals war ein bescheidenes Sortiment üblich. Am gefragtesten waren Schoggistängeli, Fünfermocken, Zigaretten und Zeitungen. Mit 70 habe sie aufgehört zu arbeiten. Bis vor knapp zwei Jahren wohnte sie selbstständig im Wettinger Birkenhof. Nach zwei Stürzen lebt die mittlerweile nahezu erblindete Frau nun im Regionalen Pflegezentrum in Baden (RPB). «Zuerst fiel es mir schwer, mein Zuhause zu verlassen. Aber jetzt bin ich hier zufrieden daheim.» Mit zwei anderen Betagten teilt sie ein Zimmer und freut sich, wenn die Pflege-Praktikantin Lyilyana sie besucht. «Sie ist so lieb, ich habe Freude, wenn sie vorbeikommt. Das ist mehr wert als Geld und Gut», sagt Margaretha Schwarber-Geigele.
Wenig erstaunlich also, dass sich die Jubilarin auch auf ihre Gäste freut, die mit ihr den 100. Geburtstag feiern wollen. «Es kommt sogar der Kirchenchor, in dem ich 50 Jahre lang mitgesungen habe, und wir feiern im RPB gemeinsam Gottesdienst.»