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Die Haussuche geht geduldig weiter

Die Autonome Freiraum Bewegung hat noch immer keine geeignete Räumlichkeit für ein Autonomes Jugendzentrum (AJZ). Gemeinsam mit dem Alten Spital, der städtischen Jugendkommission und der Jugendförderung wird gesucht.

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Jugendliche

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Solothurner Zeitung

Pascal Mülchi

Ein Samichlaus, der Pakete verteilt. Eigentlich und gerade zurzeit nichts Ungewöhnliches. Letzte Woche allerdings schon. Denn die Pakete, die dem Fuss-volk in der Solothurner Innenstadt am Donnerstagabend verteilt wurden, waren leer - fast. Einzig ein weisser Zettel war drin, auf dem stand: «Wir wollen ein Autonomes Jugendzentrum und keine leeren Versprechungen!»

Gespräch fand statt

Einmal mehr verliehen Aktivisten der Forderung nach einem Autonomen Jugendzentrum (AJZ) ihren Nachdruck. Im August dieses Jahres hatten sie für zehn Tage die ehemalige Drogenanlaufstelle an der Dornacherstrasse besetzt. Das damals in Aussicht gestellte Gespräch mit Stadtpräsident Fluri - als Resultat der Besetzung - fand am 20. Oktober statt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Neben drei Vertretern der Autonomen Freiraum Bewegung (AFB) nahmen Stadtpräsident Fluri, die Jugendkommission, die Jugendförderung, das Alte Spital, die Regionalplanungsgruppe Solothurn und Umgebung sowie auch Pipo Kofmehl am Gespräch teil. Dass das Treffen stattgefunden hatte, wurde ebenso wenig bekannt wie dessen Inhalt. Ein Fehlentscheid, wie heute Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals, einräumt.

Finanzierung wird diskutiert

«Es ist klar, dass in einer ähnlichen Form wie dies die Jugendlichen fordern, etwas in der Region entstehen soll», sagt Pascal Walter, Präsident der Jugendkommission der Stadt. Er wird zusammen mit der kantonalen Jugendförderung und den Jugendlichen voraussichtlich im Januar zusammensitzen und ein mögliches Konzept und dessen Finanzierung diskutieren. Marcus Casutt von der Jugendförderung bestätigt: «Wir werden die Jugendlichen unterstützen, wenn es um die Finanzierungsfrage geht.» Je nachdem sei auch von ihrer Seite eine einmalige finanzielle Beteiligung denkbar. Die Jugendlichen selbst sprechen von einem dreistelligen Betrag, den sie bereit wären, monatlich beizusteuern. Erstmals soll nun aber die Sondierungsphase für mögliche Objekte abgeschlossen werden. «Wenn die ohne Erfolg bleibt, kann ich mir vorstellen, dass die ursprüngliche Runde wieder einberufen wird», nennt Pascal Walter ein mögliches Szenario. Stadtpräsident Kurt Fluri zeigt sich auf Anfrage gegenüber einer neuerlichen Gesprächsrunde offen, zumal jetzt eine gute Gesprächskultur herrsche. (PM)

Vereinbart wurde am besagten Treffen, dass fortan das Alte Spital zusammen mit der Jugendkommission und der Jugendförderung die drei Vertreter der AFB in ihrem Vorhaben unterstützen. Zwei Sitzungen - die letzte am 24. November - haben seither stattgefunden. Im Einvernehmen, wie es heisst. Erarbeitet wurde und wird noch immer eine Liste mit möglichen Standorten und Objekten für ein AJZ.

Die Suche nach einem geeigneten Standort - neben der Stadt Solothurn wurde auch in den umliegenden Bezirken gesucht - blieb bislang erfolglos. «Wir haben ungefähr 15 bis 20 Objekte untersucht, bei dreien klären wir derzeit noch ab», meint Eva Gauch, die nun zusammen mit Barbara Kläsi, Verantwortliche Jugendarbeit, und den Jugendlichen quasi eine Arbeitsgruppe bildet. «Wir suchen Objekte, welche jemandem gehören, die dem Anliegen der Jugendlichen positiv gegenüber stehen», so Gauch. Sicherheitsbedenken, Denkmalschutz, fehlende Eignung für öffentliche Veranstaltungen oder mittlerweile bereits verkaufte Liegenschaften verhinderten bisher ein Resultat.

Status quo für Aktivisten

Die Freiraum-Aktivisten sehen sich damit mit dem Status quo konfrontiert. Schon vor zwei Jahren hatten sie mit Vertretern aus dem Alten Spital und der Jugendkommission nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht. In der Folge verlief sich das Vorhaben. Heute stehen die Aktivisten vor dem gleichen Problem: Sie suchen noch immer eine geeignete Räumlichkeit. «Deshalb stehen wir heute wieder hier in der Kälte, um erneut auf unser Problem aufmerksam zu machen», schreiben sie im Flyer, der bei der eingangs erwähnten «Sami-chlaus-Aktion» verteilt wurde. Anfang 2010 soll ein weiteres Treffen mit dem Alten Spital stattfinden.

«Konstruktiver Weg» eingeschlagen

Das durch die Besetzung geschaffene Konfrontationsklima ist laut Gauch mittlerweile längst einem «konstruktiven Weg» gewichen. Die Jugendlichen zeigen sich auf Anfrage geduldig und haben sich bei der Verwirklichung ihres Vorhabens vorerst kein Limit gesetzt. Zwar sind sie auch frustriert, dass nach all ihren Bemühungen noch immer nichts herausgeschaut hat, sie bleiben aber am Ball.

Ein Blick in die Frühzeit des Kofmehl, das in den Neunzigerjahren ebenfalls als subkulturelles Zentrum gestartet war, zeigt, dass sich Geduld auszahlt. Pipo Kofmehl und Co. hatten über zwei Jahre gesucht, ehe sie an der Gibelinstrasse ihren Traum verwirklichen konnten.