Die Gründer waren blutjung

Musikgesellschaft Nussbaumen blickt mit einer Ausstellung auf 125 Jahre Geschichte zurück.

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Aargauer Zeitung

ANNEMARIE PELIKAN

Am 30. August 1885 gründeten sechs junge Männer mit ihrem Leiter Wilhelm Arnitz die Musikgesellschaft Nussbaumen. Deren lebendige Geschichte zeichnete Chronist Bernhard Schneider auf und Brigitte Minder gestaltete die Ausstellung dazu.

Wenn die damals so jungen Musikanten, fast alle unter 20 Jahre, heute ins Dorf zurückkehren könnten, wären sie wohl über dessen immenses Wachstum und die riesigen Veränderungen entsetzt. Ende des 19. Jahrhunderts bestand die Gemeinde nämlich nur aus ein paar Dutzend Häusern, wie das grosse Bild rechts vom Eingang im Gemeindehaus beweist.

Nun kann sich der Besucher hier bei einem Rundgang und dem Studium der momentanen Ausstellung über die Musikgesellschaft auch 125 Jahre zurückversetzen lassen. Bernhard Schneider hat über die Jahre akribisch deren Geschichte recherchiert und aufgeschrieben und Brigitte Minder hat diese sozusagen zum Anfassen dargestellt.

Gruppen spielten zum Tanz auf

Die Vereinsgeschichte beginnt im August 1885 mit der Gründung der Musikgesellschaft Nussbaumen, dem kurzen Leben derjenigen vom Hertenstein und dem Zusammenschluss der beiden zur Musikgesellschaft Obersiggenthal. Die Gründer wie auch die musikalischen Leiter waren nicht etwa gestandene Mannen, sondern fast noch Jünglinge.

Im Siggenthal gab es schon davor verschiedene Musikantengruppen, welche vor allem zum Tanz aufspielten. In Ober-Nussbaumen war besonders die Familie Arnitz bekannt. Es war denn auch der 22-jährige Wilhelm, welcher sechs weitere junge Männer begeistern konnte. Mit geliehenen 125 Franken kaufte er Instrumente und bezahlte davon auch das bescheidene «Gründermahl». Das Foto von 1888 zeigt zwar schon recht gesetzte «Herren», obwohl die meisten erst um die zwanzig waren. Die Namen Meier, Drack, Birchmeier oder Merk finden sich heute noch in der Gemeinde.

Doch nicht nur Fotos von den Gründern, ersten Uniform oder von Anlässen finden sich in den Vitrinen, sondern auch Instrumente, Protokollbücher und handgeschriebene Marschbüchlein, auch mit selbst komponierten Stücken von Robert Stumpf. Der talentierte Musikant aus ihren Reihen war bis 1953 aktives Mitglied der Musik Obersiggenthal, bildete viel Nachwuchs aus und schrieb unzählige Stücke, wie etwa den Marsch «Abschied vom Hertenstein». Damit die kostbaren Noten nicht verloren gingen, kopierte B-Bassist Johann Meier fein säuberlich von Hand Marschbüchlein für unterwegs.

In Innsbruck Furore gemacht

Im Geiste besucht man mit den Musikanten all die vielen Musikfeste, vorab das Internationale in Innsbruck, welches dem Korps höchste Ehren einbrachte, nämlich den ersten Rang in der ersten Klasse Blechmusik. Diesen Erfolg verdankten die Akteure der strengen Hand von Fridolin Bünter. Ihm ist denn auch ein Ehrenplatz in der Ausstellung gewidmet. Beim Rundgang begegnet der Besucher vielen Lorbeerkränzen und Auszeichnungen, dem Wandel der Blechmusik zur Harmonie, der Jugendförderung und dem Blick in die Zukunft, aber auch den verschiedenen Uniformen über die Jahre.

All diese Dinge hat Brigitte Minder mit sehr grossem Aufwand zusammengesucht und interessant gestaltet. Das Material fand sie auf dem eigenen Estrich, im Materialraum im Gemeindehaus, bei Mitgliedern und im Stammlokal «Neuhaus». Sie ist, wie auch Chronist Bernhard Schneider, schon von Kindsbeinen an mit der Musikgesellschaft verbunden, erst durch den Vater und seit etwa 1974 als aktives Mitglied. Der 82-jährige Schneider dagegen begann seine musikalische Karriere als Tambour schon mit 15 Jahren. Er kümmert sich in dieser Sparte immer noch als Instruktor um den Nachwuchs, steckte aber stets viel Zeit in die Aufzeichnung der Geschichte des Musikvereins und wird diese in der Festschrift zum 125-Jahr-Jubiläum für die Nachwelt erhalten.