Fränzi Rütti-Saner

Diesen September wurde die so genannte ICOMOS-Liste der historischen Gärten und Anlagen der Schweiz für den Kanton Solothurn fertig gestellt und heute Nachmittag wird das Werk, in das sage und schreibe 1442 Objekte in 125 Gemeinden aufgenommen worden sind, den Solothurner Behörden übergeben. Die unerwartet hohe Anzahl der aufgeführten Gärten und Anlagen überrascht. «Durchschnittlich wurden pro Gemeinde ca. 12 Objekte in die Liste aufgenommen», schreibt die ICOMOS (International Council on Monuments and Sites)-Gruppe Schweiz, die in Zürich beheimatet ist und bei der es sich um eine Unterorganisation der Unesco handelt. ICOMOS hat es sich zur Aufgabe gemacht, historische Gärten und Anlagen, die vor 1960 entstanden sind, aufzulisten, damit diese - nach weiterer Abklärung - bei Bedarf unter Schutz gestellt werden können.

Sehr viele Solothurner Objekte

In den vergangenen Monaten waren vier Landschaftsarchitekten, zwei Architekten und eine Kunsthistorikerin im Kanton Solothurn unterwegs (wir berichteten) und haben systematisch nach schützenswerten Objekten gesucht. «Bewaffnet» waren sie mit einem speziellen Listenblatt, auf welchem sie Angaben über Standort, Gartentyp, geschichtlichen Hintergrund und vieles mehr festhielten.

An diesen «Begutachtern» war es auch zu entscheiden, ob ein Garten Aufnahme in der Liste findet oder nicht. Und so ist es denn zu erklären, dass im Gegensatz zum Kanton Solothurn mit 1442 Objekten beispielsweise im Kanton Baselland nur gerade 78 Objekte aufgelistet wurden. Die Begutachter bewerten subjektiv.

Dieses Vorgehen relativiert die Liste denn auch für den kantonalen Denkmalpfleger Samuel Rutishauser. «Man sieht auf der Liste, was wir im Kantonsgebiet alles haben. Es gibt uns einen Hinweis, hier oder dort näher hinzuschauen. Doch mit der blossen Erwähnung auf der Liste sind die Objekte noch lange nicht unter Schutz gestellt. Für den jeweiligen Besitzer bedeutet es eine Wertschätzung seiner Erhaltungsarbeit. Er hat darüber hinaus aber keine Verpflichtungen, kann andererseits auch keine Ansprüche geltend machen.»

Für die kantonale Denkmalpflege ist diese Liste aber wertvoll, so dass sie mitgeholfen hat - zusammen mit privaten Stiftungen - die Liste zu finanzieren. «Die Liste soll bewusst machen. Alte Gartenanlagen, und seien sie noch so unscheinbar, nehmen in unserem Lebensraum eine wichtige kulturhistorische Bedeutung ein», sagt auch Stefan Blank, der Nachfolger von Rutishauser.

Sehr abwechslungsreich sind die Kategorien, in welche die Objekte eingeteilt wurden. Da gibt es die 455 Einfamilienhausgärten oder 300 Bauernhausgärten. Sieben Spielplätze, 16 Gartenwirtschaften, 14 Friedhöfe, vier Fabrikgärten, drei Schwimmbäder, zwei Grotten, und sogar einen Freiraum Strafanstalt werden unter vielen anderen aufgeführt. Im Kanton sind es rund sechs Objekte, sagt Rutishauser, die bereits unter Denkmalschutz stehen. Rutishauser ist aber überzeugt, dass diese Liste Gemeindebehörden bei der Überarbeitung von Ortsplänen sehr dienlich sein kann.