Zugvogeltag
«Die grösste Flugschau Europas» auf leisen Flügeln

Der internationale Zugvogeltag findet bei der Bevölkerung von Jahr zu Jahr mehr Anklang. An verschiedenen Orten im Kanton Solothurn und im Oberaargau finden heute Anlässe für die Besucherinnen und Besucher statt.

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Zugvogeltag

Zugvogeltag

Solothurner Zeitung

Von Andreas Toggweiler

An diesem Wochenende laden BirdLife International und seine Partnerorganisationen wieder zum internationalen Zugvogeltag (Bird Watch) ein. Im Internet wird der Anlass sogar als «grösste Flugschau Europas» angepriesen, was bezüglich «Flugbewegungen» durchaus zutreffen dürfte. Die lokalen Ornithologenvereine stellen Informationsstände auf an Orten, wo bei geeignetem Wetter Zugvögel beobachtet werden können. Zudem wird auf die Notwendigkeit des Lebensraumschutzes entlang der Zugwege sowie in den Brut- und Überwinterungsgebieten der Zugvögel aufmerksam gemacht.

Allein im Kanton Solothurn laden dieses Wochenende 14 lokale Vereine zur Zugvogelbeobachtung ein. Und von den fünf Veranstaltungen im Kanton Bern finden zwei im Oberaargau statt. «Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir im Kanton Solothurn über viele sehr aktive Ortssektionen verfügen», sagt dazu Thomas Lüthi, Präsident des Vogelschutzverbandes Kanton Solothurn. Der Verband verfüge über rund 3000 Mitglieder in 48 Ortssektionen. Der jährliche Zugvogeltag sei zudem zu einem Ereignis geworden, das bei der Bevölkerung auf steigendes Interesse stosse. «Das motiviert natürlich die Organisatoren, den Interessierten auch etwas zu bieten», sagt Lüthi.

Was kann der Besucher eines Beobachtungsstandes heute an «Flugbewegungen» erwarten? «Im Moment sind vor allem Buchfinken, Ringeltauben und Erlenzeisige auf der Durchreise», erläutert Patrick Frara. Der Hobby-Ornithologe aus Derendingen ist unter anderem Leiter der Vogelberingungsstation Subigerberg oberhalb Gänsbrunnen. Die Vögel können in Schwärmen auf ihrer Reise in die Mittelmeergebiete oder nach Nordafrika beobachtet werden. Dabei legen sie Tausende Kilometer zurück. Rekordhalter seien übrigens die Seeschwalben, die vom hohen Norden bis fast an die Antarktis ziehen. «Die sind aber bei uns sehr unregelmässig zu sehen.» Bereits abgeflogen seien die Neuntöter und die Mauersegler, welche über die Ostroute (über den Bosporus und den nahen Osten) nach Südafrika fliegen.

«Wenn die Wetterbedingungen gut sind, lässt sich der Vogelzug auch im eigenen Garten beobachten», erklärt Frara weiter. Alles, was man dazu brauche, sei ein Feldstecher und etwas Geduld. Das Wetter muss allerdings stimmen. Denn auch die Vögel reisen bei schlechtem Wetter nicht gerne, und wenn noch starker Gegenwind herrscht, schalten sie lieber einen Rasttag ein, um ihre Kräfte zu schonen. Auch zu viel Rückenwind ist nicht ideal - für die Beobachter. «Dann fliegen die Vögel manchmal so hoch, dass man sie gar nicht mehr sieht.»

Die langen Wegstrecken legen die meisten Vögel übrigens in der Nacht zurück, weil sie da besser vor Feinden geschützt sind und am Tag auf Nahrungssuche gehen können. Aus diesem Grund haben die Natur- und Vogelschutzvereine Biberist/Derendingen/Zuchwil ihren Beobachtungsposten beim Wasserreservoir Bleichenberg auch am Freitagabend geöffnet. Tagzieher können dort heute von 9-16 Uhr beobachtet werden.

In der Beringungsstation Subigerberg können heute Ornithologen beim Beringen von Vögeln beobachtet werden. Die Station ist seit dem vergangenen Wochenende für einen Monat ununterbrochen besetzt. Mit einem Netz werden die Singvögel eingefangen und mit einem Ring, der eine Nummer trägt, versehen. Vogelkundler können anhand der Nummer herausfinden, wo und wann der Vogel beringt wurde. Sie melden ihrerseits den Fundort und den Gesundheitszustand des Vogels. Nur etwa 1 Prozent der beringten Vögel würden irgendwann in ihrem Leben andernorts eingefangen und registriert, erklärt Patrick Frara.

Zwar bedeutet auch das Einfangen und die Beringung für die Vögel einen gewissen Stress, räumt Frara ein. «Wir versuchen aber, die Aktion möglichst schonend und schnell über die Bühne zu bringen, so dass der Vogel nach wenigen Minuten weiterfliegen kann.»