Kanton Aargau
Die Furkabahn beginnt in Aarau

Der Aargau ist eine Hochburg der Furkabahn: Im alten Aarauer Schlachthof werden die Wagen der historischen Bergstrecke zerlegt und neu aufgebaut. Als jüngstes Bijou wird der Wagen ABD 4558 im Juni in die Bergwelt aufbrechen.

Merken
Drucken
Teilen
Furkabahn in Aarau

Furkabahn in Aarau

Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Noch steht er erst als Gerippe da, auf dem Eisenunterbau zwar, aber aufgestockt auf Holzpaletten und ohne Räder wirkt er nur halbfertig. Der Wagen ABD 4558 ist als erster aus den harten Bergwelt-Bedingungen zurück in den Aargau gerollt. Oben hat es ihm besser gefallen, doch Wind und Wetter setzten ihm arg zu. Denn die von den Aargauern so liebevoll restaurierten Nostalgiewagen stehen den ganzen langen Winter über im Freien! Der Bau eines grossen Depots in Realp ist schwierig, dem Verein Furka-Bergstrecke fehlt es überall an Geld. Obwohl er in den 23 Sektionen auf gegen 8000 Mitglieder gewachsen ist.

Dampfheizung und neue Bänke

Seit der Verein das alte Schlachthaus von der Stadt Aarau günstig gemietet hat, ist der Bau kaum mehr zu erkennen. In der grossen Halle nimmt der Personenwagen ABD 4558, nach der völligen Zerlegung, jetzt wieder die ursprünglichen Formen an. Für die Baukonstruktion kommt Esche zum Einsatz, die tragenden Teile sind aus Eiche. Für die kalte Bergwelt an der Furka wird eine Dampfheizung eingesetzt. Ein harter Kern der Fronarbeiter ist regelmässig in der Werkstätte, derzeit für die Montage der Fenster und der Sitzbänke. Diese müssen übrigens am Boden und an den Wänden fest verschraubt werden - für die Sicherheit.

Bahnzentrum mit guter Infrastruktur

In Aarau, direkt neben dem Huckepack-Terminal gelegen, sind die Bahnfreunde weiter als oben im Gebirge: Der nach acht Jahren zurückgetretene Präsident Walter Benz hat auch noch den Bau der neuen Remise geleitet. Dank Einzug von Zwischenböden hat es im alten Schlachthof und neuen Bahnzentrum jetzt Platz auf über 1000 Quadratmeter Fläche. Schreinerei, Schlosserei, Lagerräume, Kräne, alles ist vorhanden und zweckmässig eingerichtet. Dazu gehören auch eine Garderobe und eine Kantine mit eigner Küche und genügend Sitzplätzen.

Wechsel an der Spitze

Nach acht intensiven Jahren an der Spitze der Aargauer Sektion Furka-Bergstrecke ist Walter Benz, Döttingen, zurückgetreten. Als Nachfolger wurde der 57-jährige Walter Lüthi aus Buchs gewählt. Der gelernte Schreiner ist seit Kindheit von Dampflokomotiven fasziniert. Er will die Mitgliederzahl der Aargauer Sektion weiter erhöhen. Die Remise in Aarau soll zu einem Treffpunkt für alle werden. Die erste Gelegenheit kommt gleich: Am Freitag, 24. April, ist in der Werkstatt Furkabahn an der Rohrerstrasse 118 in Aarau ab 17 Uhr Tag der offenen Tür. (Lü.)

Kameradschaft und Präzision

Zwei Dinge prägen die Aargauer Sektion der Furka-Dampffreunde speziell: eine kameradschaftliche Atmosphäre und der Wille zu grosser handwerklicher Präzision - unabhängig davon, ob Fachleute oder Laien am Werk sind. Werkstattleiter Werner Beer aus Suhr ist fast immer dabei und hat bei der Schaffung der neuen Logistik viele Fäden gezogen. «Wir haben nicht mehr Platz als am alten Ort, aber wir sind viel effizienter eingerichtet», sagt er in der 8,5 Meter hohen Haupthalle. Wer vom Virus Dampfbahn gepackt wird, kommt so schnell nicht mehr los: Allein die Aargauer Sektion ist im letzten Jahr auf 1270 Mitglieder gewachsen.

Mitte Juni in die Berge

Oben an der Furka liegt teilweise noch meterhoch Schnee, ein im letzten Jahr erneuerter Abschnitt ist durch einen Bergsturz verschüttet worden. Das Ziel bleibt: Bis 2010 soll das letzte Teilstück von Gletsch bis Oberwald fertig gestellt werden. Damit wird die historische Bergstrecke erstmals seit der Einstellung 1982 wieder durchgehend befahrbar. Die Aargauer liefern ihren zum Bijou verwandelten Wagen schon dieses Jahr im Juni ab. Es ist schon der neunte - und die Arbeit geht nie aus.