Die Freunde aus aller Welt ärgern den Chef

Jeder Angestellte der Stadt Zürich klickt fünfmal pro Tag auf die Internetseite Facebook, wo sich Kontakte aus aller Welt knüpfen lassen. Eine Umfrage zeigt, dass Facebook auch unter Fricktaler Arbeitgebern ein Thema ist. Wird Facebook vermehrt genutzt, könnte die Seite bald gesperrt werden, sagen Informatiker.

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Aargauer Zeitung

Silvan Hartmann

«Würden bei uns die Angestellten auch so viel auf Facebook klicken wie in Zürich, müssten wir es uns überlegen, die Website zu sperren», sagt Martin Matter, Informatik-Leiter der Verwaltungen des Kanton Aargaus. Damit spricht er die 500 000 Klicks pro Woche an, die die städtischen Angestellten von Zürich auf Facebook surfen.

Im Durchschnitt sind das fünf Klicks pro Tag. Die Stadt Zürich will gemäss dem «Tages-Anzeiger» nun die Internetseite sperren. Doch so weit ist man gemäss Matter bei uns noch nicht. Es habe bisher auch keinen Vorfall gegeben, bei dem überdurchschnittlich hoher Facebook-Konsum festgestellt werden musste, bestätigt er.

Darf der Chef seine Mitarbeiter überwachen?

Arbeitgeber dürfen die Internet-Aktivitäten und den E-Mail-Verkehr ihrer Mitarbeiter überwachen, allerdings müssen sie von Gesetzes wegen gewisse Regeln einhalten: Die Überwachung von einzelnen Mitarbeitern muss sich auf einen konkreten Verdacht eines Missbrauchs stützen, vorher angekündigt und auf das nötige Mindestmass beschränkt werden. Liegt eine Straftat vor, sind die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten. Betrifft die Überwachung nicht eine bestimmte Person, ist sie zulässig. So sind anonymisierte Statistiken des Internet-Verkehrs erlaubt. Der Arbeitgeber hat auch das Recht, die Nutzung des Internets und von E-Mails zu verbieten. Zudem ist es erlaubt, bestimmte Seiten wie Facebook oder andere Kommunikationsseiten zu sperren. (az)

Mit Mass erlaubt

Auf der Stadtverwaltung Rheinfelden ist Facebook zwar nicht gesperrt, trotzdem werden die Mitarbeiter darauf hingewiesen, nur in Pausen privat zu surfen. «Solange die Arbeit gemacht ist, finde ich Facebook nichts Schlimmes. Es ist immer eine Frage des Masses», relativiert Kurt Wehrli, Netzwerkbetreuer der Stadt Rheinfelden, der selber auch ein Facebook-Profil hat. Schnell mal Mails checken oder ein privates Telefongespräch führen, das sei kein Problem. Das sieht auch Matter so. Er kennt auch positive Aspekte des Facebooks und erklärt deren Erfolge vor allem mit der Einfachheit, Kontakte zu knüpfen.

«Es gibt ja auch Interessengruppen, die durchaus Gutes an sich haben», sagt er. Matter glaubt, dass die Tendenz des Facebook-Konsums am Arbeitsplatz auch im Aargau steigend ist, allerdings nicht im Ausmass, wie es die Zürcher erlebten. Die Mitarbeiter der Verwaltungen im Kanton Aargau müssten sich trotz dem Facebook-Boom nicht auf eine Arbeit mit Big Brother einstellen. «Wir überprüfen die Mitarbeiter nur dann, wenn ein Verdacht bestehen würde», sagt Matter (siehe Kasten).

Selbstdisziplin zählt

Bei der Metallwaren-Fabrik Jehle AG in Etzgen, dem grössten Arbeitgeber im Mettauertal, und der Feldschlösschen AG in Rheinfelden haben die Mitarbeiter keine gravierenden Einschränkungen im Internet zu beklagen. «Wir setzen auf die Selbstdisziplin der Mitarbeiter», sagt Beat Zumsteg, Informatik-Leiter der Jehle AG. Zudem kennt er kaum einen Mitarbeiter, der auch nur selten auf Facebook klicken würde. So könne er auch versichern, dass die Plattform in der Top-Ten-Rangliste der meistbesuchten Internet-Adressen der Firma Jehle nicht vertreten sei.

Das Fricktal im Facebook Im Facebook ist auch das Fricktal mit diversen Interessengruppen stark vertreten. So zählt die Gemeinschaft mit dem schlichten Gruppennamen «Fricktal» mittlerweile über 1200 Mitglieder. «Die Gruppe habe ich erstellt,damit man neue Leuteaus der Umgebung kennen lernen kann», schreibt der Gruppen-Administrator unter der Beschreibung. Bei der Gruppe «Freaktal!!!» heisst der Gründer alle Nutzer willkommen, «die das Fricktal cool finden». Er tut es erfolgreich: Die Gruppierung hatbereits 360 Facebook-Anwender. Das Fricktal hat aber auch Gruppen zum Schmunzeln:So gibt es beispielsweise den «Lachs-Brötli-Fanclub-Fricktal» für alle Lachs-Liebhaber oder die Gruppe «Wir wollen den Kanton Fricktal zurück», die immerhin 300 stolze Fricktaler zählt. (az)

Das Fricktal im Facebook Im Facebook ist auch das Fricktal mit diversen Interessengruppen stark vertreten. So zählt die Gemeinschaft mit dem schlichten Gruppennamen «Fricktal» mittlerweile über 1200 Mitglieder. «Die Gruppe habe ich erstellt,damit man neue Leuteaus der Umgebung kennen lernen kann», schreibt der Gruppen-Administrator unter der Beschreibung. Bei der Gruppe «Freaktal!!!» heisst der Gründer alle Nutzer willkommen, «die das Fricktal cool finden». Er tut es erfolgreich: Die Gruppierung hatbereits 360 Facebook-Anwender. Das Fricktal hat aber auch Gruppen zum Schmunzeln:So gibt es beispielsweise den «Lachs-Brötli-Fanclub-Fricktal» für alle Lachs-Liebhaber oder die Gruppe «Wir wollen den Kanton Fricktal zurück», die immerhin 300 stolze Fricktaler zählt. (az)

Aargauer Zeitung

«Dort kommen ausschliesslich technische Adressen vor», sagt Zumsteg. Auch Feldschlösschen habe bislang nur gute Erfahrungen ohne Internet-Einschränkungen gemacht. Markus Werner, Chef der Feldschlösschen-Unternehmenskommunikation, ist auch der Meinung, dass in Grossraumbüros - wie es Feldschlösschen hat - mit der «sozialen Kontrolle» Facebook-User mit vielen Klicks schnell ermittelt wären. Werner bestätigt auch, dass Feldschlösschen regelmässige Stichproben des Internet-Konsums durchführt, die dann zu allgemeinen Statistiken verwendet würden.

Beat Zumsteg haltet von Facebook nicht viel und empfindet ein Benutzerkonto als «unnötig». Doch weshalb ist denn Facebook so erfolgreich? Denn erst vor kurzem hat die Plattform bekannt gegeben, dass die Marke von 200 Millionen Nutzern geknackt wurde. Davon seien 130 Millionen Profile aktiv. Zumsteg: «Ich weiss es nicht, aber viele Benutzer tendieren zu Selbstdarstellern.» Auch der «Erreichbarkeitswahn» habe bei vielen einen gewichtigen Faktor: «Viele können einfach nicht mehr unerreichbar sein.»