Die Freiwilligen-Kultur am Ende?

Trübe Aussichten: Fallen die Bemühungen weg, kulturelle Anlässe für Reinach durchzuführen, büsst die Grossgemeinde ein Stück ihres Charakters ein. (Nicole Nars-Zimmer / Archiv)

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Trübe Aussichten: Fallen die Bemühungen weg, kulturelle Anlässe für Reinach durchzuführen, büsst die Grossgemeinde ein Stück ihres Charakters ein. (Nicole Nars-Zimmer / Archiv)

Mangels Freiwilligen stehen grosse und zahlreiche Kulturevents von Reinach auf der Kippe. Gelingt es nicht, den Vorstand von «Kultur in Reinach» zu ersetzen, soll der Verein aufgelöst werden.

Bea Asper

Ausstellungen, Sinfoniekonzerte, Puppentheater, Galeriennacht . . . «Alle diese kulturellen Veranstaltungen wären in Reinach nicht möglich, gäbe es ‹Kultur in Reinach› nicht», gibt der Gemeinderat von Reinach zu bedenken. Seit etlichen Jahren organisiere der Verein in den Bereichen Musik, Literatur und bildende Kunst ein vielfältiges Programm. «Der Eintritt ist dank des Subventionsvertrags mit der Gemeinde und den Mitglieder- und Gönnerbeiträgen meist frei», führt die Informationsbeauftragte der Gemeinde, Barbara Hauser, aus. Gratis sei auch die Arbeit, welche die Mitglieder des Vorstands leisten. «Sie engagieren sich ehrenamtlich für den Verein, planen das Programm, organisieren die Projekte, machen Werbung für die Veranstaltungen, führen die Rechnung und die Administration und organisieren die Mitgliederversammlung.» Doch jetzt mögen oder können sie nicht mehr. Bereits seit Jahren suchen sie Ersatzkräfte, engagierte Freiwillige - doch ohne Erfolg. Nun wird ein jähes Ende nicht mehr ausgeschlossen. Alle bisherigen Vorstandsmitglieder, die zum Teil seit Jahren für den Verein arbeiten, haben auf Ende Jahr ihren Rücktritt eingereicht (vergleiche bz vom Mittwoch). «Es kann nicht sein, dass immer die Gleichen die ganze Arbeit übernehmen. Jetzt sind andere dran», konstatiert Präsidentin Prisca Roth.

Hoffnung auf neue Vorstandsmitglieder

Sollte es niemanden geben, der diese Aufgabe übernehmen will, dann brauche es offenbar den Verein «Kultur in Reinach» nicht mehr. «Sollten bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Frühjahr 2010 neue Vorstandsmitglieder gewonnen und die Schlüsselfunktionen des Präsidiums, des Kassiers und des Kompetenzbereichs der bildenden Kunst besetzt werden können, wird der Verein seine aktive Tätigkeit ab dem zweiten Semester wieder aufnehmen. Falls dies nicht der Fall ist, werden wir an der Mitgliederversammlung die Auflösung des Vereins beantragen», sagt Roth.

Für Paul Wenger, den Kulturchef der Gemeinde Reinach, ist noch lange nicht aller Tage Abend. «Wir werden eine Lösung finden», ist er überzeugt. «Wenn nicht in der heutigen Form, dann mit einer Alternativlösung.» Der geschlossene Rücktritt des Vereinsvorstandes bedeute nicht das Ende für Kultur-Veranstaltungen in Reinach. Schliesslich könnten Engagierte auf die finanzielle und aktive Unterstützung der Gemeinde zählen.

Nach Ansicht von Roth wird es kaum ohne strukturelle Anpassung gehen. «Einen Verein mit rein ehrenamtlichen Funktionen mit der Organisation von Kulturevents zu beauftragen, ist nicht mehr mit den heutigen Anforderungen solcher Veranstaltungen vereinbar.»
Ein sehr aktives Jahr 2008

Veranstaltungen wie das Jazz-Weekend in Reinach, die Galerien-Nacht oder die Portes Ouvertes würden eine Professionalität und einen Zeitaufwand verlangen, die weit über ein übliches Engagement in einem Verein hinausgehen. «Wir sind an einem Punkt angelangt, bei dem es schwierig ist, in ehrenamtlicher Arbeit die erforderliche Zeit aufbringen zu können. Nehmen wir das Jahr 2008: Mit rund 25 angebotenen Veranstaltungen, darunter grosse Projekte wie die Organisation des Jazz-Weekends, die Teilnahme und Mitorganisation der Galerien-Nacht sowie die Durchführung der 1. Reinacher Auktion haben wir ein sehr aktives Jahr hinter uns», gibt Roth zu bedenken.

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