Die französischen Winzer schäumen

In den USA darf aufgrund einer Gesetzeslücke Schaumwein aus heimischer Produktion als Champagner verkauft werden.

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Die französischen Winzer schäumen

Die französischen Winzer schäumen

Renzo Ruf, Washington

Natürlich sticht der Unterschied im Preis ins Auge: Der Champagner aus Kalifornien ist klar billiger als die Konkurrenz aus Frankreich. Die Flasche des California Champagne der Marke Korbel kostet im Supermarkt im Washingtoner Vorort 15 Franken, und damit dreimal weniger als einige Produkte aus Frankreich. «Und er schmeckt ebenso gut wie das Original», sagt die freundliche Verkäuferin im lokalen Trader Joe’s.

US-Champagner hat Tradition

Die französischen Weinbauern widersprechen allerdings. Sie finden, dass der frechen Konkurrenz aus den USA, die mit der geschützten Herkunftsbezeichnung Champagner hausieren geht, ein Riegel geschoben werden sollte. Pünktlich zu Weihnachten und Silvester hat das Comité Interprofessionnel du vin de Champagne (CIVC) daher in den USA eine Werbekampagne gestartet.

In den USA beisst die CIVC auf Granit. So ist in jedem
gut sortierten Getränkeladen in Washington California Champagne der Marke Korbel erhältlich. Korbel kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. 1882 von zwei Brüdern aus dem heutigen Tschechien nördlich von San Francisco gegründet, hat sich Korbel zum zwölftgrössten Weingut der USA emporgearbeitet. Und das, ohne ein Gesetz zu verletzen. Zwar haben auch die USA im Herbst 2005 ein Abkommen mit der EU unterschrieben, das die Verwendung von geschützten Herkunftsbezeichnungen wie Champagner oder Burgunder für amerikanische Produkte verbietet. Da die EU nach 20 Jahren am Verhandlungstisch aber unbedingt einen Vertrag abschliessen wollte, willigte sie in einen Kompromiss ein. Demnach darf US-Champagner, der bereits vor Vertragsabschluss erhältlich war, im Inland weiter unter der geschützten Bezeichnung vertrieben werden.

Lobbyarbeit auf allen Ebenen

Die französischen Weinbauern aber haben die Flinte noch nicht ins Korn geworfen. Das Ziel der Franzosen: eine Nachbesserung des Abkommens mit der EU, angeblich, um die hart arbeitenden Amerikaner vor einer Enttäuschung zu bewahren, wenn sie versehentlich kalifornischen Champagner kaufen. Dazu ist das CIVC sogar eine Allianz mit amerikanischen und australischen Winzern eingegangen – Leuten also, denen die Franzosen noch vor kurzem die Fähigkeit absprachen, überhaupt Wein produzieren zu können.

Unter dem Schlagwort «Die Wahrheit enthüllen» haben 13 Regionen in Europa, Amerika und Ozeanien eine Online-Petition gestartet. Tausende Weinkenner sollen mit ihrem Namen im Internet schon bezeugt haben, dass in der Tat ein Unterschied zwischen dem echten und dem «unechten» Champagner bestehe. Und sei es nur im Preis.