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Die Feuerwehr kann in Rheinfelden im Ernstfall nicht alle Tiefgaragendecken befahren

Roberstenstrasse Über der Tiefgarage hübsche Grünanlagen, Feuerwehrzufahrt unmöglich. ach

Feuerwehr, Rheinfelden

Roberstenstrasse Über der Tiefgarage hübsche Grünanlagen, Feuerwehrzufahrt unmöglich. ach

In neu entstandenen Rheinfelder Wohnquartieren darf es nicht brennen. Direkte Zufahrten für tonnenschwere Feuerwehrfahrzeuge, speziell, was Innenhöfe anbelangt, gibt es in den wenigsten Fällen. Mehr noch: Manche Decken von Tiefgaragen sind nicht befahrbar.

Peter Rombach

In Architektenkreisen herrscht mehrheitlich die Meinung vor, sämtliche Sicherheitsvorschriften beim Bau der Tiefgaragen eingehalten zu haben. Sie liegen meistens inmitten der Überbauungen, mit hübsch begrüntem Dach und zentraler Einfahrt. Da beginnt aber schon die Problematik.

Sollte es mal in einer unterirdischen Autoeinstellhalle brennen, können nur Atemschutztrupps unter hohem persönlichem Risiko vordringen. Sofern der Rauch nicht die Sicht behindert. Also müssen erst einmal Lüfter eingesetzt werden, die sich beispielsweise im Tanklöschfahrzeug wie in der Autodrehleiter befinden. Pech, wenn der Rauch über Lüftungen in oben gelegene Innenhöfe abzieht und Wohnungsfenster geöffnet sind. Sollten Menschenrettungen aus oberen Stockwerken notwendig werden, kann aber mancherorts die Drehleiter nicht optimal in Stellung gebracht werden.

Tiefgaragendecken zu schwach
Nach AZ-Informationen sind Betondecken von Tiefgaragen meistens nur für eine Tragfähigkeit von 3 bis 4 Tonnen ausgelegt. Moderne Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr hingegen bringen es locker auf 10 bis 16 Tonnen. Die neuen Überbauungen im Weiherfeld oder auf dem ehemaligen Viscose-Areal an der Roberstenstrasse zeichnen sich durch attraktive, liebevoll gestaltete Innenhöfe aus, aber Feuerwehrautos können dort nicht nahe genug an die Gebäude heranfahren.

Weil die «Punktbelastung» auf Tiefgaragendecken zu hoch wäre und ein Dacheinbruch die schlimme Folge sein könnte. Schnelles, wirkungsvolles Helfen ist mitunter nicht leicht. Im Hopfen- und Gerstenpark existieren so genannte «Einsatzachsen», um an die Gebäude zu kommen.
Der Rheinfelder Architekt Rudolf Vogel verweist auf «jede Menge Vorschriften» für den Bau von Tiefgaragen. Sie reichten vom Brandwiderstadt über Lüftung und Beleuchtung bis hin zu Fluchtwegen. Oft bestehe keine Notwendigkeit, zu massive Decken zu bauen. «Die Tragfähigkeit wird für jedes Objekt einzeln geprüft.»

Dialog mit der Feuerwehr
Die Rheinfelder Feuerwehr weiss den Dialog mit Architekten zu schätzen. Ihr Kommandant Rainer Porschien bestätigt, er habe schon oft wertvolle Anregungen und Sicherheitsaspekte an Planer weitergeben können. Allerdings kennt er auch eine gewisse Problematik: «Manche Innenhöfe sind für unsere schweren Fahrzeuge tabu.» Vorgaben der Gebäudeversicherung würden zwar erfüllt, aber aus den praktischen Erfahrungen von Einsatzkräften der Feuerwehr könnten manche Architekten profitieren.

«Im Ernstfall spielt für uns halt der Faktor Zeit die entscheidende Rolle», unterstreicht Kommandant Porschien. Da sei es in der Tat mitunter wichtig, möglichst nahe an ein Brandobjekt heranzukommen. Verschiedentlich gebe es in neuen Überbauungen auch Schwierigkeiten mit den Fahrradien, meint der Kommandant und spricht besonders die lange Drehleiter an. «Es ist schon wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, welche Bereiche in einem Quartier für die Feuerwehr frei zu halten sind.»

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