Die Familien stützen die Geiseln

Max Göldi (54) und Rachid Hamdani (68): Das Schicksal der beiden Schweizer Geiseln bewegt das Land. Die grösste Unterstützung für die Geiseln sind aber ihre Familien.

Jessica Pfister

Gestern kurz nach 14 Uhr war Rachid Hamdanis Ehefrau noch zu Hause in der Nähe von Nyon im Waadtland. Zur Meldung, dass ein Bundesratsjet auf dem Weg nach Tripolis sei, reagierte sie zurückhaltend: «Ich bin zwar froh, dass jetzt Bewegung in die Situation kommt», sagte sie der MZ am Telefon. Dennoch wisse sie nicht mehr, als in den Medien kommuniziert werde. Also auch nicht, ob sie am Abend am Flughafen Bern Belp stehen und ihren Mann in die Arme schliessen werde. «Ich kann nur abwarten, hoffe aber, dass der Albtraum der letzten 13 Monate endlich ein Ende hat.» Offenbar ist der 68-jährige schweizerisch-tunesische Doppelbürger Hamdani nach über einem Jahr auf der Schweizer Botschaft in Tripolis psychisch stark angeschlagen.

Enkel noch nie gesehen

Dies sagte der Genfer SVP-Politiker Stéphane Valente, der mit Hamdanis Leidgenossen Max Göldi in regelmässigem Mail-Kontakt stand. Besonders gelitten habe Hamdani, der bei einer Schweizer Firma in Tripolis arbeitete, dass er seine zwei Enkel, die während seiner Gefangenschaft geboren wurde, noch nie hat sehen können. «Wie es den Geiseln heute geht, weiss ich allerdings nicht», sagte Valente gestern auf Anfrage der MZ. Er habe die letzten drei Tage keinen Mail-Kontakt mehr gehabt.

Anders der Industriekonzern ABB, für den der Berner Max Göldi seit eineinhalb Jahren in Libyen als Geschäftsführer tätig war. Dort konnte man gestern Vormittag noch mit dem 54-Jährigen sprechen: «Er hat ein hartes Jahr hinter sich, aber es geht ihm den Umständen entsprechend gut», sagt Firmensprecher Thomas Schmidt der MZ.

Zum genauen Inhalt des Gesprächs dürfe die ABB keine Stellung nehmen. Welche Funktion der langjährige ABB-Mitarbeiter nach seiner Rückkehr bei der ABB übernehmen wird, sei noch offen: «Er wird sicher erst mal eine Ruhepause brauchen», so Schmidt. Dabei kann er sicher auf die Unterstützung seiner Frau und seiner Familie zählen.

«Freiheit für meinen Bruder Max»

Gerade seine zwei Brüder Moritz und Christian setzten sich in den letzten Monaten stark für ihn ein. So nahm Christian Göldi im April an einer Demonstration für die Freilassung seines Bruders in Genf teil. Mit beiden Händen umklammert er eine Karten mit der Aufschrift «Freiheit für meinen Bruder Max».

Der andere Bruder, Treuhänder Moritz Göldi, sagte am Wochenende gegenüber dem «Sonntag»: «Wir hoffen nun alle sehr, dass er nach Hause kommen kann.» Das tut auch Mutter Margrith Göldi. Die 78-Jährige, die im Aargau lebt, hat ihren Sohn das letzte Mal im Juli 2008 gesehen.

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