Die ersten Wolkenkratzer jubilieren

15 Stockwerke: In den ersten 15-stöckigen Wohnturm an der Rheinparkstrasse 1 zogen bereits 1958 Mieter ein. Die zwei anderen Türme waren 1959 und 1960 bezugsbereit. (Kenneth Nars)

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15 Stockwerke: In den ersten 15-stöckigen Wohnturm an der Rheinparkstrasse 1 zogen bereits 1958 Mieter ein. Die zwei anderen Türme waren 1959 und 1960 bezugsbereit. (Kenneth Nars)

Die Mieter der drei Wohnhäuser an der Rheinparkstrasse blicken dieses Wochenende bei einem Grillplausch auf die bewegte Geschichte ihrer Wohntürme zurück.

Rolf Zenklusen

Die Mieter der Rheinpark-Hochhäuser in Birsfelden feiern am Samstag einen ganz speziellen Geburtstag. Die drei Häuser haben dieses Jahr zusammengezählt genau 150 Jahre auf dem Buckel. Der Wohnturm an der Rheinparkstrasse 1 war 1958 bezugsbereit, im Abstand von einem Jahr folgten seine beiden Nachbarn an der Adresse Rheinparkstrasse 3 (1959) und Rheinparkstrasse 5 (1960). Es waren die ersten Hochhäuser im Baselbiet, wie ein Ausschnitt aus einer alten Zeitung zeigt. Leider kann nicht eruiert werden, um welche Zeitung es sich handelt und wann sie erschien.

Klar ist aber, dass die Architektengemeinschaft J. Gass, W. Boos und W. Zimmer für die damalige Zeit weitsichtige Pläne entworfen hat. Um die Umgebung der 15-stöckigen Häuser, die heute der Basellandschaftlichen Pensionskasse gehören, nicht mit Parkplätzen zu verschandeln, planten die Architekten eine unterirdische Einstellhalle. «Das Bestreben der Architekten geht dahin, die schöne Rheinuferlandschaft für die Öffentlichkeit zu erhalten», steht im alten Zeitungsartikel. Erwähnt werden dort auch die damaligen Mietpreise. Pro Monat kostete eine Einzimmerwohnung zwischen 125 und 145 Franken; eine Fünfzimmerwohnung war für 310 bis 340 Franken zu haben.

Mieter zeigten sich kämpferisch

Mitte der sechziger Jahre wollte der Hauseigentümer die Wohnungen in Eigentum umwandeln und verkaufen. Die Mieterinnen und Mieter befürchteten, ihr Zuhause zu verlieren, stiegen auf die Barrikaden und gründeten 1967 die Interessengemeinschaft (IG) Rheinpark. Aufgrund des Widerstands hat der Eigentümer bald darauf seine Pläne wieder begraben. Bei einer kleinen Sanierung sei es 1988 erneut zu einem Streit zwischen den Mietern und den Eigentümern gekommen, erinnert sich Heidi Fritz, die seit 1966 an der Rheinparkstrasse 5 im zwölften Stock wohnt. «Dann wurde die IG wieder aktiviert», erzählt sie.

1994 wurde in den Rheinpark-Hochhäusern sogar «ein Mietstreit von nationaler Bedeutung» vom Zaun gerissen, wie es der Mieterverband bezeichnete. Die Hauseigentümer wollte zwischen 60 und 70 Prozent der Kosten einer grossen Sanierung auf die Mieter überwälzen und die Zinse massiv erhöhen. Es folgte ein vierjähriger Streit inklusive Anrufung der Schlichtungsstelle für Mietangelegenheiten und des Bezirksgerichts Arlesheim, bis im Oktober 1998 die bz vermelden konnte: «Rheinpark: Einigung unterschriftsreif». Konkret wurden den Mieter nur noch 40 bis 55 Prozent der Sanierungskosten auf den Zins geschlagen.

Mit der Zeit habe die IG Rheinpark nicht nur einen kämpferischen, sondern auch einen geselligen Charakter erhalten, sagt Heidi Fritz, die im Vorstand der IG mitarbeitet. Ernster wurde es wieder im Herbst 2006, als den Mietern mitgeteilt wurde, sie müssten ab sofort neue, höhere Nebenkosten berappen. Wieder wurde die IG eingeschaltet, und zwei Drittel der Mieter haben die höheren Nebenkosten bei der Schlichtungsstelle angefochten. «Wir bekamen Recht», erzählt Fritz.

Lieber als ein Haus im Grünen

Die höheren Nebenkosten mussten nicht bezahlt werden. Und beim Verfahren hatte sich gezeigt, dass vielen Mietern über Jahre hinweg zu hohe Nebenkosten verrechnet worden waren. Die Mieter konnten das Geld zurückfordern.

Der Kontakt unter den Mietern in den Hochhäusern sei stets gut gewesen, berichtet Fritz. Ihre Familie habe vor vielen Jahren mal mit dem Gedanken gespielt, ein Haus im Grünen zu kaufen. «Doch vor allem unsere Kinder wollten nicht weg. Wir sind einfach viel zu stark verankert hier.»

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