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«Die einmalige Breite des Angebots macht das Spital Affoltern stark»

Stephan Bachmann, Nachfolger von Ruedi Wegmann, ist seit drei Monaten Spitalchef in Affoltern. (Bild Werner Schneiter)

Stephan Bachmann

Stephan Bachmann, Nachfolger von Ruedi Wegmann, ist seit drei Monaten Spitalchef in Affoltern. (Bild Werner Schneiter)

«Die Breite des Angebots macht das Spital Affoltern stark. Das müssen wir bewahren», sagt Stephan Bachmann, der seit knapp 100 Tagen Leiter ist. Dass Affoltern in Zeiten der Spezialisierung kantonsweit ein Ausnahmemodell ist, kommt auch im neuen Organigramm zum Ausdruck.

Von Werner Schneiter

Ab 1. Februar 2010 gilt am Spital Affoltern ein neues Organigramm. Der Spitalleiter heisst Direktor. Wichtiger ist aber, dass mit Dr. Danielle Schreiber und Dr. Tim Klose die Chefärztin der Frauenklinik und der Chefarzt der Psychiatrie neu Mitglieder der nun elfköpfigen Spitalleitung sind. Sämtliche Chefärzte sind nun Mitglieder der Spitalleitung. Ärztlicher Leiter ist weiterhin Dr. Christian Hess.

Dazu gibt es eine «Spitalkonferenz», die zuvor «erweiterte Spitalleitung» hiess. Zur Spitalleitung gesellen sich dabei neun Funktionen/Personen, die sich viermal jährlich zu einer Sitzung treffen. Die neue Organisation nennt Stephan Bachmann auch ein Kommunikationsmittel. «Wir können damit die ganze Breite unseres Angebots zeigen - genau das müssen wir bewahren, denn diese ganzheitliche Behandlung und Betreuung auf der Basis des Modells Affoltern macht unser Spital stark. Sie ist einmalig im Kanton Zürich», sagt der Direktor. Er ist Nachfolger von Ruedi Wegmann, der jetzt für den Bau- und Investitionsbereich zuständig ist.

Und er sagt es natürlich auch vor dem Hintergrund der auf 2012 von der Gesundheitsdirektion angekündigten Spitalliste, die in Sachen Spitalfinanzierung «einen Jahrhundertwechsel» mit sich bringt. Von zentraler Bedeutung ist eine schweizweite Neuerung: die diagnosebezogenen Fallkosten im Akutbereich. Danach wird ein Spital nicht mehr nach Aufwand finanziert, sondern pro Fall. Das erhöht den Kostendruck weiter und zwingt die Spitäler, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patienten weiter zu senken.

So wird zwischen «Kurzliegern» (ein bis drei Tage), «Mittellieger» (4 bis 15 Tage) und «Langlieger» (mehr als zwei Wochen) unterschieden. Es ist klar, dass der Druck im Bereich der «Langlieger» liegt, denn die bringen effektiv weniger Geld. Ergo will man diese schneller aus dem Akutbereich haben und sie vermehrt in den Langzeitpflegebereich «verschieben». Es wird künftig in der Langzeitpflege zwischen Akutpflege, Übergangspflege und Langzeitpflege unterschieden. Doch gerade in der Akut- und Übergangspflege im Langzeitbereich fehlt es im Kanton Zürich an Plätzen. Affoltern ist da besser dran, vor allem auch, weil die Langzeitpflege integriert ist. «So können wir flexibler reagieren», fügt Stephan Bachmann bei. Ab 1. Januar 2011 gilt voraussichtlich die neue Pflegefinanzierung, das heisst, die Gemeinden übernehmen die Kosten der öffentlichen Hand in der Lanzeitpflege. «Die werden sich natürlich wehren und danach trachten, dass möglichst viele im Akutbereich bleiben», so Bachmann. Offen ist auch die künftige Finanzierung der Frauenklinik; heute werden die Kostenanteile der öffentlichen Hand voll von den Ämtler Gemeinden getragen. Ab 2012 vom Kanton?

Spitalliste: Gute Argumente

Für den Direktor ist die Breite des Angebots gerade mit Blick auf die Spitalliste 2012 wichtig. Sie macht in Affoltern die Qualität aus. Und sie fusst neben der Medizin, Chirurgie und Frauenklinik (knapp 400 Geburten pro Jahr!) auch auf den «Nischenangeboten» wie Mutter-und-Kind-Abteilung, und Palliativstation, wo Plätze kantonsweit rar sind. Dazu gehört auch die Psychotherapieabteilung, welche einen wichtigen Stellenwert im Behandlungsangebot einnimmt. Zudem ist der Psychiatrie-Stützpunkt als Versorgungsangebot im Bezirk - als einziger im Kanton Zürich - integriert in einem Akutspital. Vor diesem Hintergrund und der von Stephan Bachmann benannten Tatsache, dass die Region voll hinter dem Spital Affoltern steht, halten sich die Bedenken, von der Spitalliste gestrichen zu werden, in Grenzen. «Der Fokus der Gesundheitsdirektion (GD) ist ein anderer als bei der Spitalliste von 1998, als neun Spitäler schliessen mussten. Diesmal geht es um eine Straffung und Neuaufteilung des Angebots», sagt Direktor Bachmann. Möglich ist für ihn, dass es in Affoltern bei der Festsetzung der Spitalliste 2012 einzelne Bereiche treffen wird, zum Beispiel bei der Chirurgie allenfalls leichte Abstriche gemacht werden müssen.

Mitte Februar wird sich die Spitalleitung ausführlich mit dem Versorgungsbericht der Gesundheitsdirektion befassen und den Gemeinden die Vernehmlassungsantwort zur Unterstützung ihrer Antwort an die GD zukommen lassen.

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