Girlsdays
Die eigenen Stärken entdecken

Ein dreistündiger Selbstverteidigungskurs an den «girlsdays» im Schulhaus Steinmürli in Dietikon zeigte den jungen Teilnehmerinnen wirkungsvolle Schlagtechniken.

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Selina Bruderer

Die 12-jährige Vanessa hebt ihre geballte Faust über den Kopf und lässt sie dann mit voller Wucht auf ein Holzbrettchen niedersausen. Mit einem Knall wird das Holz entzweigespalten. «Es hat ganz viel mit dem Kopf zu tun, ob ihr das Brettchen entzweischlagen könnt», erklärte Trainerin Silvia Bren vor der Übung. Eines der Mädchen ermuntert sie vor dem Schlag noch einmal: «Glaub an dich.» Schliesslich sitzen alle Teilnehmerinnen im Kreis und untersuchen sichtlich stolz die beiden Teile ihres Holzbrettchens. «Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich geschlagen hatte. Plötzlich war das Brettchen auseinander», erzählt die 14- jährige Melanie und lacht.

Selbstvertrauen aufbauen

Genug stark zuzuschlagen, um das Holz mit einem Schlag spalten zu können, haben die Mädchen in den Übungen zuvor gelernt. Am Anfang zielten sie mit ihren Schlägen noch auf einen imaginären Gegner in der Mitte des Kreises, dann konnten sie ihre Kraft an einem echten Gegner ausprobieren: einem Schlagkissen, das von einem der anderen Mädchen gehalten wurde.

Zuerst noch etwas zaghaft, schlussendlich aber so stark, dass ihre Partnerinnen sich anstrengen mussten, das Schlagkissen überhaupt noch halten zu können, schlugen sie auf das Kissen ein. «Am spannendsten ist es für mich, zu sehen, wie sich die Mädchen im Laufe des Trainings verändern. Denn auch in nur drei Stunden kann man einiges machen», betont Bren. Sie hofft, den Teilnehmerinnen mehr Selbstvertrauen und Mut mitgeben zu können.

Von Frauen geleitet

Das Selbstvertrauen von jungen Mädchen zu stärken, ist denn auch eines der Hauptanliegen der «girlsdays». «Die Mädchen sollen die Chance erhalten, ihre eigene Stärke zu entdecken. Sie sollen sehen, dass sie mit ihren Wünschen und Bedürfnissen ernst genommen werden», erklärt Jana Kubr, die Organisatorin der «girlsdays».

Dazu stehen im April während zwei Wochen vielfältige Aktivitäten zur Auswahl: Bauchtanz, Hip-Hop, schminken, klettern und Schmuck basteln sind ebenso im Angebot wie Gespräche über das Thema Sexualität oder das Drucken eines eigenen T-Shirts zusammen mit einer Künstlerin. Der Organisatorin ist es wichtig, dass alle Aktivitäten von Frauen geleitet werden. «Die Kursleiterinnen erzählen auch von ihrem eigenen Lebensweg. So können sie Vorbilder für die Mädchen sein», sagt Kubr.

Wut rauslassen

Den Selbstverteidigungskurs hat sich Vanessa aus einem ganz bestimmten Grund ausgesucht: «Ich bin etwas ängstlich und wollte darum lernen mich zu wehren», erklärt die 12-Jährige und fügt hinzu, dass sie das Training lustig findet. «Es macht total Spass», bestätigt auch Linda und meint lachend: «Man kann auch etwas Wut rauslassen.» Obwohl die meisten Teilnehmerinnen sich noch nie mit Schlägen verteidigen mussten, sind sie sich einig, dass der Selbstverteidigungskurs sinnvoll ist. «Denn man weiss ja nie», sagt Melanie und übt weiter, wie sie sich befreien kann, wenn sie auf den Boden gedrückt wird.