Fabian Muster

Das lässt aufhorchen: Rund 80 Prozent von 323 befragten Balsthalerinnen und Balsthalern würden eine Renaturierung respektive eine Umgestaltung der Dünnern unterstützen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), die an vier Beispielen in der Schweiz den Mehrwert von naturnahen Wasserläufen untersucht hat (siehe Kasten rechts). Dabei einbezogen wird auch die Erschliessung des Gewässers für den Langsamverkehr wie zum Beispiel Fussgänger, Velofahrer oder Inline-Skater. Zusätzlich wurde geschätzt, wie viel die befragten Personen bereit wären, für die naturnähere Gestaltung des Gewässers zu zahlen.

Hohes Potenzial geortet

Ausgewählt für die Studie wurde ein rund zwei Kilometer langer Streckenabschnitt der Dünnern. Er beginnt ausgangs Laupersdorf bei der Industrie Ost und geht bis zur Einmündung des Augstbaches in die Dünnern in Klus-Balsthal. Dieser Teil zeichnet sich durch eine «starke ökomorphologische Beeinträchtigung» aus, wie es in der Studie heisst. Mit anderen Worten: Die Dünnern ist begradigt, verbaut, und es gibt keinen Weg entlang des Ufers. Dieser Teil wird daher heute nicht als Naherholungsgebiet genutzt und «hat ein hohes Revitalisierungspotenzial». Dazu kommt, dass eine allfällige Erschliessung mit Wegen «optimal ins vorhandene Wanderroutennetz integriert werden könnte». Eine direkte Verbindung von Laupersdorf nach Balsthal mit Wanderwegen würde dadurch geschaffen, heisst es in der Studie.

Der Fragebogen bot acht verschiedene Varianten mit einer naturnäheren Gestaltung zur Auswahl an. Vier Faktoren wurden dabei berücksichtigt: Gewässergestaltung, Zugang zum Gewässer, die Länge der Renaturierung (nur 1 oder 2 Kilometer) und die Steuerrechnung. Mit dem letzten Faktor wird geschätzt, wie viel die Befragten im Durchschnitt bereit sind, an die Renaturierung finanziell etwa durch höhere Steuern beizutragen.

Die Dünnern naturnah

Bei der Gewässergestaltung ziehen die Balsthaler keine von zwei Gestaltungsvarianten vor. Es scheint ihnen primär daran gelegen zu sein, dass überhaupt eine Renaturierung durchgeführt wird. Die zwei Gestaltungsvarianten würden etwa so aussehen: Bei einer etwas naturnäheren Flusslandschaft wird das Ufer abgeflacht, die Bepflanzung vielfältiger und standortgerechter gestaltet. Ökologisch und ästhetisch wertvolle Elemente wie grosses Steine, Kiesflächen werden im Bachbett angelegt. Die Artenvielfalt nimmt dadurch leicht zu. Bei einer «deutlich naturnäheren» Flusslandschaft würde die Dünnern zusätzlich auf jeder Seite fünf bis zehn Meter mehr Raum erhalten, sodass der Fluss mehr Kurven hätte und sich durch die Landschaft mäandrieren könnte. Bei «Zugang zum Gewässer» wird die Variante mit Wegen entlang des Ufers, aber ohne direkten Zugang zum Wasser am meisten bevorzugt.

Zweitrangig erwünscht sind zusätzlich in regelmässigen Abständen Stellen, wo man direkt auf Wegen ans Wasser gehen kann. Auf den dritten Platz fiel die Variante mit Wegen ans Wasser und zusätzlicher Infrastruktur wie Sitzbänke, Feuerstellen und Informationsstellen. Erwünscht wird aber in jedem Fall eine Veränderung des bisherigen Zustandes, bei dem es weder Uferwege noch einen direkten Zugang zum Gewässer gibt. Beim dritten Faktor bezüglich Länge des renaturierten Abschnitts hätte man lieber zwei statt nur einen Kilometer.

Bis 331 Franken pro Jahr

Beim vierten Faktor Steuern sind die Balsthaler bereit, pro Jahr und Person je nach Variante zwischen 275 bis 331 Franken auszugeben - vorausgesetzt, die Variante beinhaltet eine Erschliessung mit Uferwegen (vergleiche Text links). Dies sind die höchsten Beträge aller vier untersuchten Fälle. Die Studie erklärt dies dadurch, weil die Dünnern der einzige Fluss ist, an dem es bisher noch gar keine Uferwege gibt. Bei den anderen drei Beispielen sind solche bereits vorhanden.

Hochgerechnet auf die Steuerbelastung für zehn Jahre, ergibt dies für die Renaturierung des genannten Streckenabschnitts der Dünnern ein geschätztes Investitionsvolumen zwischen 12 und 14,5 Mio. Franken. Dieser Betrag sollte aber nicht als finanzielle Deckung für ein mögliches Projekt interpretiert werden, so die Studie. Die Zahlungsbereitschaft könne nämlich in wirklichen Entscheidungen niedriger ausfallen als im hypothetischen Rahmen. Trotzdem könne eine Steuererhöhung bei der Bevölkerung Akzeptanz finden, heisst es weiter.

Info Die Studie ist abrufbar unter www.bafu.admin.ch/uw-0912-d.