Dragoner-Springen
Die Dragoner wagten das Comeback

Im Freiamt fand erstmals seit 1975 wieder ein Dragoner-Springen auf dem Horben ob Muri vor einmaliger Kulisse statt.

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Aargauer Zeitung

Samuel Schumacher

1972 löste die Schweiz trotz grossem Widerstand aus der Bevölkerung als letztes Land in Europa die berittenen Verbände auf. Die Dragoner wurden den motorisierten Truppen zugeteilt, um in den neu angeschafften Schützenpanzern als Chauffeure zu dienen. Der Tradition der hiesigen Dragoner konnte dies jedoch keinen Abriss tun.

Der Kavallerieverein Freiamt führte auf dem Horben ob Muri bis 1975 Dragoner-Springkonkurrenzen durch. Um die «Rösseler-Atmosphäre» vor der einmaligen Kulisse noch einmal aufleben zu lassen, hat sich eine kleine Gruppe ehemaliger Dragoner dazu entschieden, heuer das Comeback zu wagen und auf dem Horben erneut ein Dragoner-Springen zu veranstalten.

Championat und Oldtimer

Bei prächtigem Sommerwetter und vor grosser Zuschauerkulisse stiegen die vorwiegend aus der Zentralschweiz und dem Kanton Bern angereisten einstigen Kavalleristen auf dem Horben noch einmal in ihre traditionellen Uniformen. Hauptattraktion auf dem Horben war der Umzug «Einst und jetzt», der den Zuschauern eine breite Palette an landwirtschaftlichen Oldtimern präsentierte. Viele der einstigen Dragoner kommen selbst aus der Landwirtschaft. Die Kavalleriepferde - die so genannten Eidgenossen - wurden von den Dragonern auch ausserhalb der Militärzeit gepflegt und auf dem Hof eingesetzt. Pferdesport wie etwa das Spring-reiten war bis zur allgemeinen Motorisierung der Landwirtschaft eine unbedeutende Nebensache.

Heute ist das anders. Für die ehemaligen Dragoner sind sportliche Veranstaltungen wie das Dragoner-Springen auf dem Horben oftmals die einzigen Anlässe, an denen sie sich noch treffen und ihre alte Tradition aufleben lassen können. Der Wettkampf steht dabei aber keineswegs im Zentrum. Für die Dragoner kommen die Kameradschaft und die Faszination für Pferde an erster Stelle.

Kein Nachwuchs vorhanden

Heinz Koller und Meinrad Hufschmid sind beide ehemalige Kavalleristen der Schweizer Armee. «Wir haben unsere Rekrutenschule vor über 40 Jahren absolviert. Dank der lebendigen Tradition der Dragoner konnten wir die Kameradschaft bis heute aufrechterhalten. Sportlicher Ehrgeiz gehöre aber auch dazu. «Viele Ex-Dragoner sind auch nach der Auflösung der Kavallerie viel geritten und können heute in den Springdisziplinen durchaus mit zivilen Reitern mithalten», sagt Heinz Koller.

Der Versuch, die Dragoner-Tradition mit dem Springreiten auf dem Horben ins Freiamt zurückzuholen, ist geglückt. Gleichwohl wird die Tradition in naher Zukunft untergehen. Die Kavallerie gibt es nicht mehr, Nachwuchs ist keiner vorhanden. «Bis in zehn Jahren dürfte es vorbeisein mit den Dragoner-Spielen», sagt Heinz Koller. «Also geniessen wir sie jetzt!»

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