«Die ‹Connie› muss wieder fliegen»

Ausgerechnet jetzt: 100 Jahre Luftfahrt feiert die Schweiz, und ein Meilenstein der Lüfte muss am Boden bleiben. Der Meilemer Pilot Ernst Frei leidet mit seiner im Hangar stehenden Super Constellation.

Drucken
«Die ‹Connie› muss wieder fliegen»

«Die ‹Connie› muss wieder fliegen»

Limmattaler Zeitung

Christian Dietz-Saluz

Die Super Constellation ist für 2010 an den Boden gefesselt. Für ihren Meilemer Captain Ernst Frei ist es das zweite Grounding. 2001 musste er miterleben, wie seine Arbeitgeberin, die Swissair, finanziell gebodigt wurde. Nun muss der 63-jährige Frei wieder tatenlos zusehen. In diesem Sommer und Herbst begeht die Schweiz ihr Jubiläum «100 Jahre Luftfahrt». Einer der wichtigsten Zeitzeugen, die Super Constellation aus den frühen 50er-Jahren, kann ihren Hangar nicht verlassen.

Schon zu Weihnachten war den Verantwortlichen des Vereins Super Constellation Flyers Association (SCFA) klar, dass das weltweit grösste Passagierflugzeug mit Kolbenmotoren ein Ruhejahr wird einlegen müssen. Bei der turnusgemässen technischen Kontrolle wurden Korrosionsschäden entdeckt. «Gross waren das Entsetzen und die Frustration, als wir bei unserer Winterwartung aufgrund einer Anforderung des schweizerischen Luftfahrtamtes Bazl erstmals ein so genanntes Korrosionsprogramm zur Anwendung brachten und dabei auf sehr grosse Korrosionsschäden in beiden Flügeln stiessen», berichtet Frei.

Liebling aller Flugshows

Seit er die «Connie» vor sechs Jahren von Arizona nach Basel flog, eroberte der Flugzeug-Oldtimer die Herzen und Sympathien der Aviatik-Freunde. Die HB-RSC ist das letzte passagierflugtaugliche Exemplar eines Propellerflugzeugs, das vor sechs Jahrzehnten Flaggschiff jeder Luftlinie war, die eine Super Constellation besass. Sie war das, was heute der Airbus A380 darstellt. Wo immer sie am Himmel auftaucht, an jeder Flugshow ist sie heute der Star.

Tausende Menschen konnten in den letzten fünf Jahren mit dem viermotorigen Propellerflugzeug mitfliegen. Umso mehr blutet ihrem Meilemer Piloten nun das Herz. «Offenbar hatten die früheren Besitzer der ‹Connie› die Beplankungsbleche nie entfernt, um die Flügelstruktur zu untersuchen», vermutet er. Auch der spätere Einsatz als Sprühflugzeug in der Landwirtschaft über amerikanischen und karibischen Feldern habe der Flügelstruktur zugesetzt.

Der Spezialist sitzt in Einsiedeln

«Zuerst dachten wir ans Aufgeben, das Ende des sonoren Brummens am Schweizer Himmel schien gekommen zu sein», erzählt Ernst Frei. Das wahre Ausmass der notwendigen Reparaturen schien den Vorstand der SCFA zu lähmen. «Dann rappelten wir uns aber wieder auf, suchten nach Lösungen. Spezialisten mussten ran», sagt der Pilot, im Vorstand für den Flugbetrieb zuständig. Solche Schäden könnten nicht mehr durch Freiwillige in Fronarbeit behoben werden. Ausserdem schreibt
die Schweizer Luftfahrtbehörde vor, dass die Arbeiten von einem lizenzierten Flugzeugspengler vorzunehmen sind.

Den fand der Verein in der Person von Dominik Kälin in Einsiedeln. «Er machte uns nach wochenlangen Vorabklärungen und Treffen mit Bazl-Sachverständigen ein ausgezeichnetes Pauschal-Angebot und garantierte, dass die Maschine unter seiner Leitung bis am 31.Dezember fertig restauriert sein würde», so Frei. Dazu müssen nach der totalen Entfernung der Beplankung (Aufbohren Tausender Nieten) auf jeder Flügelseite mehr als acht Meter der Hinterholme herausgetrennt werden, die dann bei der Firma Pilatus in Stans auf einer Hightechmaschine zehntelmillimetergenau gescannt und nachher neu gefräst werden. Allein diese Präzisionsarbeiten dauern zirka drei Monate.

Wenn die neuen Holme eingepasst sind, muss in mühsamer Feinarbeit die gesamte Beplankung wieder aufgenietet werden. «Für den gesamten Reparaturprozess müssen zwischen 4000 und 5000Arbeitsstunden aufgewendet werden», rechnet Ernst Frei vor. Dazu kommen nochmals etwa 5000Stunden «normaler» Unterhaltsarbeiten, die von den freiwilligen Mechanikern des Vereins im Frondienst geleistet werden.

Die Kosten allein für die Korrosionsreparatur belaufen sich auf rund 400000Franken, ein Betrag, den der nicht gewinnorientierte Verein niemals selber aufbringen kann. Trotzdem hat der Vorstand kürzlich beschlossen, die Arbeiten ausführen zu lassen.

Es wurde ein Spendenaufruf an alle Mitglieder versandt. «Wir hoffen, mit diesem Bettelbrief ungefähr die Hälfte der Kosten decken zu können, die andere Hälfte versuche ich als temporärer Fundraiser mit einer weltweiten Spendenaktion sowie durch die Suche nach Mäzenen aufzutreiben», sagt Frei, der die «Connie» wieder aufsteigen lassen will, wie einst Phönix aus der Asche stieg. Und er verspricht: «Die ‹Connie› muss 2011 wieder über den Zürichsee fliegen.»

Aktuelle Nachrichten