Peter Rombach

Je mehr Araber das alkoholfreie Moussy trinken, desto höher steigt die Menge an Restalkohol, der nach dem Brauprozess dem Bier entzogen wird. Feldschlösschen gilt innerhalb des dänischen Carlsberg-Konzerns als Kompetenzzentrum für alkoholfreie Biere und liefert beispielsweise das Moussy ausschliesslich in Länder der arabischen Halbinsel.

Jährlich fallen rund 600 000 Liter Alkohol mit etwa 88 Volumenprozent an. In der Vergangenheit musste der «Stoff» an die Alco-Suisse, also die staatlich beauftragte Verwertungsgesellschaft für Alkohol, verkauft werden. Das erübrigt sich nun.

System vollautomatisch gesteuert

In einem komplizierten Verfahren wird bestimmten Biersorten der Alkohol entzogen, um ihn dann in einem geschlossenen, vollautomatisch gesteuerten System in die Kesselanlage zu schicken, wo die Techniker einen Brenner zur «thermischen Alkoholverwertung» umgerüstet hatten. «Wärmeproduktion durch Restalkohol ist effizient, wirtschaftlich und ökologisch», behauptet Thomas Janssen, bei Feldschlösschen Leiter Technik und Umwelt.

Nach einem Betriebsjahr liegen erste Erfahrungen und Erkenntnisse vor. Durch die Alkoholverbrennung kann Feldschlösschen seinen Erdgasverbrauch jährlich um etwa 375 000 Kubikmeter reduzieren. Technikchef Janssen: «Das entspricht etwa dem Jahreswärmebedarf von 262 Schweizer Haushalten oder gegen 11 Prozent der von der Brauerei benötigten Wärme.»

Es gibt noch einen anderen Aspekt: Durch die thermische Verwertung des Restalkohols ergeben sich verbesserte Abgaswerte der Kessel und die Bauerei reduziert ausserdem ihre Emissionen von CO2, Stickoxiden und Partikeln. Janssen geht davon aus, im ersten Betriebsjahr rund 750 Tonnen CO2 vermieden zu haben.

Transportrisiken minimiert

Mehr noch: Die neue Anlage reduziert auch den Aufwand für das Handling und die Aufbereitung des Alkohols. Bevor dieser aus der Produktion weiter vermarktet werden konnte, musste er aufbereitet und durch die Beimischung reinerer Qualitäten noch optimiert werden.

Der Wasseranteil von 12 Prozent erforderte eine zusätzliche energie-intensive Aufbereitung. Und weil sich Feldschlösschen für die Eigenverwertung des Alkohols entschieden hatte, liessen sich die Risiken des Umschlags und Transports in Bahnzisternen minimieren.

«Seit Jahren sind Energie-Effizienz und Umweltschutz integrierter Bestandteil der Unternehmenspolitik», betont Thomas Janssen. Die neue Anlage sei ein weiterer Beitrag dazu. Insofern habe man sich entschlossen, an dem Wettbewerb «Watt d'Or 2010» - in der Kategorie erneuerbare Energie - des Bundesamtes für Energie und Umwelt teilzunehmen.

«Die entsprechenden Dossiers wurden vor einigen Wochen abgegeben, eine Entscheidung liegt noch nicht vor», bestätigt Markus Werner, Leiter Unternehmenskommunikation bei Feldschlösschen. «Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen ist uns wichtig.»

Die Erhöhung der Energie-Effizienz bleibe ein Dauerthema, verdeutlicht übrigens das Dossier für die Wettbewerbsteilnahme. So seien auf freiwilliger Basis 2007 mit der Stiftung Klimarappen weitere Vereinbarungen über zusätzliche CO2-Reduktionen unterzeichnet worden.