Tourismus in Gstaad

Die bodenständige Tradition trotzt dem Tourismus

Hochkraxeln: Die grünen Hügel des Saanenlands lassen sich auf dem Mountainbike bestens erkunden.

Biker

Hochkraxeln: Die grünen Hügel des Saanenlands lassen sich auf dem Mountainbike bestens erkunden.

Gstaad ist vor allem wegen seiner reichen Touristen berühmt. Allerdings können hier auch normal verdienende Menschen Ferien machen. Ruhe finden jedenfalls alle.

Katharina Schwab

Das Saanenland und vor allem Gstaad leben vom Tourismus. In der autofreien Promenade, die geschmückt ist mit Brunnen, Blumen und Bänken zum Ausruhen, reihen sich Luxusgeschäfte aneinander. Von Cartier zu Hermés, von Audemars Piguet zu Chopard bis Le Caveau de Bacchus - die Preise für die Luxusartikel ragen beinahe so hoch hinauf, wie die Berge, welche das Tal einbetten.

Ist Gstaad demnach nur etwas für Gutbetuchte? Kerstin Sonnekalb, PR-Managerin von Gstaad, verneint. «Das ist das Image von Gstaad, aber auch normal verdienende Familien können sich hier Ferien gönnen.» Die Preis-Recherche bestätigt das. Für Ferien auf dem Bauernhof zahlt man inklusive Frühstück 50 Franken, Hotelzimmer gibt es ungefähr ab 70 Franken. Für die teuerste Suite im Fünfsternenhotel Gstaad Palace aber wird an den Wochenenden 9700 Franken pro Nacht verlangt.

Promis ohne Paparazzi

Solche Suiten werden auch von Prominenten gebucht: «Hier kann es schon mal vorkommen, dass einem auf der Strasse ein Promi begegnet», sagt Sonnekalb. Allerdings werde in Gstaad die Diskretion grossgeschrieben, und die Promis kämen her, «weil sie hier die Ruhe finden, die sie suchen - ohne jeglichen Medienrummel».

Trotz der vielen berühmten und einflussreichen Menschen, die in Gstaad ihre Ferien verbringen, blieben die Einheimischen bodenständig, denn sie wüssten, was wirklich zählt im Leben, ist die PR-Managerin überzeugt. Was den Tourismus im Saanenland attraktiv mache, sei die Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten zwischen aktiv sein und geniessen.

Höchste Rodelbahn der Welt

Aktiv sein können die Touristen in der Natur und der Bergwelt: Wem das gemütliche Wandern nicht genug ist, kann bergsteigen oder klettern. Die Rodelbahn auf dem Glacier 3000 ist im Sommer offen und die höchste der Welt. Wer es lieber ein bisschen wilder hat, kann Riverraften oder Gleitschirmfliegen.

«Momentan kümmern wir uns speziell um das Thema Biken», sagt Sonnekalb. Die Gäste sollen erfahren, dass man das Saanenland auch auf zwei Rädern erkunden kann. Die «alpine Echtheit» gehöre zu den grossen Stärken der Region. So etwa kann man erleben, wie auf der Alp Käse gemacht wird und Alpfeste gefeiert werden.

Fülle von Gourmetrestaurants

Ein weiterer Trumpf ist gemäss Kerstin Sonnekalb die Kulinarik: «Gstaad gilt als Olymp für Feinschmecker.» So sammeln sich 218 GaultMillau-Punkte in 15 Restaurants; in über hundert Restaurants - vom urchigen Bergbeizli bis zum Gourmettempel - kann gegessen und getrunken werden.

Auch das Wohlfühlprogramm für den Körper kommt im Saanenland nicht zu kurz. Denn Gstaad sei seit letztem Sommer eine zertifizierte von sechs Wellness-Destinationen der Schweiz.

Was den idyllischen Blick auf die Gegend ein wenig trübt, sind die vielen Baustellen rund um und in Gstaad. «Das muss halt sein», sagt Sonnekalb pragmatisch. Immerhin werde hier einer der grössten Fernwärmeverbünde der Schweiz installiert, an den auch viele Hotels angeschlossen sind. Das Holzschnitzel-Heizkraftwerk ersetze pro Jahr 3,3 Millionen Liter Heizöl.

Spürbare Krise

Die Wirtschaftskrise hat auch das Saanenland erreicht. Wo bis Februar dieses Jahres noch nichts zu spüren gewesen sei, merke man es jetzt umso mehr, so Sonnekalb. Vor allem die Buchungen für Meeting- und Firmenanlässe liessen um 10 Prozent nach.

«Viele Firmen können und wollen zurzeit solche Anlässe nicht mehr finanzieren», sagt die PR-Managerin. Ausserdem kämen weniger Touristen aus Grossbritannien, den USA und Spanien. Was tun gegen die Krise? «Wir wollen auf keinen Fall am Angebot sparen», sagt Sonnekalb. Die Region biete nach wie vor die volle Palette an Top-Events.

Stolz auf Tradition

Kerstin Sonnekalb arbeitet seit eineinhalb Jahren bei Gstaad Saanenland Tourismus. Was gefällt ihr persönlich am besten im Saanenland? Die Antwort kommt prompt: «Die Offenheit der Menschen.» Denn, obwohl die Gegend den Tourismus schon lange kennt und von ihm lebt, seien die Einheimischen bei sich geblieben. «Sie sind stolz auf ihre Tradition und trotzdem offen für neue Ideen.»

Etwas weniger toll findet die gebürtige Deutsche, dass die nächsten grösseren Städte eine Stunde entfernt sind. «Aber ich bin mobil», sagt Kerstin Sonnekalb, «und die Welt ist schliesslich zu Gast bei uns.»

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