Zecken

Die Blutsauger sind wieder da

Unsere Region gehört zum Zecken-Hochrisikogebiet. Hier können Zecken die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen

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Unsere Region gehört zum Zecken-Hochrisikogebiet. Hier können Zecken die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen

2009 wird ein Zeckenjahr: Tierärzte, Ärzte, Förster und Waldkindergärten in der Region Baden sind alarmiert, den Spass verderben lassen sie sich aber nicht.

Maja Sommerhalder

Endlich Frühling: Der Garten blüht, der Wald lockt, die Zecken sind auf der Lauer. Gerade mal zwei Millimeter sind die Tierchen gross, die im Unterholz oder Gras leben. Nicht selten werden die Blutsauger von Mensch oder Tier nach Hause getragen. Unbemerkt krabbeln die Zecken auf ihrem Träger, bis sie eine geeignete Stelle finden, um zuzustehen. Besonders gerne saugen sie hinter den Ohren, am Haaransatz, am Hals, in den Achselhöhlen, an der Oberschenkelinnenseite oder in den Kniekehlen. Die Stiche sind schmerzlos und werden oft erst bemerkt, wenn sie der Parasit bereits mit Blut gefüllt hat.

Halsbänder für Hunde

«Bereits Anfang April gab es Zecken. Ich habe den Eindruck, dass es dieses Jahr besonders viele sein werden», sagt Tamara Caluori, die in einer Praxis in Baden-Dättwil als Tierarztgehilfin arbeitet. Tatsächlich täuscht sie ihr Gefühl nicht: Der Zürcher Arzt Norbert Satz, der sich auf Zecken spezialisiert hat, sagt in der Zeitschrift «Das Magazin»: «2009 wird ein Zeckenjahr. Wir hatten einen kalten Winter und einen warmen Herbst. Das führt zur Vermehrung der Population.»

So wird wohl Tamara Caluori im «Zeckenjahr 2009» noch viele Hunde- und Katzenbesitzer beraten: «Sie fragen, wie sie ihre Tiere schützen können.» Und? «Es gibt Zeckenhalsbänder, Sprays oder Präparate zum Auftragen. Zudem können Hunde und Katzen vor Borreliose geimpft werden.» Doch manchmal beissen die Blutsauger trotzdem zu: «Einige Tierhalter kommen dann zu uns, weil sie sich nicht getrauen, die Zecken zu entfernen.» Krankheiten, die von einer Zecke übertragen werden können, müssen in der Tierarztpraxis selten behandelt werden: «Die Profilaxe ist wirksam», so Caluori.

Weniger Impfungen

Trotzdem: Zecken können Krankheiten verursachen. Zwei bekannte sind die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), auch Zecken-Hirnhautentzündung genannt. Bei der Borreliose wird ein Bakterium und bei der FSME ein Virus übertragen. Während die erste Erkrankung mit Antibiotika behandelt werden kann, gibt es keine spezifische Behandlung für die FSME. Schützen kann man sich nur mit einer Impfung.

Heini Zürcher, Hausarzt aus Windisch, empfiehlt die Impfung allen Menschen, die in einem Risikogebiet leben. Die Bezirke Baden, Brugg und Zurzach gehören zum Hochrisikogebiet. Etwa 30 Prozent seiner Patienten sind bereits geimpft: «In den letzten drei Jahren haben die Impfungen zugenommen.» 72 Mal hat er seit diesem Januar bereits zugestochen; letztes Jahr hatte er noch mehr Arbeit. Damals gab es im gleichen Zeitraum 103 FMSE-Impfungen: «Das kann natürlich Zufall sein. Eine andere Möglichkeit ist, dass sehr viele Impfwillige die Impfung bereits in den letzten Jahren gehabt haben.»

Auch wenn wir in einem Hochrisikogebiet leben, kommt FMSE relativ selten vor. «Ich habe noch nie eine schwere Erkrankung behandelt», so Zürcher. Häufiger ist dafür Borreliose. «Ich habe etwa 20 Fälle pro Jahr.» Die meisten werden in einem frühen Stadium entdeckt und können daher gut behandelt werden. Bei etwa drei Patienten pro Jahr ist die Krankheit schon weiter fortgeschritten. Oft können die Schäden nicht mehr rückgängig gemacht werden.

«Strassen sind gefährlicher»

Diese Gefahren kennt auch Richard Plüss, Förster aus Lupfig: «Meine Mitarbeiter und ich sind alle gegen Zecken geimpft. Wenn wir im Unterholz arbeiten, schützen wir uns mit Zeckenspray.» Trotzdem: Zeckenbisse gehören zum Berufsrisiko: «Wir gehen ganz normal unserer Arbeit nach und schränken uns nicht ein. Auch schützen wir uns nicht mit spezieller Kleidung.» Plüss hat Glück. Zecken scheinen ihn nicht zu mögen: «In meiner 30-jähriger Karriere wurde ich nur zweimal von einer Zecke gestochen. Es gibt Kollegen, die jede Woche erwischt werden.»

Auch wenn Zecken in der Waldspielgruppe Baden Baldegg und Fislisbach Thema sind, lässt man sich Spiel und Spass nicht verderben, wie Leiterin Myriam Pfammatter bestätigt: «Wir informieren die Eltern, ohnen ihnen Angst zu machen.» Was heisst das? «Wir relativieren die Gefahr. Schliesslich sind Strassen für kleinere Kinder immer noch gefährlicher.» Trotzdem: Ohne Schutz gehen die Kinder nicht in den Wald: «Wir tragen lange Hosen und Pullis und verwenden Zeckenspray.» Die Massnahmen scheinen erfolgreich zu sein: «Unsere Kinder werden selten von Zecken gestochen. Mich hat es noch nie erwischt.»

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